Posts mit dem Label Pazifiküberquerung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pazifiküberquerung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 25. Mai 2016

VERPFLEGUNG BEI DER PAZIFIKÜBERQUERUNG

Martina

Für alle die sich nicht vorstellen könne, wie man sich mit Lebensmitteln für ein Pazifiküberquerung eindeckt, hier ist meine Proviantliste.

EINKAUF

  • 54 große grüne Bananen und 42 kleine grüne Bananen
  • 14 Grapefruits
  • 4 sehr grüne Ananas
  • 21 Maracujas
  • 14 grüne Orangen
  • 18 Limetten
  • 5 Paprika
  • 15 grüne Tomaten
  • 5 Melanzani
  • 30 Eier (von verschiedenen Anbietern) mit Vaseline eingeschmiert und im Laufe der Fahrt immer wieder in der Packung umgedreht
  • 1 grüner Salat
  • 2 Gurken
  • 2 Weißkraut
  • 1 kg Fisolen
  • 10 Knoblauch
  • 4 Karotten
  • 4 harte Avocados
  • 3 kg Zwiebel (da hatte ich in der letzten Woche schon einen Engpass)
  • 1 Lauch
  • 5 kg Kartoffeln
  • 1/2 kg Käse
  • 1 kg (Schinken, Salami, Speck, Wurst) alles selbst eingeschweißt
  • 1 kg Rindfleisch eingeschweißt
  • 2 Kilo Reis und Risotto
  • 2 x 2 kg Nudeln
  • 5 Kilo Weizenmehl
  • 5 Kilo Vollkornmehl und diverse Körndeln (habe ich noch aus Österreich)
  • 4 Packungen Gnocci
  • 3 Packungen Weizentortillas
  • 10 Packungen Vollkornbrot
  • 10 selbstgemachte Marmeladen
  • 1 großes Nutellaglas
  • 20 Müsliriegel
  • 2 kg Knuspermüsli
  • 6 Naturjoghurt
  • 8 H-Schokopudding
  • 1l Olivenöl
  • 10 Liter H-Milch und 2 kg Trockenmilch
  • 40 x 5 l Trinkwasserflaschen
  • 400 l Nutzwasser im Tank
  • 6 Liter selbstgemachter Limetten - und Grapefruit Ingwersaft
  • ca. 50 Stk.Vitaminbrausetabletten
  • Süße Leckerlis für den Kapitän
  • Salziges für die Bordfrau





Nachdem meine Seekrankheit zu 95% nicht vorhanden war, habe ich täglich frisch gekocht, außer die Bedingungen waren schlecht, dann hat es eben etwas vorgekochtes gegeben! Ich war sehr darauf bedacht, dass wir fast täglich frisches Gemüse und Salat am Speiseplan hatten. Es war essenstechnisch nicht immer leicht die Salatschüssel fest im Griff zu haben, aber ich wollte uns gesund da rüber bringen. Kapitän war immer sehr zufrieden.

SPEISEPLAN:

  1. Ratatouille mit grünem Salat
  2. Ratatouille
  3. Rindsschnitzel mit Fisolen, Kartoffeln und grünem Salat
  4. Fischsuppe und Rindsschnitzel mit Fisolen und Kartoffeln
  5. Babytuna auf Melanzanirisotto mit Gurkensalat
  6. Pasta asciutta mit Tomatensalat
  7. Tomaten mit Mozarella und Melanzanirisotto
  8. Fisolengulasch mit Kartoffeln und Würsteln
  9. Tortillas mit Faschiertem, Tomaten, Zwiebel und Salsa
  10. Penne mit Melanzanisugo und Paprikasalat; in der Nacht habe ich frisches Vollkornbrot gebacken
  11. Babydorade mit Rosmarinkartoffeln
  12. Bergfest: Speck, Eieraufstrich, Tiroler Hauswürstel und je eine Dose Bier
  13. Babydorade mit Gnocci und Melanzanisugo
  14. Spagetti Carbonara mit Gurkensalat
  15. Eiernockerl mit Krautsalat
  16. G´röstl mit Chorizzo, Kartoffeln und Krautsalat
  17. Specklinsen mit Serviettenknödel
  18. Tunfischlaibchen mit Kartoffelpüree und Krautsalat; Kürbiskernbrot gebacken 
  19. Tunfischfilet auf Penne mit Parmesan und Kartoffelsalat
  20. Linsen mit Serviettenknödel
  21. Tunfischcurry mit Mischgemüse und Reis
  22. Asiatisches Hühnerfleisch mit Reis
  23. Boeuf Stroganov mit Nudeln
  24. Penne á la Genovesa
Wir sind mit 4 Orangen und 2 Zwiebeln (war ich dann doch sparsam genug) angekommen. Es war alles gut eingeteilt, und wir sind mit den frischen Lebensmitteln ganz gut ausgekommen! Gemüse, außer Karotten, in Zeitungspapier eingewickelt hält ohne Kühlschrank erstaunlich lange.


Samstag, 14. Mai 2016

PAZIFIKÜBERQUERUNG 25.TAG

Florian

11./12.05.2016

Es ist ja kaum zu glauben, dass die Pazifiküberquerung bis zur letzten Minute spannend bleibt. 2 Seemeilen vor der Hafeneinfahrt von Atuona fährt die Angel aus. Martina schreit:“Fisch!!!“ und stürzt zur Angel, um diese einzuholen. Nach kurzer Zeit ruft sie, dass sie den Fisch nicht einholen kann, er zieht zu stark. Also muss ich ran und schnappe mir die Spule – und da ist was los! Ich ziehe den Fisch heran und wenn er anreißt, dann lasse ich wieder nach. So schaffe ich höchstens zwei Umdrehungen der Spule. Sehr, sehr langsam nur kann ich die Leine aufspulen. Ich schaue leicht besorgt nach vorne – da ist schon die Hafeneinfahrt zu sehen und eine kleine Insel davor; da wollen wir nicht draufknallen. Schließlich ca. 15 Meter entfernt taucht der Fisch endlich auf; ist es ein Hai? Jedenfalls ist er riesig und sehr kräftig. Indem ich ihn teilweise aus dem Wasser ziehe, kann ich ihn die letzten Meter näher holen.


Martina muss mir unser großes Gaff bringen; ins Netz passt der nicht hinein. Nach einigen Versuchen schaffe ich es ihm den Haken durch die Kiemen durch das Maul einzufädeln. Er schlägt natürlich um sich und ich schicke Martina aus der Plicht, damit er sie nicht verletzt. Und dann mit einem Hauruck wuchte ich den Brocken in die Plicht. Eine große Spritze 96% -igen Alkohol in die Kiemen und er schlägt nicht mehr um sich. Mit dem Messer drei Gehirnstiche und er ist von seinem Leiden erlöst.

Aber wir haben jetzt keine Zeit, uns um ihn zu kümmern. Ich starte den Motor und hole die Segel ein. Wir sind ca. ½ Seemeile vor der Hafeneinfahrt. Schon seit einiger Zeit brauen sich hinter uns die Wolken bedrohlich zusammen. Gerade als wir die Segel fertig verpackt haben kommt die weiße Wand auf uns zu. Ich schicke Martina unter Deck. Der Wind peitscht uns das Wasser und den Regen waagrecht ins Gesicht. Der Autopilot schafft die Belastung nicht mehr und ich muss selbst das Ruder übernehmen. Bei dem Wind können wir nicht einlaufen, das wäre zu gefährlich. So drehe ich vor der Hafeneinfahrt eine Runde um die andere. Nach ca. 20 Minuten lichten sich die Wolken und wir tuckern ins Hafenbecken.

Unsere Freunde von den anderen Schiffen der Funkrunde stehen an Deck ihrer Schiffe winken, hupen und gratulieren uns lauthals zur bestandenen Überfahrt. Das Hafenbecken ist dicht belegt. Nach einigen Runden lassen wir den Anker exakt um 09:52 Uhr Bordzeit – also 18:52 UTC fallen. Ich springe mit einer langen Leine ins Wasser und mache uns mit dem Heck an Land fest. Wir sind angekommen!!

Statistik: Wir haben 3.096 Seemeilen in 24 Tagen 3 Stunden – also insgesamt 579 Stunden zurückgelegt; sohin ein Schnitt von 5,347sm/Std (zum Vergleich Atlantik war 5,09sm/Std). 32 Stunden unter Motor; Motor nur zum Batterieladen 24 Std.; also in Summe 56 Motorstunden.


Unsere Ankunftswette haben denkbar knapp Helmut und Silvia von der ONOTOA gewonnen; sie hatten auf eine Ankunftszeit von 16:30 UTC getippt; unser Schweizer Freund Philipp hat auf 22:11 UTC getippt (30 Minuten später und er hätte gewonnen). Wir gratulieren den Gewinnern!!


Martina

Den Moment, als wir in das Hafenbecken eingelaufen sind, werde ich nie vergessen. Viele bekannte Schiff der Panpazifkfunkrunde haben uns schon erwartet und haben uns zugejubelt. Die Gänsehaut lief mir rauf und runter. Es ist einer dieser Momente, wo man die ganze Welt umarmen möchte, ein Glücksgefühl das nicht zu beschreiben ist. Alle freuen sich mit uns und wir sind auch stolz es geschafft zu haben. Das Ankerfeld ist sehr gut besucht, trotzdem sehe ich eine mächtige Österreichfahne auf einem Schiff, das wir nicht kennen. Ich rufe voller Begeisterung quer über die Bucht: " Hallo Österreich", und wieder überfällt mich die Gänsehaut. Es beschert mir ein Gefühl, als würde ich nach Hause kommen.


Wolfgang und Ilse von der High Flight rufen uns von weitem zu und dirigiert uns zu einem möglichen, und auch vom Schwell ganz gut geschützten Ankerplatz. Florian ist mit der Wahl zufrieden und der Anker fällt, was für ein Gefühl, ich verspüre noch einmal den Anflug einer Gänsehaut.
Unser Ankermanöver ist noch nicht ganz abgeschlossen, da kommen auch schon die beiden Österreicher Hannes und Sabine von der SY Cayenne mit ihrem Dingi und bringen zwei knusprige Baguette. Einfach unglaublich lieb und nach 24 Tagen und 3 Stunden ein wahrer Leckerbissen.
Jetzt lassen wir auch unser erstes wohlverdientes Bier zischen, wir fallen uns in die Arme und können es kaum fassen, "WIR HABEN ES TATSÄCHLICH GESCHAFFT" !!
Es bleibt keine Zeit, um zu verschnaufen, der Wahoo gehört zerlegt und filetiert, und dann ab in den Kühlschrank. Der Kerl raubt mir 1 Stunde lang meine Kräfte, bis ich ihn endlich fertig zerteilt habe.
Der Wahoo ist ein Raubfisch und gehört zu der Familie der Makrelen und Thunfische. Er zählt zu den besten Speisefischen und erreicht eine maximale Größe von 210 cm. Unserer ist 141 cm  groß, ca.15 kg schwer und wir sind heilfroh, dass er nicht größer ist!




Die ersten Segelfreunde folgen unserer Aufforderung sich Fisch bei uns abzuholen. Ich stelle einen großen Topf für eine Fischsuppe zu und wir laden Hannes und Sabine zum Essen ein. Mag nach 24 Tagen auf See etwas unglaublich klingen, aber ich hatte einfach zu viel Adrenalin, und ich war voll Energie.
Am Abend waren wir dann noch auf der Schottischen Yacht SY Time Bandit geladen, wo sich alle der Pazifikfunkrunde trafen.




Es war sehr nett, aber um 21:30 war meine Energie verpufft und ich wollt nur noch ins Bett. Endlich nach 24 Nächten wieder durchschlafen dürfen, ob wir das überhaupt können bin ich neugierig!

Donnerstag, 12. Mai 2016

PAZIFIKÜBERQUERUNG 24.TAG


Florian

11./12.05.2016

Der vorweihnachtliche Advent hat 24 Tage und auch wir werden 24 Tage (und ein paar zerquetschte Stunden) brauchen, um endlich in Hiva Oa anzukommen. Und der Vergleich passt gut, denn auch im Advent war ich (und bin es noch immer)am Anfang aufgeregt, dass es los geht, dann wird die Zeit lange, und es geht nichts weiter, und schließlich steigt der Adrenalinspiegel, je näher das Ziel kommt und die Freude ist riesengroß, wenn es endlich vorbei ist bzw. man angekommen ist.

Um 12:00 Uhr Mittags stellen wir die Uhr wieder ein Stunde zurück, sodass wir nun Bordzeit UTC +9 Stunden bzw. Österreich +11 Stunden haben.

Und auch ganz zuletzt bekommen wir nichts geschenkt. Nachdem ich festgestellt habe, dass ca. 20sm vor der Insel Hiva Oa drei Untiefen existieren (also eigentlich gewaltige Unterwasserberge), die von Süd nach Nord aus 4000m Tiefe auf 54m, 18m, und 454m unter Meeresspiegel ansteigen, da habe ich den Kurs schnell wieder geändert und wir haben uns von unserer südlichen Breite wieder nach Norden gearbeitet.



In der Nacht hat der Wind abgenommen und so schlagen die Segel wieder und wir müssen mehrfach die Segelstellung ändern, um an der nördlichsten Untiefe 2 sm nördlich vorbeizukommen. Danach geht es wieder - im Endspurt - nach Südwesten. Martina übergibt um 04:00 Uhr die Wache an mich. Bei der Untiefe kommt der Wind von der falschen Seite und es bremst und auf 2,5 Knoten herunter - offenbar gibt es hier gewaltige Strömungen. Als wir die Untiefe hinter uns lassen, wird´s wieder normal.

Und dann im ersten Morgengrauen um 05:25 Uhr Bordzeit - LAAAAND!! Hiva Oa taucht aus der Nacht auf - ich hole Martina, sie jubelt kurz dem Land entgegen und verschwindet wieder in der Koje. Ich empfinde Erleichterung und eine breite Zufriedenheit.



Jetzt müssen wir noch einen geeigneten Ankerplatz finden. Die Ankunftswette wird offenbar auch ganz spannend und knapp.

Position 12.05.2016, 16:00 UTC, 09°50´S 138°51´W, Log 4502, etmal 120sm, Es geht uns sehr, sehr gut!"



Mittwoch, 11. Mai 2016

PAZIFIKÜBERQUERUNG 23.TAG

Martina

10.5/11.5.2016

Auf Grund von unangenehmer Welle und Spinnakerbaum-Reparatur, haben wir den Friseurtermin von Sonntag immer wieder verschoben. Aber am Dienstag war es dann so weit. In der Plicht am Boden sitzend, 2 Kübel Salzwasser mit einem Trinkbecher in kleinen Einheiten über Kopf und Körper verteilt, wird zum Hochgenuss. Ich muss mich mit den Beinen ordentlich verspreizen, denn die Welle ist heimtückisch. Die tägliche Waschlappenganzkörperkatzenwäsche ist zwar auch nicht schlecht, aber nach einer Woche wieder einmal mit Duschgel die Haut verwöhnen ist einfach traumhaft. Die Haare werden zum Abschluss mit Balsam verwöhnt und dann gut mit Salzwasser gespült. Der Hochgenuss sind aber dann die 6 Becher Süßwasser, die wie Champagner über Kopf und Körper fließen. Wir sind wieder wie neu geboren.

Wir wurden gefragt, wie wir mit unserem Müll umgehen. Unser 20 Liter Wasserbehälter, den wir auf den Galapagos gekauft haben ist ja zerbrochen. Wir haben ihn als Müllkübel umfunktioniert und er residiert am Bug in einer Plastikkiste. In den Behälter geben wir sämtlichen Klein-Plastikmüll und in die Kiste die leeren zusammengequetschten 5 l-Trinkwasserplastikflaschen, die wir gekauft haben. Dies wird auf den Marquesas ordnungsgemäß entsorgt. Biomüll, Metall, Glas und Papier gehen über Bord. Das wird in kürzester Zeit durch das Salzwasser zersetzt und ist daher keine Belastung für das Meer. Am wichtigsten ist aber Müllvermeidung; so haben wir sämtlichen Einkauf von unnötigem Verpackungsmaterial befreit und an Land gelassen (abgesehen davon, dass man dies auch deshalb machen soll, um sich keine Kakerlaken an Bord zu holen). Die Konsequenz aus unserem "Abfallwirtschaftsplan" ist, dass wir bislang ein einziges Müllsackerl verwendet haben und auch das ist nur halbvoll.

Frisch und zufrieden geht es in unsere vorletzte Nacht. Zu Beginn ist alles sehr gemütlich, dann frischt der Wind wieder auf und vollzieht mit uns einen Eiertanz. Wir surfen teilweise wieder mit bis zu 9 Knoten über die Wellen und verlassen immer wieder unseren Kurs. Der Autopilot hat viel zu tun, aber er meistert die Herausforderung wunderbar. Um 4 h in der Früh wird es mir dann zu viel und ich bitte Florian das Groß zu reffen. Geschwindigkeit aus dem Schiff zu nehmen ist auch in Anbetracht der vor uns liegenden restlichen 150 Meilen ratsam, denn wir wollen am 12.5.2016 keine Nachtankunft auf Hiva Oa. Es geht uns gut und wir freuen uns schon seeeeeeeeeeeeeeeeeehr auf die Ankunft. Hoffentlich ist es dort schön!!!!

Position 11.05.2016, 16:00 UTC, 09°57´S 136°55´W, Log 4382, etmal 159 sm, Es geht uns gut!"







PAZIFIKÜBERQUERUNG 22. TAG

Florian

9./10.05.2016

Der Wind ist nun stark genug, der gebrochene Spinnakerbaum ist ein Beweis dafür. Heute habe ich den ganzen Tag versucht, den Spinnakerbaum wieder gebrauchsfähig zu machen. Der innere, dünnere (7 cm Durchmesser) Teil des Teleskopbaumes ist zerbrochen. Mit der Eisensäge habe ich die abgerissenen Teile abgesägt und den inneren Teil ausgebaut. Dann habe ich versucht den Anschlagring, der den inneren Teil vom gänzlichen Herausrutschen schützt, wieder zu montieren und ebenfalls den Kunststoffteil, der am Ende steckt und das Gleiten im äußeren Rohr erleichtern soll. Beides habe ich geschafft, nur konnte ich dann den inneren Teil nicht mehr in den äußeren stecken, da der innere Teil als ganzes leicht verbogen ist und daher im äußeren Rohr "zwickt". Also habe ich mit viel Mühe alles wieder zerlegt und nun läuft das innere Rohr ohne Anschlag und Rutschhilfe im äußeren Rohr. Zwar nicht leicht, aber ich brauche zumindest keinen Hammer mehr, um das Rohr herauszuschlagen. Dabei habe ich leider auch einmal meine Hand getroffen, aber ich werd´s überleben. Nach 5 Stunden war der Spinnakerbaum wieder an seinem alten Platz; er ist zwar ca. einen Meter kürzer, aber prinzipiell kann ich ihn jetzt wieder verwenden. Das Problem bei derartigen Reparaturen ist natürlich, dass man immer eine Hand zu wenig für die notwendige Arbeit hat. Das Schiff schaukelt stark und so soll man dann alles erledigen - ein wenig Akrobatik ist da immer dabei. Würde mich jemand fragen, was er lernen soll, wenn er auf Weltumsegelung gehen möchte, ich würde ihm als erstes auftragen einen Fahrradschlauch auf der Hochschaubahn zu wechseln. Wenn er das nicht kann, dann wird es schwierig die notwendigen Bordreparaturen zu meistern.



Unsere Bordbatterien laden wir jetzt Morgens und Abends je eine Stunde. Beim abendlichen Quiz war die Bordspannung so niedrig, dass unser Funkgerät nicht mehr ordentlich funktioniert hat. Aber wegen der raueren See auf Grund des starken Windes benötigt unser Autopilot auch mehr Strom - aber er hält uns auf Kurs!

Die Seemeilen fliegen dahin; wir haben noch 2 Zwiebel, 2 Grapefruit und 6 Orangen - und auch in meiner Nutella ist noch etwas drin; die Versorgungssituation ist also noch gut genug! Martina findet in ihrer Schatzkiste auch noch immer kulinarische Schmankerl; heute gabs asiatisches Hühnerfleisch - ganz hervorragend!! Obwohl wir nicht sollten, zählen wir die Meilen. Bereits unter 300! Als wir von Korsika nach Menorca übersetzt haben, waren wir nervös - drei Nächte und 247sm - das war eine Leistung! Ja, ja - man lernt dazu!!

Position 10.05.2016, 16:00 UTC, 09°47´S 134°16´W, Log 4223, etmal 154 sm, Es geht uns gut genug!




Montag, 9. Mai 2016

PAZIFIKÜBERQUERUNG 21.TAG

Martina

8.5./9.5.2016

Wir sind bereits drei Wochen auf See. Vieles hat sich ganz gut eingespielt und ist zur Routine geworden. Florian hängt unsere Angel raus und macht uns ein Frühstück, danach ist unsere Funkrunde und dann schreiben wir immer unseren täglichen Blog. Über das Satellitentelefon rufen wir uns das aktuelle Wetter ab, geben auf Winlink unsere aktuelle Position ein und senden unseren Blog. Geschirrabwaschen, Katzenwäsche, Zähneputzen und Turnen, und kaum zu glauben ist es auch schon 11 h.

Die Nachmittage ziehen sich je länger wir auf See sind. Ein Rundgang am Schiff, ob alles ok ist, lesen und Französisch lernen. Zu mehr Aktivitäten haben wir bei den derzeitigen ungemütlichen Bedingungen keine Kraft. Guter Wind bedeutet auch höhere Welle und ordentliche Schaukelei. Wieder ist mindestens eine Hand fürs Schiff ein MUSS!

Kochen und Brot backen wird zu einer  kräfteraubenden Trainingseinheit, aber es ist ein netter Zeitvertreib und wenn´s dann auch noch gut schmeckt, sind wir sehr glücklich. Bis jetzt haben wir es geschafft, dass uns noch kein Essen auf dem Fußboden gelandet ist. Wir haben doch einiges bei bei unserer Atlantiküberquerung gelernt.

Wie gesagt, Wind heißt auch Welle, und so kommt es, dass während meiner ersten Wache von 19-21 h sich immer wieder Wellenberge gegen uns verschwören, sich sammeln und dann gemeinsam zuschlagen. Um 20:45 ist es wieder einmal so weit, jedes am Schiff verstaute Teilchen, dass auch nur den kleinsten Bewegungsspielraum hat, rutsch durch die Wucht der Wellen hin und her. Es knarrt und ächzt der Mast im Borddurchlass und wir müssen uns im Sitzen und Liegen verspreizen um nicht abzuheben. Plötzlich ein dumpfer Knall und die Segel schlagen. Meine  Augen fokusieren sofort auf den Windmesser, aber da ist alles in Ordnung. Wind und Windrichtung sind unverändert. Schnell die Decksbeleuchtung an und Florian zu Hilfe holen. Raus an Deck und der Blick verspricht nichts Gutes. Unser 7 cm dicker Teleskop Spinnakerbaum ist wie ein Zahnstocher gebrochen und hängt an der zerrenden und reißenden Genua. Mit einigem Kraftaufwand bergen wir die Genua und den Spibaum. Florian baut unseren zweiten Spibaum auf die Backbordseite um, die Genua wieder raus und weiter geht es mit 6-7 Knoten durch die Nacht. Den gebrochenen Baum verzurren wir an der Reling und es besteht eine ganz gute Chance, dass Florian den Baum etwas verkürzt aber doch wieder verwendbar machen kann.



Wir vermuten, dass das äußere Ende des Spinnakerbaumes durch die heftigen seitlichen Bewegungen in die Welle eingetaucht ist, und diesem plötzlichen Wiederstand nicht gewachsen war. Schade, wir waren schon ganz stolz und glücklich, dass auf unserer Pazifiküberquerung nichts kaputt geworden ist. Na ja zu früh gefreut, wir sind noch nicht da, obwohl wir in Gedanken schon fast angekommen sind. Zur Zeit des Spibruchs hat unser Plotter nur noch 500 Meilen bis ans Ziel Hiva Oa angezeigt.

Position 09.05.2016, 16:00 UTC, 09°39´S 131°42´W, Log 4069, etmal 147sm, Es geht uns gut!





Sonntag, 8. Mai 2016

PAZIFIKÜBERQUERUNG 20. TAG

Florian

07./08.05.2016

Endlich ist genug Wind, dass die Segel nicht mehr schlagen. Und der Wind nimmt im Laufe der Nacht auch noch zu. Mich erstaunen immer wieder die Drohnen am nächtlichen Sternenhimmel. In jeder Nacht unserer Pazifiküberquerung hatten wir zumindest 2 Drohnen in Sichtweite gehabt; so auch diese Nacht wieder. Ich frage mich, welche Funktion diese Drohnen haben und insbesondere, wie sie das mit der Energieversorgung schaffen einige tausend Kilometer Luftlinie vom nächsten Land entfernt.

In der Früh "knacken" wir den 129. Längengrad - nur noch 10 Längengrade bis Hiva Oa. Insgesamt werden es bis dahin 48 Längengrade seit Galapagos oder 60 seit Panama gewesen sein - das ist ein Sechstel des Erdumfanges; die Distanzen erstaunen mich immer wieder. Bislang kann ich jedenfalls bestätigen, dass die Erde rund ist.


Am Morgen legt der Wind noch zu; wir haben nun gute 15 Knoten aus ESE und unser ESPERANZA fliegt wellenunterstützt mit 7 - 8 Knoten dahin (einmal leuchten sogar 11 Knoten am Plotter auf).


Wir hängen die MODESTA und auch die PLASTIC PLANKTON immer mehr ab. Unsere ESPERANZA fühlt sich offensichtlich wohl! Die ersten Pläne für eine Ankunftsparty mit Musikunterstützung werden von unserer Flotte bereits geschmiedet. Die ersten Schiffe, die mit uns von den Galapagos ausgelaufen sind, sollten Morgen ankommen. Jetzt müssen wir die letzten Tage noch konzentriert sein, denn bei diesem Wind darf kein Fehler unterlaufen.

Position 08.05.2016, 16:00 UTC, 09°36´S 129°14´W, Log 3922, etmal 143 sm. Es geht uns gut!






PAZIFIKÜBERQUERUNG 19.TAG

Martina

6.5/7.5.2016

Wir erleben einen traumhaften und überaus angenehmen Segeltag. Der Wind bietet uns ca.12 Knoten von Achtern und so schmiegt sich die Esperanza mit 6 Knoten über die Wellen. Keine schlagenden Segel, die uns quälen und wir kommen wirklich gut weiter.
Ich sitze wie auf einem Kreuzfahrtschiff am Oberdeck und lese in meinem Buch "Der Schwarm". Dieses Buch hat mir eine liebe Freundin im Sommer geschenkt, und ich habe mir diesen Wälzer mit 989 Seiten für die Pazifiküberquerung aufgehoben. Ist sehr spannend aber auch beängstigend, handelt es doch von unkontrollierten Veränderungen auf den Weltmeeren.


Unsere beiden Angeln werden täglich in der Früh ausgeworfen, und bei Einbruch der Dunkelheit wieder eingeholt. Gestern hatten wir ein besser getimtes Angelglück. Ein kleiner Bonito hat angebissen. Getötet, ausgenommen und filetiert kommt er ins Sackerl, und da beißt auch schon der nächste Bonito an. Perfekt, dieser ist auch um einiges größer als der Erste. Wunderbar, da haben wir für morgen auch schon wieder frischen Fisch.

Beinahe hätte ich von unserem bequemsten Segeltag berichten können, wäre da nicht die anstrengende Nacht gewesen. Ab 1 h Früh kamen Wolken auf, die uns den Wind nahmen, dann wieder verstärkt aus einer anderen Windrichtung auffrischten. An ein Schlafen war nicht mehr zu denken. Dauernd beobachten wir den Windmesser und korrigieren unseren Kurs. 7 h in der Früh, alles gut gegangen aber jetzt sind wir müde.

In der Funkrunde hören wir immer mehr Segler, die ihre Ankunft schon nicht mehr erwarten können. Es werden die letzten 1000 Seemeilen mit dem letzten Joghurt, die letzten 750 Seemeilen mit der letzten Grapfrut, und die letzten 500 Seemeilen mit dem letzten Orangensaft gefeiert. Die Vorfreude, dass es auf Hiva Oa eine französische Bäckerei geben soll, beflügelt unsere Seglerflotte.
Unsere Gefühle und Sehnsüchte kann man nicht beschreiben, die kann man nur erleben, um sie zu verstehen.

Position 07.05.2016, 16:00 UTC, 09°48´S 126°52´W, Log 3779, etmal 136 sm, Es geht uns gut!



Freitag, 6. Mai 2016

PAZIFIKÜBERQUERUNG 18. TAG

Florian

05./06.05.2016

Wir sind Onkel und Tante geworden!! Meine Schwester hat einen kleinen Samuel auf die Welt gebracht und ich soll Taufpate sein. Samuel hat also das Rennen gewonnen und ist vor uns angekommen.

Bei uns ist der Wind wieder leichter und wir zittern uns durch die Gegend, in der Hoffnung, dass die Segel nicht zu sehr schlagen. Daher müssen wir wesentlich südlicher fahren, als uns lieb ist. Martina bäckt - diesmal ein hervorragendes - Brot. Ich absolviere täglich ein kleines Training - Rücken- Bauchmuskel samt Dehnen -, um keine Rückenschmerzen aufkommen zuu lassen. Ich gehe ja doch hauptsächlich gebückt an Bord und das führt ohne entsprechendes Ausgleichstraining zu Rückenschmerzen. Auch Martina turnt täglich.

Am Abend rufe ich in der Funkrunde zu einem Sportquiz auf. 20 Fragen aus den unterschiedlichsten Sportgebieten (zB Wer hält den 100m Sprint Weltrekord der Frauen, mit welcher Zeit? Wer hat das Olympialied 1988 "Give me one moment in time" gesungen; und wo waren diese Spiele?). Das macht den Abend kurzweilig. Siegerschiff wird die SY PLASTIC PLANKTON ebenfalls aus Österreich mit 10 richtigen Antworten. Und als Preis bekommen sie ein Lauftraining mit mir und 2 Bier zur Regeneration der Elektrolyte nach absoloviertem Training.

Als ich die Angeln einhole hängt an meiner ein kleiner Bonito. Ich nehme ihn aus und Martina filletiert ihn gleich. Als alles gesäubert und verräumt ist, und ich dann Martinas Angel einhole, hängt dort ebenfalls ein Bonito dran, größer als der erste - Essen Morgen gesichert!! Apropos Essen: Das gesamte Gemüse ist aufgebraucht; die letzte Ananas genießen wir heute und jetzt haben wir nur noch 5 Grapefruit und 11 Orangen. Dafür füllt Martina meine Naschlade für die dritte Woche auf (da bin ich eh hinten nach).

In der Nacht schlagen die Segel und so baue ich zu Beginn meiner Wache um 22:00 Uhr das Großsegel ab und wir schaukeln mit ausgebaumter Genua und Fock durch die sternenklare Nacht; aber wenigstens schlägt nichts. Und um 04:00 Uhr kommt endlich Wind! Das Groß wieder rauf und so segeln wir seither mit guten 5 Knoten auf Wunschkurs 270°.

Heute bin ich wieder NetController auf der Pan Pacific Funkrunde. Ich rufe die Schiffe diesmal von hinten nach vorne im Alphabet auf, was zwar von einem Funkteilnehmer negativ aufgenommen wird, aber die Menschen müssen sich an Veränderungen gewöhnen und geistig munter bleiben, daher bleiben wir dabei. Der morgige NetController hat Gefallen an meinem System gefunden und wird es ebenfalls beibehalten. Was hab ich da wieder angestellt...

Position 06.05.2016, 16:00 UTC, 09°46´S 124°37´W, Log 3643, etmal 110, es geht uns gut.


Donnerstag, 5. Mai 2016

PAZIFIKÜBERQUERUNG 17. TAG

Martina

04.05.05.2016

Im Laufe des Tages frischt der Wind etwas auf. Unsere Segel schlagen kaum und die unangenehmen seitlichen Schiffsbewegungen reduzieren sich deutlich. Florian meint, dass er das Gefühl hat wir sitzen in einem Gefängnis. Ja, der Vergleich kommt uns nach 17 Tagen auf engstem Raum gekoppelt mit Leichtwind Foltermethoden nicht unpassend vor. Aber wir können es nicht ändern, da müssen wir und alle anderen Segelyachten durch.

Um 12:00 h haben wir unsere Uhr wieder eine Stunde nach hinten gestellt. Wir haben nun 10 Stunden Zeitdifferenz nach Österreich.
Eine gute Nachricht ist, dass unser Plotter in der Nacht nur noch 1000 Meilen bis ans Ziel Hiva Oa angezeigt hat. Ab jetzt sind wir nur noch dreistellig unterwegs.



An solchen Kleinigkeiten erfreuen wir uns sehr und es verleiht uns ein Glücksgefühl. Überhaupt läuft man Gefahr dauernd irgendwelche Zahlenstatistiken zu erörtern, wie z.B: jetzt haben wir den Atlantik (2072 sm) hinter uns; oder in 3 Tagen sollten wir dann nur noch ¼ der Strecke vor uns haben. Auch ist die Versuchung bereits sehr groß, auf das andauernd neu berechnete Ankunftsdatum zu schauen.

Immer wieder ermahnen wir uns und sagen: "Der Weg ist das Ziel", aber das ist leichter gesagt als getan. Eigentlich wollen alle nur ankommen. Habe gestern am Funk eine Seglerin sagen gehört:" I have had enough sailing!"; dem kann ich mich nur anschließen! Das Ziel ist das Ziel, da gibt es nichts daran zu verschönern.
Am Funk hören wir schon von den ersten Seglern, die angekommen sind, und wir sehnen uns auch schon nach diesem Moment.
Trotzdem, es geht uns gut und wir haben uns lieb!


Position 05.05.2016, 16:00 UTC, 09°32´S 122°50´W, Log 3533, etmal 125 sm, Es geht uns gut!



PAZIFIKÜBERQUERUNG 16. TAG

Florian

03./04.05.2016

Martina ist etwas darnieder. Das Geschaukle und das Schlagen der Segeln zehrt an den Nerven und der Schlafmangel macht sich bemerkbar. Sie ist daher wieder leicht seekrank. Ich habe sie also ins Bett geschickt, um sich richtig auszuschlafen.

Was macht man, wenn die Tage lang werden? Man muss sich Beschäftigung suchen, um nicht dauern ans Weiterkommen oder irgendwann Ankommen zu denken. Ich habe daher begonnen die Konsole für unseren Autopiloten zu renovieren. Abschleifen, ein kleines "Vordach" über dem Plexiglastürchen zur Bedienungseinheit anbauen, damit dort kein Wasser mehr hineinsickern kann, alles mit meinem Vibrationsschleifer anpassen und dann Streichen. All das bei gut schaukelndem Schiff ist natürlich eine Herausforderung, aber drei Anstriche alle 8 Stunden sind schon drauf. Da sind meine Nachtwachen hilfreich, so habe ich um 15:00 Uhr, 23:00 Uhr und 07:00 Uhr laut Anleitung gestrichen. Unser Französischkurs läuft auch ganz gut, sodass wir bei Ankunft das Gelernte gleich anwenden können.


Unsere ESPERANZA erweist sich als gutes Leichtwindschiff - wer hätte das gedacht. Jedenfalls kommt die MODESTA (Sunbeam 38) uns nicht näher und ist noch immer gute 60 sm hinter uns. Auch das österreichische Schiff SY PLASTIC PLANKTON war urspünglich 200 sm vor uns, heute haben wir sie eingeholt. Ich nehme an, dass die Anzahl an Entenmuscheln auf unseren Rümpfen ein wichtiger Faktor für die Geschwindigkeit ist; darum habe ich diese auch bereits so gut als möglich abgespachtelt.

Der Wind hat zwischenzeitig zugenommen und so schlagen die Segel nur noch selten; hoffentlich bleibt das so. Das wäre ein gutes Namenstagsgeschenk für mich, denn Florian hat heute am 4. Mai Namenstag.

Position 04.05.2016, 16:00 UTC, 04°25´S 120°44´W, Log 3408, etmal 103 sm, es geht uns gut!




Dienstag, 3. Mai 2016

PAZIFIKÜBERQUERUNG 15.TAG

Martina

2.5/3.5.2016

Geduld ist gefragt! Wir haben nach wie vor sehr leichten und instabilen Wind. Immer wieder schlagen die Segel und diese Schläge zerren an unserem Rigg und unseren Nerven. Ich bin sehr froh, dass wir unser Rigg im März 2015 bis auf die beiden Achterstagen erneuert haben.
Wie schon oft von anderen Yachten gehört, ist auch unsere Esperanza nach 15 Tagen von Entenmuscheln am Ruder und am Heck befallen. Florian versucht mit einer Metallspachtel und einer Verlängerung die Ansätze der hartnäckigen Biester zu entfernen. Interessant ist, dass sie hauptsächlich auf der Steuerbordseite auftreten, da wir doch einen Großteil am Steuerbordrumpf segeln.


Das Bordleben ist im Moment relativ unangenehm. Wir schaukeln fürchterlich von einer Seite auf die Andere, und legen dabei eine sehr geringe Strecke zurück. Hoffentlich wird es bald besser, aber laut Wettervorhersage müssen wir uns noch bis Freitag den 6.5. gedulden.
Diese Schiffsbewegungen tun meinem Magen nicht so gut, trotz neuem Pflaster, hochdosiertem Vitamin C und 2 Schluck Meerwasser habe ich einen flauen Magen. Bin von dem Meerwasser nicht ganz überzeugt, aber was soll´s, ich probiere einfach alles aus.
Ich wollte zur Abwechslung für uns ein Baguette backen. Habe mir schon vor 2 Jahren auf Grenada von der polnischen Bäckerin Tipps und Tricks geholt. Gestern war es dann so weit, ich habe den Teig brav 24 Stunden davor angesetzt, ihn 4 Mal alle 10 Minuten drei Mal gefaltet, wieder 8 Stunden stehen lassen, wieder gefaltet und dann um 1 h in der Nacht gebacken. Das Resultat heute in der Früh war enttäuschend. Es wurden 2 Stangen festes, mehliges graues Etwas. Schade so viel Arbeit für nichts.

Position 03.05.2016, 16:00 UTC, 09°17´S 119°04´W, Log 3305, etmal 107 sm, es geht uns so la la.




PAZIFIKÜBERQUERUNG 14. TAG

Florian

01./02.05.2016

Das Segelspiel geht weiter. Am Vormittag mit jeweils ausgebaumter Genua und Fock Butterfly schaukeln wir mit 3 Knoten durch die Gegend, dann dreht der Wind südlicher, sodass die Luv-Seitige Genua keinen Wind mehr bekommt. Also alles umbauen, Fock weg und Genua nach Lee, voll aufgespannt, wodurch wir natürlich weiterhin prachtvoll daherwackeln. Wenigstens schlägt aber derzeit nichts.


Unser elektrisches System an Bord gibt Rätsel auf. Unsere 2 Solarpaneele mit 100W und 50W laden zusammen bei Sonnenhöchststand maximal 2,8 Amp in die Bordbatterien (mit einer Spannung von ca. 20 V), die dann 12,6 V  (also fast voll) anzeigen. Am Abend, wenn die Sonne weg ist, ist die Spannung herunten auf 12,1-12,2V (also nur noch 25 % voll), sodass wir jeden Abend ein Stunde lang den Motor zum Laden aufdrehen. Warum das so ist, ist mir nicht ganz klar, aber ich werde bei nächster Gelegenheit (wenn wir Landstrom haben) eine Desulfatisierung der Batterien versuchen; da werden diese 4 Stunden lang mit ca. 15,1 V geladen, was die Akkuplatten wieder sauber bekommen sollte. Ich hoffe die Batterien funktionieren dann wieder besser. Es sind 4 Stk. Trojan 6 V, 225 Amp. Batterien, die wir im August 2013 in Korsika gekauft haben. G´scheite Meinungen dazu sind erwünscht.

Konsequenz aus der niedrigen Bordpannung ist, dass unser Kühlschrank nur sporadisch läuft, da dieser einen Entladungsschutz hat, sich also automatisch abdreht, wenn die Bordspannung zu niedrig ist. So vereist uns der Kühlschrank also am Abend bei und kurz nach unserer Motorstunde, wenn er gut kühlt, und wir "schleppen" die Kälte dann über den ganzen Tag, wenn die Kühlung nicht mehr funktioniert. Naja, das sind alles kleine Probleme, die wir mehr oder weniger im Griff haben. Hauptsache die ESPERANZA bewegt sich nach Westen.

Beim Sonntagsabendquiz auf der Funkrunde hatten wir von 16 Fragen 8 korrekt beantwortet - gewonnen haben wir dennoch nichts; wer weiß denn etwa auch, wie ein "Black and Stormy" gemixt wird - da sind uns die Briten und Australier einfach voraus. Ich denke ich werde ein Sportquiz initiieren und schauen, ob die Herren dann noch immer so g´scheit sind.

Bei meiner ersten Wache um 22:00 Uhr kommt Wind auf. Doch so leicht "glaube" ich dem Wind nicht, schon zu oft habe ich volle Segel gesetzt und sobald alles oben war, war der Wind wieder weg. So leicht bin ich nicht mehr zu beeindrucken. Als der Wind um 23:00 Uhr aber noch immer da ist, setze ich das Groß und nehme den Baum von der Genua. Und der Wind hält!! Mit guten 4 Knoten segeln wir durch die Nacht - hoffentlich bleibt das so!!

Ach ja, Ankunftswetten: Wir haben eine unvollständige Guten Morgen-SMS erhalten mit "Ankunftswette 13.05. 1" - bitte den Rest schicken. Und dann haben wir eine Ankunftswette mit Ortszeit - wir können nur UTC Ankunftszeiten akzeptieren; also bitte um wettkonforme Ankunftszeit in UTC!! Übrigens haben wir von diesem Wettkandidaten auch "Die grosse Überfahrt" von Asterix geschenkt bekommen - die ist bereits ausgelesen. Auch hat Martina seinem Rat entsprechend gegen Seekrankheit zwei Schluck Meerwasser in entspannter Stimmung getrunken; die Seekrankheit ist seither nicht mehr gekommen.

... und wir sind beim letzten Krauthappel angelangt. Das war´s mit Gemüse. Danach gibts nur noch Dosen.

Position 02.05.2016, 16:00 UTC, 09°16´S 117°16´W, Log 3198, etmal 91sm, es geht uns gut.




Sonntag, 1. Mai 2016

PAZIFIKÜBERQUERUNG 13.TAG

Martina

30.4./1.5.2016

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind! Mitten am Pazifik hat uns nun der Wind verlassen. Nicht nur uns, sondern alle Segelschiffe der Funkrunde berichten über wenig bis keinen Wind. Die Windwellen haben sich verabschiedet und es bleibt die lange, fast unspürbare Dünung von ca.2 Metern.

Abgesehen davon, dass wir uns im Schneckentempo  fortbewegen, haben wir es sehr gemütlich. Wir bewegen uns wieder halbwegs normal an Bord und kriechen nicht mehr auf allen Vieren über den Bretterboden. Wir sollten uns einmal filmen, wenn wir wieder wie die Babys am Hosenboden durchs Schiff robben.

Florian ist unermüdlich darauf bedacht, jeden auch noch so kleinen Windhauch einzufangen. Ich glaube jede erdenklich mögliche und auch unmögliche Segelstellung sind wir durch. Groß rauf, Bullenstander festzurren, Genua ausbaumen wunder bar es läuft. Keine 10 Minuten später schlagen die Segel; Groß runter, Fock dazu und ausbaumen, herrlich es läuft. Der Wind dreht und wieder schlagen die Segel; Kurskorrektur, Genua etwas mehr fieren, und Fock etwas dichter nehmen, bravo so geht's besser. Wir nehmen ein Buch zu Hand und beginnen zu lesen. Von kurzer Dauer, die Segel schlagen, dass es uns durch Mark und Bein geht. Nein, das kann so nicht bleiben. Groß wieder rauf, Fock Baum wieder abbauen, Kurs ändern und die Fock gerefft dazu stehen lassen. Genua nachjustieren und schon segeln wir wieder für 10 Minuten angenehm über den Pazifik. Dieses Geduldspiel zieht sich über den gesamten 13. Segeltag, aber wir sind ja nicht abergläubig!!

Zu unserer großen Freude hat heute wieder eine Babydorade angebissen, das Abendessen ist gerettet.


In der Nacht hat uns dann der Wind für einige Stunden ganz verlassen. Florian birgt um 5h in der Früh alle Segel, nachdem ihm ein heftiger Regenguss zwar eine gute Dusche aber dennoch keinen Wind bereitet hat, und legt sich auch schlafen. Ein davor entdecktes Frachtschiff in 3 Seemeilen Entfernung birgt keine Gefahr; es hat das AIS eingeschaltet.

Hoffentlich kommt der Wind bald wieder zurück, denn die Überfahrt dauert unter guten Bedingungen schon lange genug.

Wir bedanken uns wieder einmal sehr, sehr herzlich bei Roman unserem Sohn und unserem Freund Andreas aus Deutschland, die täglich unseren Blogbeitrag ins Netz stellen und mit aktuellem Positionsbild versehen. Ihr macht eure Arbeit wirklich super und das hilft uns enorm dieses Abenteuer durchzustehen.

Position 01.05.2016, 16:00 UTC, 09°09´S 115°45´W, Log 3107, etmal 83sm; es geht uns gut