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Sonntag, 5. Juni 2016

HAPATONI

Florian

Nach einem ausgedehnten Sonntagsfrühstück sind wir an Land in die Sonntagsmesse. Es war diesmal eine Freiluftmesse, da die Bewohner aller vier Ortschaften auf Tahuata anwesend waren – und es war sogar (und das zum ersten Mal seit wir hier sind) ein Priester anwesend. Dieser Kirtag ist offensichtlich ein wichtiger Festtag für Hapatoni.



Es war eine prächtige Messe. Die Menschen festlich gekleidet inmitten der üppig grünen Landschaft; verziert durch tausende Blumen.


Auch hier tragen einige Mädchen und Frauen wunderschöne Blütenkränze. Es ist eine von zartem Duft umschmiegte Augenweide.




Im Anschluss an die Messe gab´s ein Lunch-Paket, für das wir bereits gestern einen Gutschein gekauft hatten. Es ist eine interessante Sitte hier, dass man nach der Messe nicht gemeinsam isst, sondern ein verpacktes Essen mit auf den Heimweg bekommt.


Also haben auch wir den Heimweg angetreten und uns von Hapatoni verabschiedet, um wieder hinüber nach Vaitahu zu tuckern, da dort der Ankerplatz besser ist und wir am Montag auf Internet hoffen. 

Samstag, 4. Juni 2016

KIRTAG

Martina

Gleich nach dem Frühstück entschließt sich Florian doch die Ankerwinsch noch einmal genauer nach einer möglichen Fehlerquelle zu untersuchen. Er zerlegt das Relais im Ankerkasten, alles ok. Dann schraubt er den Deckel der Ankerwinsch ab, löst alle Kabel und schaut sich den Elektromotor genauer an. Er entdeckt, dass sich bei einer Kohle eine  Metallspange  gelöst hat und deshalb dort kein Kontakt zustande kommen kann. Kleine Ursache große Wirkung, rasch gelöst. Florian baut gleich wieder alles zusammen, denn wir wollen zurück nach Hapatoni, zum dreitägigen Kirchenfest welches alle 4 Orte der Insel gemeinsam feiern.
Ich schließe die Luken, während Florian bereits mit dem „Anker auf“- Manöver beginnt. Plötzlich höre ich panische Schreie und laufe sofort hinaus. Da kommt mir Florian schreiend und wild gestikulierend entgegen. Aus dem Weg, weg da! Geh schnell nach vor und schau wieviel Ankerkette noch unten ist, die Ankerwinsch hört nicht auf zu laufen, ich kann sie nicht stoppen. Scheiße, Scheiße, Scheiße, die reißt uns da vorne alles ab! Ich sehe meine grüne Markierung und rufe „es sind noch 30 Meter unten“, in dem Moment stoppt das Höllending! Florian schlottern die Knie, er hat geistesgegenwertig rasche den Hauptstromschalter abgedreht. Jetzt einmal kurz vom Schock erholen und dann sich der Sache annehmen. Auch diesen Fehler findet Florian. Im Relais hat sich eine Kontaktplatte verdreht und so konnte sich ein Kontakt verklemmen. Ein permanenter Kontakt war die Folge, puh, noch einmal Glück gehabt!
Um 12 h ist es dann so weit und wir segeln die 3 Seemeilen nach Süden und liegen wieder am Ankerplatz von gestern. Ab ins Dingi und an Land.
Das verschlafene Dörfchen ist zum Leben erweckt. Schon am Hafenbecken spielen, springen und tollen viele Kinder herum. Der Weg zur Kirche ist mit geflochtenen Palmenblättern geschmückt.



Vor der Kirche ist ein schattenspendendes Zeltdach aufgebaut. Im großzügigen Pfarrgarten sind 10 Petonquebahnen (für Nichtfranzosen auch Boccia genannt) mit Hilfe von Angelschnüren abgesteckt.




Konzentrierte, ehrgeizige  Frauen - und Männergesichter sind zu beobachten, immer wieder wird die Beschaffenheit des Rasens „gelesen“, und das bei einer zum Meer abschüssigen Bahn. Die Kugeln werden immer wieder mit einem Tuch geputzt und in der Hand gedreht. Der Fokus ist eindeutig auf die kleine bunte Kugel gerichtet. Mit einer faszinierenden Treffsicherheit wird die Kugel des Gegners weggeschossen, dieser nimmt seine nächste Kugel und wirft sie wiederum ganz nahe an die kleine Kugel. Trotz Ehrgeiz fällt kein böser Blick oder gar ein lautes Wort!
Im Anschluss an das Turnier gibt es gratis Essen für alle. Reis, Wildschweineintopf und rohen Fisch, Brot und Bananen, auch wir werden eingeladen uns etwas zu Essen zu holen.

Der Höhepunkt des Tages ist aber die musikalische und tänzerische Vorführung der Inselbewohner. Jedes der 4 Dörfer hat ein Musikstück mit polynesischen Tänzen vorbereitet. Florian ist schon müde und verfolgt mit geschlossenen Augen einen Teil, aber ich genieße diese Darbietung, die mir einen Einblick in die französisch-polynesische Kultur ermöglicht hat.


Freitag, 3. Juni 2016

VAITAHU

Florian

Die Korallen und Felsen haben uns in der Nacht gequält. Unsere Ankerkette hat daran gescheuert und uns den Schlaf geraubt. Unsere Ankerwinsch streikt beim ersten Versuch, Florian schaut alle Stromkabeln durch, putzt sie und befreit sie von Korrosionsspuren. Er erkennt keinen wirklichen Grund warum die Ankerwinsch gestreikt hat, aber jetzt geht sie wieder. Also mit einstündiger Verzögerung geht es dann doch „Anker auf“ und wir tuckern die 2 sm nach Vaitahu. 

Vaitahu ist die Hauptstadt von Tahuata. Es ist wesentlich zivilisierter als Hapatoni. Die Straßen sind betoniert, es gibt eine sehr schöne Kirche, die aus Ballaststeinen von Schiffen errichtet wurde, eine Post und Rathaus, wo wir auf Internet hoffen.



Es gibt allerdings nur einen absolut abenteuerlichen Anleger. Zwar ist eine Renovierung der Hafenanlage angeschrieben, allerdings steht dabei weder eine Jahreszahl, wann die Bautätigkeit begonnen noch wann sie fertig sein soll. Offenbar ist die Tätigkeit abgebrochen; wahrscheinlich ist das Geld ausgegangen.



Es gibt ein gut sortiertes Geschäft, mit teilweise günstigeren Preisen als in Atuona. Neben dem Geschäft steht ein Pomelobaum (Pomelos haben hier das ganze Jahr Saison) und die Verkäuferin meint wir dürfen uns gerne Pomelos pflücken. Wir nehmen also zwei Pomelos, aber sie meint wir sollen mehr nehmen. Also packen wir unseren Rucksack mit 9 Pomelos voll. Auch Zitronen oder Limonen liegen an vielen Stellen auf der Straße herum. Die Gegend hier ist wesentlich fruchtbarer als Hapatoni.






Internet gibt es leider keines, angeblich wieder am Montag in der Post – na wir werden ja sehen. Internationale Kommunikation ist hier jedenfalls kein wesentliches Anliegen.

Donnerstag, 2. Juni 2016

HAPATONI

Florian

Hapatoni ist der südwestliche Ort auf Tahuata. Es klingt ja wie ein Fitnessgetränk oder eine Schischuhmarke, aber es ist ein kleiner verschlafener Ort inmitten dichter Vegetation.



Das Versorgungsschiff kam gerade und lud  Ölfässer für das örtliche Kleinkraftwerk aus, das 12 Volt für die Beleuchtung der Wege produziert. Kinder singen in der Schule, die sich im freien abspielt an kunstvoll geschnitzten Tischen; hier sind die Brettspiele gleich in den Tisch geritzt.



Die Kirche ist sehr stimmungsvoll aus wuchtigen Steinen.


Wir spazieren die einzige Straße entlang, bis auf den Hügel in der Mitte der Bucht. Dort stehen ein weißes Kreuz und eine Christusstatue in einem Marterl, die in der Nacht angeleuchtet wird und eine gute Landmarke abgibt. Die Ortschaft ist zwar sehr einfach, aber auch sehr gepflegt. Man geht wie durch einen Park voll von Blumen, Palmen und grünen Wiesen – sehr schön.






Die Umgebung von Hapatoni ist so steil wie auf Fatu Hiva und mein Laufrelief hinauf auf 500m sieht genauso aus (ich will aber niemanden mit noch einem Laufrelief langweilen). Als ich vom Laufen zurückkomme sitzen die Kinder in meinem Dingi uns düsen unter Motor herum. Als sie mich sehen, drehen sie sofort den Motor ab und sehen betreten drein. Auf meine Frage was das soll antworten sie, dass das Dingi im Hafenbecken getrieben sei. Irgendwer hätte die Leine Losgemacht und sie hätte das Dingi gerettet. Das besänftigt mich natürlich. Es ist natürlich sehr ärgerlich, wenn irgendjemand ein Dingi loshängt – insbesondere in einem entlegenen Ort wie diesem; offenbar gibt es auch hier Menschen, die keine Besucher wünschen.

Also zurück aufs Schiff. Wir schnorcheln in glasklarem Wasser, aber die Unterwasserwelt ist praktisch tot; keinerlei  Farben; alles ist Weiß, Grau, Schwarz – sogar die Fische passen ihre Farben den grauen Steinen an. Nur nicht der 2,5 m lange Schwarzspitzenhai, der uns begutachtet – der sieht immer so aus.

Wir nützen das klare Wasser auch, um das Unterwasserschiff unserer ESPERANZA zu säubern. Das geht ganz gut, nur die dünnen Algenfäden sind mühsam zu entfernen, aber wir sind wieder ganz gut sauber.