Mittwoch, 13. März 2019

PORT GHALIB, DER ORT

05.03.2019

Florian

Port Ghalib ist eine reinen Touristensiedlung europäischer Prägung. Die Preise sind entsprechend, aber man ist in der westlichen Zivilisation angelangt. Preise sind in US$ und EURO angeschrieben, ägyptische Pfund werden aber auch genommen.


Port Ghalib Touristenbereich

Die Marina wurde in die Lagune hineingebaut und ist sehr sicher, allerdings ist sie nur etwa zu 20 % fertig gestellt - und das seit 2006.


Die Lagune in Bau


Im hintersten Bereich des verbauten Gebiets, wo die Bauten nur halbfertig sind, wohnen die Einheimischen und dort findet man einen normalen Supermarkt, und ägyptische Geschäfte - wunderbare Bäckerei, kleine Restaurants, eine Wäscherei - und alles zu einheimischen Preisen - also sehr billig.


Hier wohnen die Einheimischen

.... und hier

Die Bäckerei

Hier läßt es sich schon einige Zeit aushalten, denn zum Laufen ist die halbfertige Lagune wunderbar - angenehmer Sandboden. Und so kann ich endlich wieder meine Beine auslaufen.



Restaurant der Einheimischen

Hervorragendes Essen!!

Montag, 11. März 2019

PORT GHALIB

03.03.2019

Florian

Einklarieren in Ägypten ist angesagt. Und das dauert. Um 8 Uhr legen wir an der Zollmole an.


An der Zollmole


Ein Agent ist notwendig zum Einklarieren und Nasco-Tours ist der einzige und daher exklusive Agent für Port Ghalib. Hier muss man alles in US Dollar bezahlen. 120 US$ für den Agenten, 150 US$ für das Segelpermit, dazu noch Visagebühren etc. etc., die Gesamtkosten betragen 380 US$.

Interessant ist Biosecurity: die kommen an Bord, schauen sich um und fragen, ob man eh gegen Insekten gesprüht hat; bejaht man - was man sollte - dann wollen sie eine leere Spraydose sehen; ich finde ein halbvolle, die sie mitnehem wollen, die kann ich aber noch brauchen, also tausche ich sie gegen ein fast leeres Autanfläschchen aus - damit sind sie zufrieden und ziehen wieder ab.
Der Zollbeamte kommt einige Stunden später, schaut sich um und ist in 2 Minuten wieder von Bord. Zuletzt bekomme ich den Reisepass vom Agenten mit dem Einreisestempel samt Visum.

Um 16 Uhr bin ich fertig mit dem Einklarieren und ich darf zur Tankstelle - 1 Liter Diesel 1,18 US$ und 30 ägyptische Pfund Zollgebühr. Wieviel Diesel ich brauche, fragt der Tankwart? Ich schätze 150 Liter - kostet 177 US$, die ich vor dem Tanken dem Tankwart aushändigen muss. Danach geht er mit mir zum Bankomat, damit ich ägyptische Pfund abheben kann - erst danach darf ich tanken. 300 Liter passen in meinen 300 Liter Tank - ich war also praktisch leer.


Tankstelle von Port Ghalib

Als alles erledigt ist darf ich mich in die Marina verlegen. Die hat keine Duschen, dafür aber Strom und Wasser und man liegt sehr sicher an Boje und Heckleinen zum Steg - endlich kann ich mich so richtig ausrasten!


Die Marina von Port Ghalib

Samstag, 9. März 2019

SUAKIN - PORT GHALIB, 9.TAG

03.03.2019

Florian

Wir wählen den Weg durchs Riff, da die Welle nach 2 Tagen Starkwind draußen vor dem Riff noch hoch ist.


SANGANEB

Und Riffdurchfahrten sind immer sensibel, denn die Seekarten stimmen nicht, und mit dem Riff zu kollidieren wäre hier eine mittlere Katastrophe. Wir kommen zu Mittag zu den schwierigen Durchfahren - laut Seekarte 2-2,5 m - doch tatsächlich hat es über 50 m Tiefe, also kein Problem; Navionics wieder einmal nicht korrekt.

Dann gehts hinaus auf das offene Meer, wo die Welle zum Glück schon abgenommen hat und wir kommen ganz gut voran. Paolo von SANGANEB will schon nach 20 sm beim ersten Ankerplatz übernachten, aber es ist erst 14:00 Uhr und so segeln wir weiter, denn der zweite Ankerplatz scheint möglich. Auch dort würden wir zwar noch bei Tageslicht ankommen, aber die Bedingungen sind so gut (nur um die 10 Knoten Wind auf die Nase), dass wir beschließen die Nacht durchzusegeln, um Port Ghalib zu erreichen.

Also auf in die - hoffentlich - letzte Nachtfahrt im Roten Meer. Der Wind nimmt mehr und mehr ab, bis ich nicht mehr kreuzen muss, sondern direkt das Port Ghalib vorgelagerte Elphinstone Reef ansteuern kann. Beim Kreuzen schaffen wir eine Geschwindigkeit zum Ziel (also nicht Geschwindigkeit über Grund) von etwa 3,8 Knoten, nun direkt schaffe ich etwa 4,5 Knoten. Ich muss beim Aufkreuzen etwa 1,4 mal so weit segeln, um zu meinem Ziel aufzukreuzen, nun geht es direkt.


Tagesanbruch mit Mond und letztem Stern

Port Ghalib voraus

Mit 20 minütigen Schlafphasen arbeite ich mich durch die Nacht und noch vor dem Morgengrauen passiere ich das Elphinstone Reef. Noch 16 sm bis Port Ghalib. Auch diese letzte Strecke geht irgendwann zu Ende und ich komme bei frühlingshaften Temperaturen und Licht in Port Ghalib an und mache an der Zollmole fest.

GESCHAFFT!!! (und ich auch)

p.s.: Von Sri Lanka bis hierher bin ich in 39 Tagen (davon 5 Tage in Suakin vor Anker) 3.446 sm gesegelt, davon 246 Stunden unter Motor. Zur Orientierung: seit Beginn der Weltumsegelung im Juli 2013 habe ich in Summe (also inklusive dieser Überfahrt) 1.912 Motorstunden gehabt; etwa 13 % der Gesamtmotorstunden sind sohin nur von dieser Überfahrt seit Sri Lanka. Wer durchs Rote Meer will braucht also unbedingt einen zuverlässigen Motor - und die ESPERANZA hat wieder einmal bewiesen, dass sie ein sehr, sehr zuverlässige Schiff ist.




Freitag, 8. März 2019

SUAKIN- PORT GHALIB, 8. TAG

02.03.2019

Florian

Die Korallenwelt ist wirklich einzigartig. So schön wie hier waren die Korallen nirgendwo auf der Welt.


Paolo und Elisabetta

prächtige Unterwasserwelt

Es ist eine willkommene Abwechslung zu Schnorcheln, aber es dauert nicht lange, denn trotz 3 mm Tauchanzug ist uns nach relativ kurzer Zeit kalt und es geht zurück an Bord. Paolo hatte übrigens die erste Padi-Tauchschule in Italien. Der kennt sich unter Wasser also so richtig aus

Ich warte den Autopilot, der seit einiger Zeit quietscht. Dazu muss ich ihn komplett zerlegen und danach schmiere ich mit gutem Schmiermittel die Spindel, die den Schubarm bewegt. Nicht ganz einfach, aber jetzt sollte er gut bis nach Hause halten.


Schützendes Dolphin Reef (YEMAYA und SANGANEB)

Es ist schon eigenartig. Da segle ich seit 5 Wochen seit Sri Lanka bis hierher und jetzt auf einmal habe ich Zweifel, ob ich es schaffe. Ich nehme an dies deshalb, da ich bislang das Ziel nie zum Greifen nahe hatte und daher der Weg das Ziel war. Nun aber, da mich nur noch 100 sm von meinem Ziel Port Ghalib trennen - ein Klacks gegen die Distanz bisher - nun kommen Ängste auf es nicht zu schaffen. Eigenartig, oder bin ich schon so ausgelaugt und fertig, dass mir alles zu schwierig wird. Wie auch immer, da muss ich durch, denn aufgeben ist zum Glück nicht möglich.

Nach einer halbwegs ruhigen Nacht heißt es um 07:40 Uhr Leinen los. Das dauert bei mir ein wenig, da sich meine Festmacherleinen wunderbar eingedreht haben und sich nur schwer von der Muringboje lösen lassen, aber nach einigem herumwurschteln mit dem Enterhaken komme ich frei und es geht hinaus aus dem schützenden Dolphin Reef. Hoffentlich auf die letzte Etappe bis Port Ghalib.

Donnerstag, 7. März 2019

SUAKIN - PORT GHALIB, 7. TAG

01.03.2019

Florian

Die Pause tut gut. Zwar pfeift der Wind unentwegt, aber dafür ist es sonnig und die Luft glasklar. Die Welle donnert gegen das Riff - 3 m hoch; keine Chance jetzt da draußen gegenan zu segeln. Der Wind soll am Samstag abnehmen und bis Montag schwach bleiben. Das ist unsere Chance nach Port Ghalib zu kommen und die wollen wir nutzen. Der Plan ist morgen Samstag innerhalb des Riffs ca. 20 sm vorwärts zu kommen und sollten Wind und Welle dann akzeptabel sein die Nacht durchzusegeln.
Zuvor wollen wir heute aber noch Schnorcheln gehen - wir sind ja hier in einem Tauchparadies, auch wenn das Wasser merklich kühler geworden ist; wahrscheinlich nur noch 25° C; wir werden mit langem Tauchanzug gehen. Eine willkommene Abwechslung vor dem Endspurt nach Ghalib. Ich hoffe es klappt alles.

Mittwoch, 6. März 2019

SUAKIN - PORT GHALIB, 6. TAG

28.02.2019

Florian

Die Welle und die Strömung um Kap Berenice ist ein wenig unangenehm, aber es geht ganz gut voran. Wir kreuzen (natürlich, was sonst) unter Segel und Motor und meine neue Konstruktion zur Segelführung erweist sich als sehr hilfreich. Jetzt muss ich nicht mehr zum Mast bei jeder Wende, was bei heftigem Seegang und Starkwind kein Spaß ist.
Nach einiger Zeit gelange ich in den Schutz des Fury Shoals und ab da wird alles angenehmer. Wir steuern das Dolphin Reef an und Sanganeb übernimmt die Führung durch die enge Riffeinfahrt. Drinnen sind Muringbojen zum Festmachen für Tauchschiffe und wir finden jeder eine gute Boje. Ich bin für die 16sm von Ras Banas bis zum Dolphin Reef 29sm geseglt.


Fury Shoal, Dolphin Reef


Paolo hilft mir beim Festmachen mit seinem Dingi und anschließend bin ich zum Abendessen auf die SANGANEB eingeladen. Es wird ein kurzer Abend, denn wir alle sind müde. Eine durchgeschlafene Nacht hilft ein wenig Energie aufzuladen, aber ich merke, dass die Überfahrt meine Kraft ordentlich reduziert hat. Seit nunmehr fünf Wochen bin ich unterwegs und die Strapazen sind vielfältiger psychischer und physischer Natur. Tagelang und vor allem nächtelang durchgeschüttelt zu werden, bei Wind und Wetter am Vordeck mit den Segeln zu hantieren, Angst vor Piraten, Untiefen, Stürmen, wilder See, technischen Defekten, Probleme mit Crew - all das greift die Substanz an und auch ich bin nicht immun dagegen. Ich brauche bald einmal eine ordentliche Pause, sonst steh ich das nicht durch. Am letzten Tag vor Ras Banas hatte ich so eine Art Panikattacke mit bisher nicht gekannten Angstzuständen - ich merke ich bin am Limit.
Der Wind für die nächsten Tage ist zu stark zum Segeln angesagt; bis 30 Knoten und 3 m Welle, da bleiben wir im schützenden Riff. Vielleicht hilft mir das, meine Kraft wiederzufinden.

Dienstag, 5. März 2019

SUAKIN - PORT GHALIB, 5. TAG

27.02.2019

Florian

Der Wind wird schwächer und hört schließlich komplett auf, also ist Motoren angesagt. Permanent Gischt übers Deck - und dann wird es Nacht. Ich kämpfe um jeden Meter zum Ziel, doch als die ESPERANZA wieder einmal auf der Steuerbordseite zu schief liegt, überhitzt der Motor, da der Wasseransaugstutzen für das Kühlwasser aus dem Wasser kommt. Ich darf also auf diesem Bug nicht zu viel Höhe laufen.

Zu schief!

Wir hatten gehofft bis etwa 22:00 Uhr zum Ankerplatz zu kommen, das ist leider pure Theorie. Mit zermürbenden 2,5 Knoten arbeite ich mich dem Ziel entgegen. SANGANEB wartet auf mich und ich bin Paolo sehr dankbar, denn ich bin schon ziemlich fertig und kann aufmunternde Worte gut gebrauchen.
Schließlich nach endlos erscheinenden Stunden bin ich im "Landeanflug" auf Ras Banas. Um 3:30 Uhr bin ich am Ankerplatz, das Ankermanöver in der Nacht ist natürlich schwierig und ich verhänge mich auch gleich in einem Korallenblock. Mir jetzt egal, ich bin vor Anker und kann mich endlich ausschlafen. Davor aber noch Motor überprüfen (alles ok) und 1 Liter Motoröl nachfüllen. Auch die Bilge mach ich noch sauber, aber dann falle ich todmüde ins Bett.


Ras Banas, Ägypten

Heute Morgen mache ich mir mit Tauen eine Vorrichtung am Mast, damit ich die Fock innen führen und nicht dauernd von links nach rechts wechseln muss. Das wird das Aufkreuzen im Roten Meer sehr erleichtern. Um 11:00 Uhr gehen wir Anker auf und meine Kette verhängt sich gleich 3 Mal in den Korallen. Das ist besonders nett, wenn man alleine ist und dauernd ins Wasser springen muss, Kette freitauchen, rasch zurück zur ESPERANZA schwimmen, damit diese nicht davontreibt und weiter Kette aufholen. Ich brauche 1/2 Stunde, bis ich endlich frei komme. Nun gehts zum Fury Shoal. Ich hoffe es wird einfacher!