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Samstag, 2. November 2013

EINSCHAUKELN

Florian

Die Schlechtwetterfront ist durchgezogen. In den nächsten Tagen ist schwacher bis kein Wind angesagt, danach sieht die Windkarte für die Überfahrt auf die Kap Verden gut aus. Also los, es gibt keinen Grund zuzuwarten. Wer nach Kalender und nicht nach Wettervorhersage segelt kommt in schlechtes Wetter. Natürlich gibt es auch Diskussionen zwischen uns beiden, da nächsten Donnerstag gemäß einer Vorhersage die Welle mit 1 - 2 m von Süd nach Nord stehen soll (Martina befürchtet Seekrankheit), aber 100 % perfekte Wettervorhersagen gibt es bei einer Überfahrt von gut 800 sm bzw. ca. 7 Tagen nicht.

Unser Plan ist heute nach Morro Jable in die Marina zu segeln, morgen an der Südspitze von Fuerteventura zu ankern, am Montag an die Südspitze von Gran Canaria zu segeln und am Dienstag den 5.11. zu den Kap Verden zur Insel Sal aufzubrechen


Also ist „Einschaukeln“ angesagt. Da wir seit unserer Ankunft auf den Kanaren nur zwei Tage gesegelt sind, müssen wir schauen, dass alles wieder an seinem richtigen Platz liegt und die Systeme funktionieren. Florian hat unsere Spinnakerbäume mit Topnant und Vorholer ausgestattet (Empfehlung von unserem Supersegler Thomas von der ENYA), damit wir gut und sicher die zu erwartenden achterlichen Winde ausnützen können.

Wir verabschieden uns von unseren lieb gewonnenen Stegnachbarn. Es war eine sehr nette Truppe hier in Gran Tarajal, fast ausschließlich Segler, die über den Atlantik wollen. Um 11 Uhr legen wir ab. Bei Auslaufen aus dem Hafen pfeifen uns die Fallböen um die Ohren. Groß 2. Reff und nur Fock; sobald wir weiter von der Küste entfernt sind wird der Wind schwächer, wir reffen das Groß aus und setzen die Genua. Dann dreht der Wind achterlicher und wir können die neue Leinenkonstruktion des Spinnakerbaums mit der Genua testen. Der Topnant fungiert quasi als Kran, der Vorholer verhindert, dass der Baum noch vorne schlägt und die Genuaschot zieht den Baum in die gewünschte achterliche Position. So „hängt“ der Spinnakerbaum an drei Punkten und ist stabiler zum Hantieren.


Als alles gesetzt ist – wie sollte es anders sein – schläft der Wind komplett ein. Also Motor an und unter Motor die restlichen 15 sm nach Morro Jable, wo wir um 17:00 Uhr eintreffen und auch einen Liegeplatz zugewiesen bekommen. Martina war trotz „einschaukeln“ nicht seekrank und ist ganz glücklich.  Daher gönnen wir uns jetzt noch etwas Gutes zu essen – wer weiß womöglich finden wir erst auf den Kap Verden unser nächstes Restaurant.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

BUSAUSFLUG

Mit dem Bus ging es in den Süden und zwar nach "Morro Jable", unsere Segelfreunde haben von traumhaften karibischen Stränden erzählt, und wir wollten uns auch noch den Hafen für einen möglichen Zwischenstopp auf unserer Weiterfahrt nach Gran Canaria anschauen. Der Hafenkapitän hat gemeint, nein sie hätten wahrscheinlich keinen Platz, aber auf die Frage was passiert wenn wir einfach hier her kommen, war die Antwort, "naja, dann werden wir schon eine Lösung finden". Einfach Spanisch, oder?
Der kilometerlange weiße Sandstrand ist wirklich beeindruckend, die kilometerlangen Hotelburgen im Hintergrund sind jedoch eine Katastrophe.




Am Abend gab`s auf der Angicamaro ein köstliches Reisfleisch, wir genießen unsere letzten Österreichtreffen, denn ab hier trennen sich unsere Wege, wer weiß wann wir uns wieder sehen.


Dienstag, 29. Oktober 2013

FITNESS

Nachdem wir uns ein Mietauto ausborgen wollten habe ich mir das Klapprad und Florian die Laufschuhe geschnappt, und auf gings in die nächste Bucht "Las Payitas".


Ca 5km pro Strecke, bei starkem Gegenwind, bergauf und bergab, mit kleinen Rädern und nur 3 Gängen, war`s dann für mich auch anstrengend. Überall entlang des perfekt angelegten Fahrradweges gibt es kleinere und größere Fitnessparcours, und nachdem wir beide unter Rückenschmerzen leiden, gabs gleich Bauch- und Rückenmuskeltraining und Dehnungsprogramm.


Danach sind wir noch auf den kleinen Berg der zwischen Gran Tarajal und Las Playitas liegt gestiegen und genossen einen herrlichen Ausblick auf das Meer.


Nachdem es mit der Autovermietung nicht geklappt hat sind wir dann auf dem selben Weg wieder zurück zu unserem Schiff, aber dieses Mal mit Rückenwind, vieeeeeeeeel besser.

Sonntag, 27. Oktober 2013

ÜBERFAHRT FUERTEVENTURA

Es war Zeit weiterzuziehen. Eine Schlechtwetterfront kündigte sich an. Also wieder Wetterprognosen studieren. Wenn wir nicht rasch weitersegeln, dann sind wir eine weitere Woche auf Lanzarote gefangen.

Also entschließen wir uns kurzerhand aufzubrechen. Die Nervosität steigt dadurch in der Sekunde. Letzte Vorbereitungen, Wasser bunkern, Vorräte verstauen, Martina kocht noch ein und alles wieder segelfertig machen.

Am 27.10. legen wir um 9:00 Uhr ab. Kurs 203° nach Fuerteventura in die Marina von Gran Tarajal. Der Wind pfeift uns um die Ohren als wir aus der Marina von Arrecife ausfahren. Das Groß mit Bullenstander und die Genua ausgebaumt fliegen wir „Buttterfly“ mit 6-7 Knoten nach Süden. Immer wieder ziehen schwarze Wolken über uns hinweg, lassen auch Regen auf uns prasseln, „verdrehen“ uns aber leider mehrfach den Wind, sodass wir Kurs ändern müssen. Auch reduziert sich der Wind in solchen Phasen jeweils so stark, dass die Segel zu schlagen anfangen – unangenehm. Wir müssen eine Strecke von 57 sm zurücklegen und es wird um 20:00 Uhr dunkel; wir haben also keine Zeit zu verspielen. In diesen Gegenden will man nicht bei Dunkelheit in einen Hafen oder ein Bucht einlaufen.

Wir passieren den Kanal zwischen Lanzarote und Fuerteventura sowie die Isla de Lobos in entsprechend großem Abstand und entziehen uns dadurch ein wenig der Turbulenzen in Küstennähe durch Fallwinde und Düseneffekte. Als der Wind uns durch denn Durchzug einer Regenwolke dann wieder einmal im Stich lässt stehen wir drei Meilen vor Porto Rosario. Wir bewegen uns lediglich mir 3,5 bis 4,5 Knoten voran – zu langsam! Ich studiere die Karten, ob wir dort ankern können. Als ich die Entscheidung fast schon getroffen habe hebt der Wind wieder an und wir fliegen weiter mit 6- 7 Knoten nach Süden – so passt´s.

Plötzlich tauchen Delphine auf, zuerst 10, dann 20 und dann mehr als hundert begleiten uns über eine halbe Stunde. Sie surfen in unserer Bugwelle, springen aus den Wellen hervor, schlagen dabei einen Salto und knallen beim Eintauchen mit der Schwanzflosse auf das Wasser. Offenbar gibt es auch bei Delphinen immer wieder neue coole Kunststücke unter den Halbwüchsigen – so etwas haben wir jedenfalls noch nie gesehen. Martina steht am Bugspriet und filmt wie wild, was sich leider auf ihren Magen schlägt.




In weiterer Folge sitzt sie wieder eher stumm in der Plicht, kaut an einem Stück trockenem Brot und hat den Kübel in Griffweite.


Und dann sind wir am Kap und drehen in westliche Richtung ab Richtung Gran Tarajal. Steil und schroff fällt die Küste hier ins Meer. Kurz vor der Marinaeinfahrt passieren wir noch eine Bucht mit hervorragender Düse für den Wind und da sehen wir auch schon bedenklich viele Schaumkronen herannahen. Es bläst uns heftig um die Ohren und die Gischt fliegt übers Deck. Zum Glück haben wir rechtzeitig Segelfläche verkleinert und dennoch segeln wir mit Groß und Fock bis zu 7 Knoten 60° am Wind. 



Als wir die Bucht passiert haben legt sich der Wind ein wenig; Fock einrollen, Motor starten, Groß einholen und dann motoren wir auch schon in das Hafenbecken der Marina. Man weist uns einen Platz zu – natürlich starker Seitenwind zu unserem Platz – und es verdreht uns auch schon den Bug beim Anlegemanöver. Nach zwei Anfahrten klappt es mit vereinten Kräften der am Steg stehenden Segler dann doch, und wir liegen sicher an unserem Platz. Es dämmert bereits erheblich und nachdem wir uns ordentlich vertäut haben ist es stockdunkel – keine Sekunde zu früh angekommen.


Wir fallen einander in die Arme, genießen unser „Ankunftsbier“ und fallen anschließen müde in unsere Kojen. In der Nacht ziehen zwei heftige Stürme mit Starkregen über uns hinweg, die mich aufwecken und die Vertäuung unseres Schiffes kontrollieren lassen. Wieder einmal hat es der liebe Gott gut mit uns gemeint und die Stürme zurückgehalten bis wir in Sicherheit waren.