Samstag, 15. Juni 2019

SEEMANNSGARN

13.06.2019

Florian

Weiter gehts hinüber nach Brac. Vorbei am berühmten Sandstrand von Bol - wahrscheinlich das häufigste Werbefoto Kroatiens. Die Sonnenschirme sind schon aufgebaut und warten auf die Badegäste.


Sandstrand von Bol


Auffrischender Wind schiebt mich recht flott entlang der Südküste von Brac, bis ich in die Krusica Bucht einbiege.


Südküste Brac


Hier ist ein alter Seebunker aus dem Kalten Krieg, den ich vor etwa 15 Jahren schon besucht habe. Als ich an der Mole vor dem Bunker längsseits gehe, hilft mir ein Mann beim Anlegen. Marin ist Fischer und lebt hier im Bunker.

Ein Touristenausflugsboot kommt, und Marin meint ich solle vor Anker gehen, aber ich deute ihm, dass das andere Boot ja auf der drüberen Seite des Anlegers längsseits gehen kann. Das macht das andere Schiff dann auch, der Kapitän ist aber wenig begeistert, das ich "seinen" Platz okkupiere. Als dann auch noch ein Fischerboot in den Bunker möchte und nun zwischen dem anderen Boot und der ESPERANZA nicht durchkommt, müssen sie das Ausflugsschiff weiter in den Buker hineinziehe, damit der Fischer "Slalom" bei uns durchkommt - ich kann ja nicht hineinfahren mit meinem Mast.

Ich störe hier ganz offensichtlich die übliche Ordnung, bleibe aber gelassen und widme mich der Schiffspflege. Als die Fischer feststellen, dass ich nicht der übliche Charterskipper bin und wir ins Gespräche kommen, laden sie mich zum Abendessen ein. Natürlich bringt jeder mit, was er so hat, wie das halt üblich ist unter Seeleuten. Es wird ein gemütliches Abendessen mit viel Plauderei und wir spinnen Seemannsgarn. Meine "Einfahrtsblockade" ist vergessen und meine neuen Freunde meinen unisono, ich war ja zuerst da, also musste ich auch nicht wegfahren.


Vorm Bunker

Donnerstag, 13. Juni 2019

UNTERFORDERT

12.06.2019

Florian

Um 4:30 Uhr haut mich die Welle aus dem Bett. Die ESPERANZA "bockt" an der Ankerkette, der Wind hat gedreht und ich lege auf Legerwall. Also auf und weg. Vorbei am noch schlafenden Sucuraj mit Wind auf die Nase und um das Ostkap von Hvar herum.


Sucuraj noch verschlafen

Leuchtturm am Ostkap von Hvar

Sonnenaufgang über dem Küstengebirge bei Makarska


Als ich den Bug der ESPERANZA nach Westen richte wirds gemütlich, und wir gleiten sanft durchs Wasser. Die ESPERANZA ist in diesen Gewässern unterfordert und "spielt" sich mit den Bedingungen. Das ist sehr angenehm, denn jedes Teil der ESPERANZA ist für diese Bedingungen überdimensioniert - höchst entspannend.


Nett

Kein Wunder, dass die ESPERANZA in Kroatien unterfordert ist!


Und so gleitet die ESPERANZA an der Nordküste von Hvar entlang. Mein heutiger Stop ist im Schutz der kleinen Insel Zecevo, wo das glasklare Wasser zum Abkühlen einlädt. Und ich merke, dass die Wassertemperatur schön langsam wärmer wird - der Sommer kommt also doch.


Zecevo - lädt zum Baden ein

Montag, 10. Juni 2019

GEMÜTLICH

09./10.06.2019

Florian

Gemütlich geht´s weiter, denn der Wind ist schwach, aber mangels Welle kann ich doch unter Segel so manche Strecke zurücklegen. Entlang der Weingärten des Peljesac, vorbei an Korcula gehts an die Westspitze von Peljesac, wo ich in Uvala Luka mein Nachtlager aufschlage - ein guter Ankerplatz.


Weingärten auf Peljesac

Durchfahrt zwischen Peljesac nd Korcula

Korcula


Am nächsten Morgen ist es windstill und ich lege die kurze Strecke bis an die Ostspitze von Hvar unter Motor zurück. In der Nebenbucht von Sucuraj, einem netten kleinen Fischerort, gehe ich vor Anker.  Einkaufen - Laufen - Schiffspflege - es ist gemütlich. Und der Sommer ist unter Tags schon spürbar - endlich wieder ins Wasser gehen - wenn auch nur kurz!


Sucuraj voraus


Sucuraj


Sonntag, 9. Juni 2019

GUTE GEFÄHRTIN


Martina

Nachdem die Esperanza ihre dritte Weltumsegelung geschafft hat, möchte ich euch meinen Rückblick auf diese wunderschöne Zeit nicht vorenthalten.

Wir sind als Ehepaar und perfektes Team losgesegelt. Jeder hatte seine Aufgaben und wir haben uns wunderbar ergänzt. Das Vertrauen sich auf den Anderen verlassen zu können war immer da. Ich habe trotz meiner Seekrankheit meine Aufgaben an Bord immer wahrgenommen, war immer mit Rat und Tat zur Stelle und habe zu vielen Verbesserungen und auch Vermeidungen von größeren Problemen beigetragen. Somit habe ich einen großen Anteil an dieser gelungenen Weltumsegelung von Florian beigetragen.

In über 5 Jahren habe ich auf der Esperanza 25.215 Seemeilen zurückgelegt, das spricht für sich.

Die letzten von Florian alleine gesegelten 7.842 Seemeilen haben ihm, wie er selbst schreibt, viel Angst und Anstrengung gekostet, und das obwohl er die langen Strecken mit sogar 2 Helfern an Bord zurückgelegt hat.  An dieser Äußerung ist deutlich zu erkennen wie viel ich in den 5 gemeinsamen Jahren an Bord zu Florians Weltumsegelung beigetragen habe. Leider konnte ich die Reise aus teilweise bekannten Gründen nicht beenden, und habe „nur“ zu etwas mehr als ¾ der Weltumsegelung beigetragen.

Der Ausdruck “gute Gefährtin“ von Florian ist unpassend und trifft die Realität nicht. Tolle Leistung und tolle Frau finde ich für angebracht.

Für mich ist und war es eine unbeschreiblich tolle Reise und ich bin stolz dieses Abenteuer geschafft zu haben. Ich schaue voll Freude und Dankbarkeit auf die Zeit zurück und lasse mich nicht auf eine gute Gefährtin reduzieren.

EINE MILLION

08.06.2019

Florian

Der Blog hat die eine Million Marke an Lesern überschritten. Er war ursprünglich lediglich für unsere Familie und Freunde gedacht, hat aber eine breite Öffentlichkeit erreicht, die ich nicht erwartet hätte, die mich aber freut.

Mit dieser breiten Öffentlichkeit sind naturgemäß auch einige negative Erfahrungen verbunden. Vor allem manch negativer Kommentar von Menschen, die sich in der Anonymität verstecken und sich eine Meinung über etwas bilden, von dem sie nur einen kleinen Teilaspekt kennen, gleichzeitig aber Gift und Galle in schriftlicher Form verbreiten. Auch das ist eine interessante für mich neue Erfahrung, die mein Denken und Reflektieren angeregt hat.

Die Zahlen sprechend für sich. Freut mich, dass euch der Blog gefallen hat!



Samstag, 8. Juni 2019

ABENTEUER LEBEN

07.06.2019

Florian

Der Wind soll heute noch in die richtige Richtung blasen und ab Morgen auf die Nase drehen, also keine Verschnaufpause auf Kolocep, sondern weiter. Vorbei gehts an Lopud und dann will ich außen an Mljet vorbei, aber der Wind ist für die Welle zu schwach, also hinein in den Wellenschattn in der Meerenge zwischen Mljet und Peljesac. Dort gleitet die ESPERANZA supergemütlich und ganz ruhig nach Nordwesten.


Vorbei an Lopud


Gemächlich gehts dahin

An der Halbinsel Peljesac entlang



Plastikmüll im Wasser


Ich gehe in Zuljana auf Peljesac vor Anker, denn aus dieser Region kommen die besten Miesmuscheln. Und in der örtlichen Konoba bekomme ich tatsächlich eine hervorragende und große Portion zu günstigem Preis - ich bin offensichtlich dem Haupttourismusstrom um Dubrovnik entkommen.


Zuljana voraus

Zuljana

Beim Abendessen komme ich mit einem netten Ehepaar aus Deutschland ins Gespräch - Bernie und Silvi aus Frankfurt - Ex-DDR, im Stasigefängnis gesessen, weil sie aus der DDR ausreisen wollten, von der BRD freigekauft - abenteuerliche Lebensgeschichte. Sie sind beeindruckende Menschen und gehen an das Abenteuer Leben wunderbar positiv heran. Ich lade sie zum Brunch auf die ESPERANZA ein. Das Interessanteste an meiner Reise sind die außergewöhnlichen Menschen, die ich kennen lernen darf


Bernie und Silvi


Freitag, 7. Juni 2019

URLAUBSSEGELN

06.06.2019

Florian

Ich habe etwa 180 sm von Cavtat bis Ugljan, wo ich am 20.06.2019 zur Homecoming-Party ankommen möchte. Das sollte sich ausgehen. Aber zunächst brauche ich noch ein wenig Diesel. Also steuere ich Dubrovnik an, segle unter der Altstadt vorbei und hinein in den alten Hafen.






Dubrovnik - Prächtiger Anblick

Die Tankstelle dort ist ziemlich versteckt und sehr eng. Ich traue mich trotzdem hinein, aber als mir niemand beim Anlegen hilft und ich wegen des plötzlich aufkommenden Seitenwinds ein wenig ins Schwitzen komme, breche ich den Versuch hier zu tanken ab und motore zur anderen Tankstelle unter der Autobanhbrücke hindurch ans Ende des langen Fjords, der die ACI-Marina beherbergt.


Eng, seicht, Seitenwind - eine "Tankstellen-Platzrunde" und rasch wieder raus!

Autobahnbrücke Dubrovnik

Dubrovnik - bei Kreuzfahrern sehr beliebt!


Frisch betankt genieße ich das gemütliche Segeln mit wenig Wind im Wellenschatten der Elafiten Inseln und gehe in der geschützten Bucht von Kolocep vor Anker. Segeln hier ist wirklich gemütlich und weder ESPERANZA noch Skipper werden gestresst. Ich genieße einen Insellauf, erkunde Kolocep und nehme ein kurzes Bad im etwa 20° C kühlen Nass - alles sehr, sehr nett! Ab jetzt ist Urlaubssegeln ist angesagt!


Kolocep - sehr schön!