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Donnerstag, 20. April 2017

NACH WESTEN

Florian

Der Wind passt, also gehts los. Auf der Funkrunde fragt man uns nach unserem Ziel. Wir wissen es nicht, hängt vom Wind ab; zwischen Suwarow (570sm), Amerikanisch Samoa (900sm), Niuatoputapu/Tonga (1150sm), Vavau (1100sm) und Niue (900sm) ist alles möglich.

Von unseren Freunden auf Maupihaa bekommen wir zum Abschied Papaya geschenkt und ich gehe noch unter Hios Anleitung ein großes Palmenherz schneiden.





Um 9:30 Uhr gehen wir am 19.04.2017 Anker auf, und der ist nicht einmal verhängt - fängt gut an. Im Pass haben wir 3-4 Knoten auslaufende Strömung, zischen also mit 8-9 Knoten hinaus - kein Problem.

Draußen setze ich die Vorsegel auf Butterfly ausgebaumt, der Wind kommt genau aus Osten und wir wollen genau nach Westen.

Durch den Kurs schaukelt es uns ordentlich durch und Martina ist trotz Seekrankheitspflaster hauptsächlich liegend unterwegs. Ich darf mich daher wieder als Koch betätigen und wärme die von Martina vorgekochten Linsen mit Knödel auf, dann gehts in unsere erste Nacht. Es dauert nicht lange und der erste Squall kommt daher, Winddrehung um 30 Grad inklusive. Und so geht es die ganze Nacht. Jede Stunde ein Squall von ca. 30 Minuten, bei dem wir sorgfältg steuern müssen, um vor dem Wind zu bleiben, denn der Wind frischt in so einem Squall von 10-20 Knoten auf 20-30 Knoten auf und dreht um bis zu 40 Grad von Ost nach Nordost - ein Balanceakt, von Schlaf keine Spur. Dafür sind wir schnell und wackeln uns mit guten 6 Knoten nach Westen. Irgendwann ist auch die erste Nacht vorbei, ich habe maximal 2 Stunden geschlafen - na das fängt weniger gut an.

Unsere Position am 20.04. um 18:00 Uhr UTC (06:00 Uhr Ortszeit) 16° 57´S 156°02´W, müde aber alles o.k..


Montag, 17. April 2017

GOURMEEATOLL MAUPELLIA

Martina

Meine Vorstellungen von der Essensvielfalt auf einem entlegenen Atoll wie diesem hat nichts mit der Realität zu tun. Ich dachte immer, dass sich die Menschen hier nur von Reis und Fisch ernähren. Ich wurde glücklicherweise eines Besseren belehrt.
Die Polynesier verwenden viele ihrer Bäume, Sträucher, Blüten und Blätter, und stellen sich ihre Naturmedizin her. Weiters verarbeiten sie zB das weiche Kokosfleisch der Trinknüsse zu einer Art Kokoskäse und pürieren diesen dann zu einer herrlich nach Gorgonzola schmeckenden Sauce für ihre Maniokwurzeln.
Florian lernt, welche und wie man eine Palme umschneidet, um zu dem zart schmeckenden Palmenherz zu kommen.
Den täglich frisch gefangenen Fisch gibt es gebraten, gekocht oder gegrillt. Hio holt sich Langusten wann immer er will frisch vom Riff. Riesige Kokoskrabben fängt Hio mit Florian in der Dunkelheit aus dem Kokoswald gleich hinter seiner Hütte. Die Kokoskrabbe ist eine wahre Delikatesse. Florian meint zwar am Anfang, dass diese Krabben aufgrund des spinnenähnlichen Aussehens und der Größe zu seinem Fleisch gewordenem Albtraum gehören, aber er lernt rasch wie man sie fangen und richtig halten kann. Die Zangen dieser Ungetüme sind nicht ungefährlich, denn sie können mit ihren Werkzeugen sogar braune schwere  Kokosnüsse aufheben und immer wieder zu Boden fallen lassen bis sie zerbrechen, um dann an das Kokosfleisch zu kommen, von dem sie sich hauptsächlich ernähren.
Faimanu und Karina kochen für uns Fisch, zwei Kokoskrabben, Maniok, Kokoskäse, Palmenherzensalat und als Nachspeise bekommen wir noch herrlichen Papayafruchtsalat. Wir schmausen gemeinsam und lehren ihnen zu sagen: "Das ist unglaublich gut!"


Faimanu hat mir ihr Leid geklagt, dass sie keinen guten Kuchen backen kann und dass sie auch kein Kuchenrezept hat. Ich lade die beiden Schwestern auf die Esperanza zum Kuchenbacken ein. Da ich nur wenige Eier habe, bitte ich sie 4 Eier mitzubringen.
Hio und Florian gehen Austern tauchen, und ich backe mit den beiden Frauen einen Mohnbecherkuchen, den sie leicht und mit vielen anderen Zutaten nachbacken können. Faimanu gibt mir die Eier und sagt: " Ich habe keine Hühnereier gefunden, deshalb habe ich Fregattvogeleier mitgebracht!" Leicht irritiert betrachte ich die weißen Eier, kann aber von außen keinen Unterschied zu Hühnereiern erkennen. Sobald sie geöffnet und in Eiklar und Dotter getrennt sind, sieht man einen deutlichen Unterschied. Fregattvogeleier haben einen dunkelorangfarbigen Dotter, das Eiklar schaut aus wie bei Hühnereiern. Ich bin froh, dass in keinem der Eier ein Vogel zu finden ist, und so können wir beginnen einen ganz normalen Kuchen zu backen.
Karina schreibt das Rezept auf, während Faimanu mixt und rührt.


Das Ergebnis ist ein wunderbar flaumiger Mohnkuchen. Wir drei und die beiden Männer sind vom Kuchen begeistert. Faimanu überlässt mir im Anschluss die restlichen 5 Fregattvogeleier.
Ein weiterer Unterschied zu Hühnereiern ist, dass das Eiklar, wenn man die Eier kocht, durchsichtig bleibt. Der Geschmack ist zu einem Hühnerei identisch, wobei es für uns doch eigenartig ist ein Fregattvogelei zum Frühstück zu essen.


Sonntag, 16. April 2017

OSTERN

Florian

Ostern ist auf Maupihaa kein Thema. Sämtliche Bewohner von Maupihaa, die wir kennen lernen, sind Sieben-Tage-Adventisten. Samstag ist Feiertag, Sonntag wird gearbeitet und Christliche Feste, wie wir sie kennen - Weihnachten, Ostern, Pfingsten - feiert man nicht. Also fällt Ostersonntag, Ostereiersuchen und Eierpecken dieses Jahr ins Wasser.

Dafür  versuche ich mich erstmals an einem Va´a - einem Auslegerkanu; Hio hat eines. Es ist sehr leicht - etwa 16 Kilo - und läßt sich spielend leicht paddeln. Man steigt von der Auslegerseite (Backbord) ein, damit man nicht umfällt und paddelt abwechselnd ein paar Schläge rechts und dann wieder links, um geradeaus zu fahren. Es ist wunderbar, so völlig leise und schnell durch das Atoll zu gleiten!

Da Samstag nicht gearbeitet wird, besucht Hio am Freitag Abend und am Samstag die Nachbarn und kommt danach jeweils mit einem ordentlichen Rausch zurück. Die Männer hier trinken am Wochenende gerne ihr selbstgebrautes "Polynesisches Bier"; eine vergorene Wasser, Zucker Hefe-Mischung mit geschätzten 15-20 % Alkohol. Wir verabschieden uns daraufhin immer eher rasch auf die ESPERANZA. Vor betrunkenen Polynesieren hat man uns oft genug gewarnt.

Am Sonntag - Ostersonntag - gehe ich mit Hio harpunieren. Wir tuckern mit seinem Boot zu einem schönen Korallengarten nahe dem Außenriff mit starker Strömung. Man muss sich mit einer Hand an Korallen festhalten und mit der anderen die Harpune kontrollieren - nicht einfach. Trifft man einen Fisch, muss man diesen rasch aus dem Wasser halten, denn sonst holen ihn sich die Haie. Hio hat einen schwimmenden Bottich mit, ich bleibe in der Nähe des Bootes, um die Fische rasch abzulegen. Nach einer halben Stunde habe ich einen Fisch gefangen - Hio etwa 10; neidlos anerkenne ich seine besseren Qualitäten als Fischer.

Am Abend haben wir daher ein hervorragendes Fischessen - Poison Cru, also roher Fisch in Kokosmilch, dazu gegrillter Fisch, dazu in Mehl herausgebratener Fisch und schließlich noch gekochter Fisch - dazu Reis. Ciguaterra gibt es laut Hio hier nicht - wir wollen ihm glauben. Als Nachspeise hat Martina noch Chia-Schokopudding mit Bananen mitgebracht. Nachdem wir alle sehr, sehr satt sind, schlägt Hio vor wir könnten eine Kokosnusskrabbe fangen. Das muss er mir nicht zweimal sagen. Hio stapft durch das eher unwegsame Gelände mit starker Taschenlampe voraus - barfuss - ich folge ihm - in Badeschlapfen. Er sucht große Löcher - die Behausungen dieser Riesenkrabben. So ein Loch hat beim Eingang einen etwa 50 cm breiten Trichter und die Krabben sind in der Nacht in der Nähe auf Nahrungssuche - nach Kokosnüssen, die sie mit ihren starken Zangen aufbeissen. Nach etwa 15 Minuten hat Hio ein großes Exemplar gesichtet - Durchmesser von Bein zu Bein etwa 50 cm, Rumpfdurchmesser etwa 20 cm, dicker leuchtend roter oder blauer Panzer, zwei massive Zangen - sie sieht aus wie eine gepanzerte Riesenspinne - mein lebendig gewordener Albtraum!! Geschickt und entspannt schnappt Hio die Krabbe am Rücken, drückt ihr die beiden langen Vorderbeine nach vorne und hält sie so in sicherem Abstand zu den gefährlichen Zangen fest.


Wir marschieren zurück durch das Dickicht und sehen noch einige andere kleine Exemplare dieser Krabben. Das wäre ein perfektes Setting für einen Horrorfilm. Gefangen und gegessen werden nur die Männchen - die Weibchen erhält man zwecks Fortpflanzung, damit man sie auf der Inseln nicht ausrottet.


Als wir zum Haus zurückkommen, ist Karinha auch bereits da - sie hat gleich zwei dieser unglaublichen Tiere gefangen. Morgen bekommen wir also DIE Delikatesse der Insel zu essen - wir sind gespannt.

p.s.: KORREKTUR: Das Tamanuöl, das Martina zubereitet hat, ist nicht vergleichbar mit jenem vom Markt in Papeete. Martina hat Kokosnussöl mit ein wenig Tamanu zubereitet, in Papeete haben wir 100 % Tamanuöl um EUR 42,00 der halbe Liter gekauft.

Freitag, 14. April 2017

ALLTAG IN MAUPIHAA

Florian

Ich nehme die Flex mit an Land und schleife alles, was so zu schleifen ist - allem voran das Werkzeug von Faimanu und Karinha für ihre Koprabewirtschaftung: Macheten, Hacken, Kopramesser (Pa´aro) und ein starker Ast mit einer Art Nagel daran, den ich zuspitze (damit werden die Kokosnüsse vom Boden aufgesammelt). Faimanu und Karinha testen die neuen scharfen Werkzeuge und bedanken sich mit einem breiten Lächeln - funktionieren nun viel, viel besser!


Das Wetter hat sich beruhigt und es herrscht sonnige Windstille. Hio und ich gehen seine Austern retten. Mit Säcken tauchen wir an den Leinen entlang - maximale Tiefe 32 m - schneiden die bereits großen Austern von den Schnüren, legen sie in die Säcke und bringen sie zum Boot. Maximal 15 Austern schafft man mit einer Fuhre, dann werden die Säcke zu schwer. 2 Tauchgänge unternehmen wir, dann ist die Luft in den Pressluftflaschen zu Ende und wir tuckern mit 50 Austern zurück. Hio wird die Austern nun säubern und die Perlenrohlinge in die Austern "hineinoperieren", diesen chirurgischen Eingriff nennt man in französisch Polynesien "greffée". Mit unserem Trauchkompressor kann ich unsere Tauchflaschen wieder füllen - für Hio natürlich eine große Hilfe.

Nach getaner Arbeit packe ich meine Laufschuhe und möchte ans Südende der Insel. Als die Straße nach 7 km zu Ende ist, liegt noch Insel vor mir, also arbeite ich mich über den Strand und dann durch das Dickicht bis ans Südzipfel der Insel weiter; das ist Schwerstarbeit in der hüfthohen Botanik, aber irgendwie komme ich doch durch und stehe schließlich am südöstlichen Außenriff. Von dort laufe ich über das Riff zurück nach Norden und sehe dabei viele große Kaurischnecken, allerdings bereits stark abgescheuert - egal, ich kann sie beim Laufen eh nicht mitnehmen. Schließlich finde ich einen Weg, der mich quer über die Insel zurück zur Straße bringt und laufe wieder nach Norden. Ich bin schon sehr müde und erbitte mir bei einem Haus eine grüne Kokostrinknuss, die mir mit einem Lächeln gerne gegeben wird. Vom Kokoswasser erfrischt schaffe ich nun die letzten 4 km zurück zum Haus von Faimanu und Karinha. Das Bad im Meer nach 2 Stunden Expedition ist göttlich!

Ich habe mein Klavier mitgebracht und trotz meiner müden Beine gibt es ein kleines "Klavierkonzert" - das erste Klavierkonzert überhaupt auf und in der Geschicht von Maupihaa. Faimanu und Karinha ist zunächst neugierig, verlieren aber rasch ihr Interesse am Klavier - das ist dann doch zu Anders für sie; Gitarre und Ukulele kommt besser an.


Donnerstag, 13. April 2017

KOKOSÖL

11./12.04.2017

Martina

Schon am ersten Tag hat mir Faimanu angeboten, dass sie mir zeigen kann wie man Kokosöl herstellt. Nachdem es jetzt schon seit zwei Tagen regnet und sie kein Kopra machen können, hat sie Zeit. Wir verabreden uns für 11 Uhr zur Kokosölherstellung, und ich brauche nichts mitzunehmen, denn wir benötigen nur Kokosnüsse.

Bei meiner Ankunft hat sie schon 10 reife und geschälte Kokosnüsse in der von der französischen Segelyacht Colibri aus Maupiti frisch angelieferten Scheibtruhe liegen.


Mit der Machete in der einen und der Kokosnuss in der anderen Hand schlägt sie mit wenigen exakt platzierten Schlägen die Kokosnüsse auf. Das Kokoswasser läßt sie ausrinnen. Wie wir schon seit der Karibik wissen, trinken die Einheimischen dieses Kokoswasser nicht. Sie trinken alle nur das Kokoswasser der grünen Kokosnüsse, und wundern sich, dass wir das Kokoswasser der reifen, braunen Nüsse gerne trinken. Sie kann mir auch nicht erklären warum sie das reife Kokoswasser nicht trinken. Ich finde es viel gehaltvoller und intensiver im Geschmack und bin widerum kein Freund der grünen Trinknüsse.
Aufgrund meines immer wieder schmerzenden Ellbogens übernimmt sie das Raspeln des Kokosfleisches und ich übernehme das Ausdrücken der Kokosmilch. Am Ende haben wir ungefähr 2 Liter herrlich frische Kokosmilch.
Jetzt machen wir in der Außenküche in einem alten Ölfass Feuer mit Kokosnusschalen. Darauf liegt ein massives verkohltes Eisenelement das als Kochrost dient, auf dem wir einen dick verkohlten Eisentopf mit der Kokosmilch stellen. Schon nach kürzester Zeit beginnt die Milch zu kochen. Das ist der Moment, in dem mir Faimanu einen langen, schräg angeschnittenen Palmenblattstrunk zum Umrühren in die Hand drückt.


Jetzt muss permanent gerührt werden. Sie kontrolliert ständig das Feuer, legt Kokosnusschalen nach, und löscht mit bereitstehendem Regenwasser in Kokosnusschalen Flammen, wenn es zu stark kocht. Es blubbert und brodelt wie in einer Hexenküche, und Faimanu sagt immer wieder: "Looks good"!
Nach etwa 30 Minuten Rühren verändert sich die leicht eingedickte Masse und ich kann die ersten Ölspuren am Topfrand erkennen. Die Masse verändert ihre Farbe von weiß in braungrün und es scheint, als würde die Milch jetzt ausflocken. Faimanu ist zufrieden und meint nur, alles ok, weiter rühren! Mit dem Palmenkochlöffel kann ich weit genug vom Feuer stehen, aber mit der Zeit wird das Rühren ganz schön anstrengend.
Nach ca. 45 Minuten hat sich die Masse um 2/3 verringert und wir haben Öl und einen hellbraunen "Gatsch" im Öl schwimmen.



Jetzt nimmt Faimanu den Topf vom Feuer und stellt ihn auf den Gasherd, weil sie hier die Temperatur besser regeln kann. Nach weiteren 15 Minuten am Gasherd ist der im Öl schwimmende Gatsch knusprig und braun geworden und das Öl ist fertig. Den Großteil des Kokosöls gießen wir in eine Schale zum Auskühlen.

In einen kleinen Teil mischen wir von mir gesammelten Tamanunüsse, die ich geschält und gerieben habe. Wir kochen diese Masse unter ständigem Rühren noch weitere 15 Minuten und jetzt habe ich mein eigenes Tamanuöl. Tamanuöl ist ein traditionelles Universalhautheilmittel der Polynesier: hilft bei Sonnenbrand, Akne, Neurodermitis, Nagelpilz oder einfach zur Hautpflege. Am Markt in Papeete kostet so ein halber Liter umgerechnet EUR 42,00 - ich kann es nun selbst herstellen.

IST DAS NICHT GENIAL - ICH FINDE DAS TOLL!!"

Dienstag, 11. April 2017

KOPRA KOOPERATIVE MAUPIHAA

Florian

Am ersten Abend gab es Langusten bei Hio und seinen Schwester Faimanu und Karinha, gestern Abend waren wir bei seinem Onkel Harry und seiner Frau Norma eingeladen und es gab - jawohl - Langusten, aber auch Schildkrötensteaks; gegrilltes Schildkrötenfleisch, das anschließend in eine Art Barbecuesauce eingelegt wird - schmeckt hervorragend, ein wenig nach Beef Jerky, die getrockneten amerikanischen Rindfleischstreifen.




Es war ein wunderbarer Abend, der Esstisch direkt am Strand. Wir durften auch polynesisches Bier kosten - ein vergorenes Getränkt aus Wasser, Zucker und Hefe - geschätzte 20 % Alkoholgehalt. Und wir wurden zum Frühstück heute Morgen eingeladen. Um 8 Uhr kommen wir bei Harry an und es gibt - jawohl - Langusten und Schildkrötenfleisch, aber auch Bananenmarmelade und frische Papaya aus dem Garten und Pomelos aus Maupiti.


Harry erklärt mir die Organisationsstruktur von Maupihaa. Die Kopragewinnung liegt in den Händen einer Kooperative aus Maupiti und nur Bewohner von Maupiti dürfen daran teilnehmen. Präsident der Kooperative ist Marcello der Vater der drei Geschwister Hio, Faimanu und Karinha, also der Bruder von Harry. Man bezahlt 5000 polynesische Francs für ein Jahr und erhält eine Parzelle zur Koprabewirtschaftung zugeteilt. Die Parzelle umfasst eine Strandlänge von 200 m im Atoll und geht bis ans Außenriff; es gibt 95 Parzellen. Eine Parzelle erwirtschaftet durchschnittlich 1-2 Tonnen Kopra pro Monat. Die Kopra wird vom Regierungsschiff abgeholt und nach Tahiti zur Koprapresse gebracht, die ebenfalls von einer Kooperative der Inseln betrieben wird. 140 polynesische Francs wird für ein Kilo Kopra erster Qualität bezahlt, 50 Cent für 2. Klasse - macht also pro Parzelle umgerechnet etwa 1.000 - 2.000 EURO pro Monat. Wer in Maupiti also arbeiten will, der hat jedenfalls Arbeit und ein Einkommen auf Maupihaa.

Harry muss nach dem Frühstück die am Freitag gesammelten Kokosnüsse ausschälen - die Kopra, also das Kokosfleisch, aus den Schalen herauslösen. Er hat die Kokosnüsse noch am Freitag gespalten, die nun bis heute trocknen konnten, sodass sich die Kopra leichter herauslösen lässt. Ich zeige Harry mein Kopramesser, das mir Martina in Tikehau gekauft hat und fordere ihn zu einem Wettbewerb im Kopraauslösen heraus, so wie ich es bein Heiva in Tahit gesehen habe. Er nimmmt lächelnd an - der Verlierer bekommt heute kein Abendessen. Ich meine noch, der Bewerb ist ein wenig unfair, da er ja bereits alt sei, aber da ist er mit lautem Lachen bereits emsig am Werk. Die Kopra ist schimmmelig und voller Ameisen. Das Herausschälen ist eine Technik- aber auch eine Kraftfrage. Man muss mit dem löffelförmigen Kopramesser die Kopra herausschneiden/löffeln. Manche kann man in einem Stück erwischen, andere muss man mühsam in Stückwerk herausarbeten.


Nach 10 Minuten sind wir fertig - in Summe etwa 50 Kilo Kopra, das nun zum Waschen, und zum Schutz vor Ungeziefer bei längerer Lagerung, einen Tag ins Salzwasser gelegt wird, bevor es zumindest 4 Tage zum Trocknen ausgelegt wird.




In einer Woche ist das Kopra von der Kokosnusspalme fertig im Lagerraum. Arbeitsaufwand - geschätzt maximal 2 Stunden täglich (Samstag wird nicht gearbeitet), das entspricht nach Adam Riese also einem Stundenlohn von irgendwo zwischen 25 - 50 EURO. Nicht schlecht!

Die beiden schweizer Kats verabschieden sich mit dem aufkommenden Nordwind nach Osten, wir bleiben bis wir wieder ordentlichen Ostwind haben - derzeit noch nichts in Sicht; vielleicht werde ich ja Koprafarmer.

Montag, 10. April 2017

60.000 GERETTET !!!

Florian

Wir werden in die Geschichte von Maupihaa eingehen.

Hio, der hier lebt, hat vor einigen Jahren Austern für eine Perlenproduktion ausgesetzt; 5 Reihen zu je 200 m im Abstand von 10 m, ca. 5 Meter unter der Wasseroberfläche, gesichert durch Bojen. Die Austern sind gewachsen und schwerer geworden, und als Hio seine Austern wieder einmal besuchen wollte - waren sie weg. Sie waren offenbar durch ihre Gewichtzunahme auf den Grund des Atolls abgesunken, auf ca. 35 m - seit drei Jahren sucht er sie vergeblich - 60.000 Austern!!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man 60.000 Austern auf einer Fläche von 200 m x 10 m nicht findet, also schlage ich den anderen Seglern vor, dass wir versuchen Hio zu helfen. Andi hat mit seinem Kat und einem Schleppanker schon vor einigen Tagen vergeblich versucht die Leinen zu finden. Kurt vom schweizer Katamaran - "Casa Bianca" - hat allerdings eine Drohne an Bord. Ich schlage vor mit der Drohne die Lagune abzufliegen, um womöglich von oben die Austern zu entdecken. Gesagt - getan.



Zunächst fahre ich mit Laptop und Satellitenbildern unseres Navigationsprogrammes OpenCPN zu Hio, damit er mir auf den Bildern die Position der Austernschnüre zeigt, an der sie hoffentlich sind. Anschließend navigiert Andi mit seinem Kat zur angegebenen GPS Position, von wo Kurt seine Drohne starten soll. Hio möchte schon bei der Anfahrt vom Masttop aus die Lagune absuchen. Als wir uns seiner Position nähern, ruft er plötzlich, dass er eine Boje gesichtet hat. Wir fahren vorsichtig heran und finden tatsächlich eine Boje ca. 4 Meter unter Wasser. Ich springe mit einer Leine über Bord und sichere die Boje, dann springt Hio hinein und markiert die Boje, mit einer anderen Boje an der Wasseroberfläche, damit wir sie nicht wieder verlieren. Als er wieder aus dem Wasser ist, meint er, er hätte seine Austern gesehen, und sie wären sehr groß geworden. Hio ist happy! In den nächsten Tagen wollen wir ihm helfen die Austernleinen mit Bojen wieder näher an die Oberfläche zu bekommen.


Für  heute sind wir jedoch fertig - Aktion gelungen - 60.000 Austern gerettet!!

Sonntag, 9. April 2017

ICH, TROTHELLO



Martina

Nachtrag: Wie viele Meilen muss man zur Zufriedenheit des Kapitäns gesegelt sein, um nicht Kielgeholt zu werden. Ich habe ca. 17.000 Meilen hinter mir und das dürfte gereicht haben, denn ich habe vergessen das Badezimmerluk vor der Überfahrt nach Maupelia zu schließen.

Gleich nach unserer Ankunft gehe ich ins Bad und finde eine mittlere Überschwemmung vor. Salzwasser in der Bilge, im Waschbecken, auf den Ablagen und natürlich Spritzwasser auf allen Wänden und teilweise in den Schränken. Mein großes Glück war, dass wir Vorwind gefahren sind und wir nicht in permanenter Schräglage gesegelt sind, sondern immer nur hin und her gewackelt sind. Nachdem wir das Bad während der Überfahrten so gut wie nie benützen, haben wir es leider auch nicht bemerkt.

Wir hatten eine ruhige Nacht und gönnten uns ein herrliches Sonntagsfrühstück. Während wir so an unserem Kaffee und Tee schlürfen, kommt uns Andi vom Schweizer Kat MITSU besuchen. Er versucht Hio dem 29-jährigen Polynesier mit einem Nirostabohrer zu helfen ein Loch in seinen Harpunenspieß zu bohren, aber es ist ihm nicht gelungen. Florian wühlt sofort in seiner großen Bohrerkiste und sucht drei passende Bohrer heraus. Mit ins Dingi kommt auch noch die Standbohrmaschine und eine Zweitbohrmaschine.
Hio, Faimanu und Karina, drei Geschwister, kennen wir schon von gestern. Sie holten sich gestern ihre Pakete aus Maupiti von uns ab. Sie strahlen eine Herzlichkeit und Zufriedenheit aus, die unbeschreiblich und wunderschön ist.
Während Florian bohrt, gehen Faimanu, Karina und ich zum Außenriff Muscheln suchen. Faimanu spricht ganz gut Englisch, und so können wir uns perfekt verständigen.


Nach zwei Stunden haben die Männer das Loch gebohrt und wir sind mit vielen Schneckenhäusern zurück.


Schnell zurück aufs Schiff, Tauchsachen zusammenbauen und dann geht's auch schon mit Hios Boot zum Pass auf einen Tauchgang zur MS SEEADLER, die im ersten Weltkrieg hier gesunken ist. Angeblich lag sie vor dem Riff vor Anker, dann kam ein Tsunami, und sie wurde aufs Riff gespült. Wir können das leider jetzt nicht googeln, aber ihr könnt in der Zwischenzeit recherchieren und uns in Kommentaren auf dem Blog die Geschichte der SEEADLER hinterlassen.







Am Abend sind wir dann bei Hio zum Essen eingeladen. Es gibt Lobster, frisches Fischcurry, Palmenherzen- und Papayasalat sowie Reis. Der Tisch biegt sich und wir können die riesigen über dem offenen Feuer gebratenen Lobster und Fische gerade zusammen essen.
Maupelia ist ein besonderer Ort!






ÜBERFAHRT MAUPIHAA

Florian

Zu Klarstellung: Mopelia heißt dieses westlichste befahrbare Atoll auf Französisch, Maupihaa auf Polynesisch - wir bleiben daher beim einheimischen Namen - Maupihaa.

Wir verabschieden uns von Helmut und Sylvia, die beiden segeln zurück auf die Tuamotus.


Wir haben allfällige Lieferungen für Maupihaa für 10:00 Uhr bestellt - doch niemand kommt bis dahin, also gehen wir und ONOTOA Anker auf. Im Knobelwettbewerb gegen den Herrn Kapitän der ONOTOA, Helmut, verliere ich (Stein verliert gegen Papier) und muss daher als erstes durch den Pass. Wir motoren also voraus, da - 1/4 sm vor dem Pass - schießt ein kleine Motorboot heran und übergibt uns bei fahrenden Schiffen noch 5 Kartons und weitere 10 Baguettes für Maupihaa. Jetzt sind wir wirklich voll.


Die Ausfahrt nähert sich und wir haben ca. 1,5 Knoten auslaufende Strömung. Die Welle baut sich auf ca. 1 Meter auf, links und rechts Brecher, es gibt auch Strudel und unsere ESPERANZA bockt durch die Welle, aber wir kommen gut durch und verabschieden uns von der ONOTOA, die nach Osten nach Bora Bora fährt.

Der Wind ist leicht und wir setzen die Segeln Butterfly ausgebaumt. So rollen wir natürlich, aber es geht mit 4 Knoten in die richtige Richtung. Die Welle ist unangenehm bei dieser Segelstellung und es haut uns die ganze Nacht herum, aber wir haben dafür auch keine Squalls. Am Morgen fangen wir noch - nomen est omen - eine Tölpel mit unserer Angel, den wir unbeschädigt befreien können und wieder fliegen lassen.

Um 12:00 Uhr stehen wir vor dem berüchtigten Pass von Maupihaa - 30 m breit, ca. 300 m lang, bei der Einfahrt links und rechts kleine Brecher und Strudel, aber insbesondere das steil heraufragende Riff in nächster Nähe. Ich gebe alles, was unsere ESPERANZA vermag, und wir kämpfen uns mit 1,8 Knoten Meter für Meter durch den Pass - wir haben also 4 Knoten auslaufende Strömung, und das bei denkbar ruhigen Bedingungen.


Angeblich kann es im Pass bis zu 9 Knoten auslaufende Strömung haben, dann wäre er für uns unpassierbar (und wir wären um 30 Baguettes und einen Autoreifen reicher). Wir "geigeln" zwar ordentlich, aber wir kommen durch und tuckern durch die tiefblaue Lagune des Atolls zur Nordostecke, wo einige Häuser zu sehen sind. Zwei schweizer Katamarane liegen vor Anker und wir lassen unseren Haken mit gutem Abstand zu ihnen in 12 Meter auf Sand fallen - Korallenblöcke in guter Entfernung - GUT ANGEKOMMEN!


Wir schnauffen gerade durch, da kommen bereits zwei Boote und holen ihre Lieferung ab. Nette Leute und meine drei Brocken Polynesisch brechen gleich das Eis. Maupihaa wir sind da...