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Donnerstag, 24. Januar 2019

ALLES WIEDER ANDERS

23.01.2019

Florian

Heute in der Früh - ich komme gerade vom Laufen - steht Tanja, die Skipperin vom Katamaran KATALYST vor der ESPERANZA und fragt mich, ob ich sie als Crew mitnehmen würde, da ja Harald bei mir ausgefallen ist. Pfuuh! Schwierige Entscheidung - ich bin jetzt schon auf 2 Personen eingestellt. Ich brauch ein wenig Bedenkzeit, aber nach 15 Minuten des Abwägens ist klar, ich nehme sie mit. Auf dieser langen Strecke mit vielen Nachtwachen ist es besser mit kurzen Nachtwachen Energie zu sparen.

Wir sind also wieder zu dritt. Tanja ist aus Florida/USA, sie ist Profiskipperin, war aber auf KATALYST nicht happy, da das Schiff in keinem besonders guten Zustand ist. Angelo ist happy, jetzt habe ich schon zwei Crewmitglieder von KATALYST übernommen (Angelo kommt auch von dort). Die Agenturen rotieren, da sie alle Papiere immer wieder umschreiben müssen. Im Übrigen: die Kosten der von mir gewählten Agentur GAC waren USD 220 beim Einklarieren und jetzt nochmals USD 8 für 1000 l Wasser - das war´s. Und das Service war gut, ich kann GAC empfehlen. Die zweite Agentur - Windsor - kann ich genauso empfehlen; sehr gutes Service.

Nach letzten Einkäufen von Frischobst und Gemüse sind auch die letzten Rupien ausgegeben. Wir klarieren aus und laufen um 13:30 Uhr aus dem Hafen aus, gehen in der Nachbarbucht vor Anker und säubern noch das Unterwasserschiff - Millionen von winzigen Muscheln haben sich festgesetzt. Mit Spachteln kratzen wir sie ab - wie Eiskratzen. Letzte Nacht vor Anker - Morgen um 7 Uhr gehts Anker auf nach Ägypten.

Meine Crew - Tanja, und Angelo


Daumen halten!!

Mittwoch, 23. Januar 2019

SO SCHAUT´S AUS

23.01.2019

Florian


Letzter Abend in Sri LAnka.  Gute Massage und ein gutes Essen -  wer weiß, wann ich wieder in der Zivilisation bin?

Dann eine Nachricht. Mein weiteres Crewmitglied Harald hat seinen Anschlussflug in Jordanien verpasst. Das brauch ich jetzt! Er schafft es also nicht rechtzeitig nach SriLanka und ich kann nicht warten. Gesamtorganisation wieder umkrempeln.

Ich segle daher nur mit Angelo diese Strecke - wird schon passen! Wir haben also nun sehr viel Essen und sehr viel Wasser und werden wohl übergewichtig in Ägypten ankommen. Und verdursten werden wir sicher nicht.

Es bleibt ein Abenteuer.

So schaut´s aus!

VORBEREITUNGEN FÜR DIE GROSSE FAHRT

22.01.2019

Florian

Die Vorbereitungen für die große Fahrt sind fast abgeschlossen. Alle Systeme sind überprüft und gewartet, Einkauf für 3 Personen für 4 Wochen ist bis auf Frischobst und Gemüse abgeschlossen, der Transport für Harald vom Flughafen zur ESPERANZA ist organisiert.

Gestern hatten wir noch ein Schockerlebnis, die ESPERANZA hat sich in dem starken Schwell in der Marina losgerissen. Damir, der Eigner vom Katamaran neben uns, hat gemeint, wir sollten die Leinen ganz fest anziehen, dann würden wir ruhiger liegen - und ich habe mich blöderweise überreden lassen. Peng!! sind im Schwell die Leinen gerissen und die ESPERANZA hat nur noch an einer Leine gehangen und sich um 180° gedreht - und wir nicht an Bord. Zum Glück ist nichts passiert, denn Angelo kam gerade zurück und hat sie neu vertäut - jetzt sind wir wieder locker verbunden und doppelt vertäut - und alles ist wieder gut.

Wir hatten zwei Flottenbesprechungen und alles sollte so weit geklärt sein.


Flottenbesprechung

Extra Diesel

Ob alles funktioniert, werden wir am Weg schon sehen. Es ist eine gespannte Stimmung, aber jeder ist bereit abzulegen. Man muss sich den Weg zutrauen; wie es werden wird, kann man eh nicht vorhersagen. Ich hoffe, dass wir gut durchkommen.


ESPERANZA - ready to go!

Morgen werden wir ausklarieren, dann uns in die Nachbarbucht verlegen zum Rumpfputzen, damit wir schnell sind und danach gehts los. Es sind 3000 sm bis Ägypten - so weit wie von Galapagos zu den Marquesas - ich hoffe auf 25 Tage.  Haltet uns die Daumen - wir könnens brauchen!

Dienstag, 22. Januar 2019

GALLE

19.01.2019

Florian

Der Spinnakerbaum ist repariert, das Problem des Kühlschranks ist, dass der Kompressor nicht anspringt (vielleicht zu wenig Kühlmittel??). Die ESPERANZA habe ich aus dem großen Hafenbecken in den "neuen" Hafen verlegt und sie liegt längsseits eines Katamarans aus Montenegro. Daher ist heute Entspannen, ein wenig Stadtbesichtigung und erstes Einkaufen angesagt.

Das alte holländische Fort von Galle ist UNESCO Weltkulturerbe und wirklich sehenswert. Es ist zwar sehr touristisch, aber unbedingt eine Besichtigung wert. Die wichtigsten Dinge erledige ich gleich am Weg zum Fort - Geld abheben und SIM Karte kaufen. Aber dann flaniere ich durch die netten Gassen, gönnen mir ein kühles Bier und genieße, dass es nicht schaukelt.

Das alte Fort







Wie geht`s weiter? Ich werde mit einer Gruppe von Seglern durch das gefährliche Meeresgebiet vor Somalia segeln. Mehr darf ich derzeit aus Sicherheitsgründen nicht erzählen. Ihr werdet alles erfahren, wenn ich durch und in Sicherheit bin. Ich habe eine zusätzliche Crew. Harald aus Österreich, der mich nach meinem Mitsegler-Aufruf vor einigen Monaten kontaktiert hat. Er sollte am 23. in der Früh landen, sofort auf die ESPERANZA kommen, dann ausklarieren und los gehts - wenn geht non-stop nach Ägypten - dann wären wir zu dritt.

Es bleibt also nicht viel Zeit, um alles fertig zu machen für die letzte große Überfahrt - 3000 sm.

Montag, 21. Januar 2019

PHUKET - SRI LANKA, 10. TAG

17./18.01.2019

Florian

Sobald wir in den Windschatten von Sri Lanka kommen ist der Wind weg. Einerseits ist es angenehm nicht mehr herumgeschleudert zu werden, anderseits haben wir noch 45 sm vor uns - also muss die "Eiserne Genua" herhalten. Wir schauen nicht schlecht, als wir den Katamaran SANGANEB  5 sm hinter uns auf dem AIS entdecken. Die ESPERANZA hat sich also von ihrer besten Seite gezeigt. Wir tuckern 9 Stunden, bis wir um 21:45 Uhr in der Bucht von Galle den Anker auf 11 m und uns glücklich ins Bett fallen lassen.

Seit Phuket haben wir 1.134 sm in 9 Tagen und 15 Stunden zurückgelegt, davon 11 Stunden unter Motor (davon 9 Stunden heute) - ein Schnitt von 4,9 Knoten. Nunmehr auf 80° Ost angelangt habe ich noch 67° vor mir bzw. 82 % Weltumsegelung hinter und 18 %  noch vor mir.


Historisches Fort von Galle - UNESCO Weltkulturerbe

Galle Hafeneinfahrt

Unmittelbar vor der Hafeneinfahrt legen Fischer ihr Netz aus.

Heute Morgen laufen wir in den Hafen ein. Die Polizei empfängt uns bereits am Hafeneingang und kommt bei SANGANEB an Bord. Wir gehen längsseits und treiben im Hafenbecken. Auf SANGANEB ist alles in Ordnung und die ESPERANZA wollen sie dann gar nicht mehr inspizieren.


Längsseits an SANGANEB in der Hafeneinfahrt

Wir dürfen an der Kaimauer anlegen.  Unsere Agenten erscheinen und das übliche Behördenschauspiel beginnt.

Der Zollbeamte meint, wir dürften lediglich kleine Mengen an Proviant in den Hafenbereich und an Bord nehmen, für größere Mengen würden wir den Agenten benötigen. Auf meine Frage, was denn größere Mengen bedeutet, legt er sich nicht fest, und ob es nach Stückzahl, Gewicht oder Wert geht ist auch nicht klar. Man will sich die Möglichkeit für erforderliche "Geschenke" offen halten. Als er geht, meint der Agent noch, ob ich nicht eine kleine Aufmerksamkeit für den Zollbeamten hätte. Er darf zwischen warmem Bier oder warmem Cola wählen, entscheidet sich für Bier und ich darf es ihm auch noch Blickdicht in ein Plastiksackerl verpacken - es soll ja keiner sehen. Dafür war seine Uniform makellos.

Die Behörden sind nach 5 Stunden abgeschlossen und wir dürfen uns frei bewegen, benötigen allerdings, um aus dem Hafengelände hinaus und wieder herein zu kommen, einen Passierschein.  Naja,  spannend sind diese bürokratischen Spielereien schon. Aber sonst hätten sie ja gar nichts zu tun. Das Hafengelände ist jedenfalls genauso verfallen wie die behördlichen Sitten. Auf SANGANEB fehlt nach dem Besuch der Hafenpolizei ein Mobiltelefon - aus einem wasserdichten Rucksack - gestohlen von der Polizei!

Willkommen in Sri Lanka! (Und Galle ist angeblich noch der angenehmste Hafen zum Einklarieren.)

PHUKET - SRI LANKA, 8./9. TAG


16./17.01.2019

Florian

Es ist quälend. Mit 2,5 - 3 Knoten schaukeln wir dahin. Ich komme mir so vor, als ob ich im Stau stehen würde - Stop and Go - und zwar von Wien nach Barcelona. Aber es hilft nichts, wir müssen Geduld haben.

Und dann um 15:00 Uhr am 15.01. findet irgendjemand endlich den "Windschalter" und von einer Minute auf die andere haben wir 12 Knoten Wind aus 90°. Wir bauen schnell alle Segel von Vorwind auf Raumschot um (Angelo ist bereits sehr hilfreich dabei) und dann "fliegen" wir mit 6 - 7 Knoten dahin. Segeln vom Feinsten. So purzeln die Meilen und es geht die ganze Nacht so weiter. Um 09:00 Uhr am 16.01. haben wir noch 199 sm vor uns. Mit Glück schaffen wir es bis morgen vor Sonnenuntergang in den Hafen - immerhin haben wir eineinhalb Stunden Zeit gewonnen; SriLanka ist UTC -5,5 Stunden und damit 1,5 Stunden vor Phuket - quasi wie "In 80 Tagen um die Welt" in klein.

Aber abwarten, noch sind wir nicht da, doch die Stimmung hebt sich enorm, wenn man "Land riecht".



Reling polieren

Der Wind nimmt permanent zu und so auch die Welle. Die Segelmanöver gestalten sich abenteuerlich, insbesondere das Hantieren mit den großen Bäumen am Vordeck. In der Nacht hat der Wind permanent 20-25 Knoten, groß und Genua sind im 2. Reff und wir machen noch immer 7 Knoten. Es ist nicht mehr witzig! Aber wir können jetzt leider nicht aussteigen.

So arbeiten wir uns die Nacht durch - ich bekomme nur zwei kurze Schlafpausen, aber nach Schlafen ist mir eh nicht zu mute, das Adrenalin steht mir bis in die Augen. Das Südosteck von SriLanka ist eine Starkwindzone, dort presst sich der Wind um die Kurve, dazu große Wellen und viele Schiffe, wir sind mittlerweile an der Großschifffahrtsstraße angekommen. An Draußensitzen ist nicht zu denken, dauernd spritzen die Wellen übers Deck. So verstecken wir uns unter Deck und behalten die Instrumente im Auge. Am Plotter blinken überall Schiffe, und dazu kommen noch einige Fischer, die kein AIS haben und keine 200 m vor uns unseren Weg kreuzen; manche dafür mit AIS aber unbeleuchtet - heute bekommen wir alles.



Fischer ohne AIS,  dafür neugierig und in nächster Nähe

Aber auch diese Nacht geht vorüber. Bei Tagesanbruch sind wir bereits im Süden von SriLanka. Die ESPERANZA zeigt sich von ihrer besten Seite und hat in den letzten 14 Stunden 100 sm zurückgelegt - und das im 2. Reff!! Das heutige etmal beträgt 167 sm! Vielleicht kommen wir ja noch bei Tageslicht im Hafen von Galle an und können vor Anker die Nacht in Ruhe durchschlafen. Die Hoffnung lebt!

Unsere Position am 17.01.2019, 03:00 UTC, 05°52´N 081°04´E, Alles ok!