Mittwoch, 6. September 2017

ZIVILISATION

05.09.2017

Florian

Wir gehen um 06:00 Uhr Anker auf und verlassen mit gutem Vorsprung auf unsere Freunde von der TIME BANDIT und der RANDIVAG die Insel Ambae mit ihren doch sehr ursprünglichen Bewohnern. Faszinierend fand ich hier das Gespräch mit Chief Jimmy im entlegenen Dorf an der Nordküste über das Chief-System. Quasi ein föderalistisches Staatssystem, wobei die Stimme der 16 Inseln durch die gewählten Insel-Chiefs abgegeben wird. Wobei das nationale Parlament nicht an deren Beschlüsse gebunden ist. Das Parlament dürfte auch sonst eher unabhängig agieren. Im Jahr 2015 wurden jedenfalls 15 von 52 Parlamentsabgeordnete wegen Bestechung verurteilt - ein Beweis dafür, dass das Gerichtssystem offenbar funktioniert. Wenn sich also jemand über unsere europäischen Parlamente beschweren sollte - viel Spaß in Vanuatu.

Interessant ist auch, dass es bis auf Efate und einem Teil von Espiritu Santo keine Frauen als Chiefs gibt. Allerdings herrscht in Efate das Matrimonial-System - nur Frauen sind Chiefs - und gerade diese Insel beherbergt die Hauptstadt Port Vila und ist wirtschaftlich am stärksten.

Warum es auf den anderen Inseln keine Frauen als Chiefs gibt ist jedenfalls für Ambae klar. Laut Chief Jimmy gibt es zwei Götter auf Ambae. Und der höhere der beiden meint, dass nur Männer Chiefs werden dürfen. Wer nun verwundert an rückständige Südseeinsulaner denkt, darf die Monarchien Europas studieren und schauen, seit wann es bei uns Frauen auf dem Thron gibt (abgesehen vom Frauenwahlrecht - aber das sind ja nur Details...). Es ist jedenfalls spannend die Ähnlichkeiten der politischen Systemen im Gespräch mit Chief Jimmy zu entdecken.

Aber wir segeln ja mittlerweile entlang der Nordküste nach Luganville auf der Insel Espiritu Santo. Im Windschatten des hohen Volkans auf Ambae ist der Wind naturgemäß weg. Wir motoren, als ein großer Fisch beißt. Ich stoppe diesmal die Maschine, um den Fisch einzuholen, doch leider haut er Martina im letzten Moment dann doch wieder ab - Schade!! Als wir Ambae dann im Kielwasser lassen, wird der Wind wieder aufgedreht und wir segeln unter Vollzeug mit 6-7 Knoten nach Westen. Obwohl sich unsere ESPERANZA hervorragend schlägt, kommen unsere Freunde mit ihren größeren Schiffen bald an uns vorbei.

Um 17:00 Uhr haben wir die 51 Seemeilen dann doch geschafft und wir ankern im Schutz der vorgelagerten Inseln vor Luganville, der zweitgrößten Stadt von Vanuatu - zurück also in der Zivilisation - wir haben wieder Internet! Morgen gehen wir diese erkunden....



Dienstag, 5. September 2017

INSEL AMBAE

03.09.-05.09.2017

Martina

Mit gutem achterlichem Wind sind wir die 18 Seemeilen von Pentecoste nach Ambae gesegelt. Unser Anker fällt in der Vanihe Bay in gut haltenden schwarzen Lavasand, wo schon die SY Time Bandit und SY Randivag ankern.


Für die viel geschütztere Nebenbucht Loloway haben wir zu schlechte Sicht und zu ungenaues Kartenmaterial. Die Einfahrt dorthin wäre schwierig, nur bei erstem Hochwasser und bei guter Sicht empfehlenswert. Keiner dieser drei Empfehlungen können wir erfüllen, und deshalb widersteht Florian der Verlockung in diese malerische Bucht einzulaufen.
Wir erkunden gemeinsam die nähere Umgebung und ich kann die Meinung des bekannten amerikanischen Schriftstellers James Michener, dass die Insel Ambae die schönste Insel der Welt ist,  nicht nachvollziehen. Erstmalig sehen wir auf einer Insel von Vanuatu sehr viel Zivilisationsmüll, wie Dosen, Plastik, Autowracks und Snacksackerl aller Art herum liegen. Wir treffen auf zwei junge Frauen aus Australien, die für ein Jahr  auf Ambae versuchen ein Müllsammelsystem zu erarbeiten. Sie erzählen, dass die Menschen extrem offen für dieses Thema sind und man kann nur hoffen, dass sie in 12 Monaten etwas bewegen.


Zur Verteidigung muss man aber auch sagen, dass es hier seit 6 Monaten nicht mehr geregnet hat, alles sehr staubig ist und die Pflanzen speziell an der windigen Ostseite sehr vertrocknet ausschauen.
Gemeinsam mit den beiden uns bereits bekannten Yachten und mit einem Seglerpaar aus Australien von der SY Heemskirk mieten wir für einen Tag ein Auto mit Fahrer und Führer, um die Insel zu erkunden.


Zu elft, denn es gibt immer Einheimische die eine Mitfahrgelegenheit suchen, sitzen wir auf der Ladefläche eines PickUp Trucks und die Tour geht entlang der Nordküste Richtung Westen. SY Time Bandit sind schon erprobte PickUp Mitfahrer, denn sie sind kluger Weise mit dicken Sitzpölstern und Fendern für den Po ausgestattet. Ich habe zwar auch eine kleine Sitzmatte mit, doch der Rand der Ladefläche in Kombination mit den schlechten „Strassen“ hinterläßt seine Spuren auf unseren Sitzknochen.
Wir stoppen in einem kleinen gepflegten Ort - hier nennt man jede Ansammlung von mehr als zwei Häusern „Village“ –, der aus ca. 10 kleinen Hütten besteht.


Die Menschen sind freundlich und zeigen uns ihre natürlich gewachsenen Schätze wie etwa  riesige Mandarinen (sie haben die Größe von großen Orangen),  Pampelmusen, verschiedene zart schmeckende Nüsse und noch einige Obstbäume, deren Früchte wie Mango, Bananen, Papaya und Lyche noch nicht reif sind.


Immer wieder fragt man uns, ob wir beim Segeln Fische fangen, denn sie dürften nicht sehr erfolgreich beim Fischen sein. Sie haben zwar ihre Auslegerkanus, aber nur wenige haben ein Boot mit einem Außenborder. Wenn man eine Fischerleine nachzieht, hat man erst ab 5 Knoten Fahrt eine bessere Chance einen etwas größeren Fisch zu fangen. Rifffische sind wegen Ciguatera auch hier ein Problem. Die Einheimischen haben Blätter als Medizin, die sie zerquetschen und als Tee zubereiten. Nach drei Tagen mit diesem Zaubertrank sind sie angeblich wieder gesund.
Wir besuchen eine Schule, eine katholische Mission und die Grabstätte vergangener wichtiger „Chiefs“, wie z.B. von Tare Mule Mule, mitten im Urwald. Die Grabsteine sind alle ohne mechanische Hilfsmittel vor hunderten von Jahren von den Bergen an diesen Ort - im wahrsten Sinne des Wortes - angeschleppt worden. Als Anreiz für die Männer, um diese Strapazen  durchzuhalten, ist ihnen angeblich eine Jungfrau voraus gegangen.



Zu Mittag sind wir im Ort unseres Führeres zum Essen eingeladen. Zur Begrüßung bekommen wir alle einen duftenden Blütenkranz umgehängt und eine Trinknuss zur Stärkung. Seine Frau hat für uns Taro Palmenbrot, Tarochips, Hendl, einen köstlichen Christophine – Nudelsalat, Nüsse und Pampelmusen vorbereitet. Auch hier sind die Wege innerhalb des Orts sehr gepflegt und jeder freie Fleck wird zur Pflanzung für Obst und Gemüse genützt.






Copra wird hier auf einem großen Ofen in dicken Schichten zwei Tage getrocknet und dann in Säcke verpackt und nach Luganville/Espiritu Santo gebracht. 48 Vatu (also umgerechnet etwa 45 Eurocent) bekommen sie für ein Kilo dieser Copra. Die 14000 Vatu, die wir acht Yachties in Summe für die Tour bezahlen, sind also ein sehr guter Verdienst für sie.



Gegen 13 Uhr verabschieden wir uns mit einigen Geschenken für die Kinder und mit Zahnbürsten und Zahnpasta, denn diese sind hier Mangelware. Uns gibt dieser Ausflug einen Einblick in das richtige Leben der Menschen und in ihre Natur. Sie haben wenig aber sie sind glücklich. Erstmalig in Vanuatu das wirkliche Leben der Einheimischen und nicht bloß eine Show für Touristen.

Ich konnte nun auch Fotos zu den letzten Beiträgen hinzufügen. Viel Spaß !!!

Freitag, 1. September 2017

PENTECOSTE

Florian

Ambrym haben wir gesehen, also gehen wir Anker auf nach Norden nach Pentecoste. Dieses ist bekannt wegen des Land Diving der Eingeborenen - Bungee Jumping der ursprünglichen Art, von einem bis zu 35 Meter hohen Bambusgerüst mit Lianen an den Füssen. Wird allerdings nur von April bis Juni gemacht, während der Yamsernte, da dann die Lianen die erforderliche Elastizität aufweisen. Wir sehen davon daher nichts.

Wir ankern vor Ranmawat, das mit seinem prächtigen Wasserfall lockt. Um 1000 Vatu pro Person dürfen wir diesen besuchen und genießen ein Bad im angenehm kühlen Süßwasser. Der Chief, dem wir ein Gastgeschenk überreichen, lädt heute zum Kava Trinken - ein Fund Raiser zum Geld verdienen für die Ortschaft. Der Ort ist gepflegt, aber sehr einfach. Es gibt ein Wasserleitungssystem, doch liegen die Schläuche offen auf der Wiese herum. Die Kühe grasen zwischen den Häusern und es laufen die obligaten Schweine und Hühner herum. Alle sind Barfuss unterwegs und die Bekleidung der Menschen ist alt, zerrissen und schmutzig - aber alles ist sehr idyllisch und freundlich.

Ich will auch zum Kava Trinken (ist ja nur für Männer), aber am Nachmittag ereilt Martina und mich eine Magen-Darm-Grippe, die unsere Körper alles in Eiltempo ausscheiden läßt - nolens volens. In der Nacht steht auch noch ein unangenehmer Schwell in die Bucht und unsere ESPERANZA macht mit uns Bocksprünge - eine mühsame Nacht.

Heute Morgen gehen wir daher geschwächt Anker auf und verlegen uns 15 sm nördlich in die Loltong Bay am Nordende von Pentecoste. Hoffentlich sind wir bald wieder fit.

Dienstag, 29. August 2017

VULKAN MOUNT MARUM

Florian

Um 7:30 Uhr ist Treffpunkt am Strand. Lars und Maria von der SY ALEXANDRA wollen gemeinsam mit uns den großen Vulkan auf Ambrym, den Mount Marum bezwingen. John Willi unser Bergführer hat dafür bereits gestern 9000 Vatu pro Person kassiert und ein großer Toyota Landcruiser mit offener Ladefläche (wir sitzen alles auf der Ladefläche) holt uns ab und bringt uns auf abenteuerlicher Straße nach 45 Minuten zum Begin des Pfades. Wir haben auch einen Träger (John Willy), der unsere Schlafmatten und Proviant trägt. Hier in den Kolonien weiß man eben noch, wie man die Herrschaft gut umsorgt.



Auf 390 m Meereshöhe (HM) geht es los. Durch den sehr dicht bewachsenen Dschungel, steigt der Weg steil an und bei 500 HM machen wir nach 30 Minuten die erste Rast. Lars ist erschöpft und legt sich hin; er sieht nicht gut aus. Ich übernehme seinen Rucksack - das ist dem Träger dann doch zu viel - und nach 30 Minuten geht´s (ich mit zwei Rucksäcken) weiter, doch Lars braucht nach 10 weiteren Minuten schon wieder ein Rast. In seinem Magen rumort es und er rülpst in einem fort. Er ist fix und fertig. Nach einer halben Stunde kommen er und John überein, dass er und Maria absteigen und die Tour abbrechen; ich bin dadurch wieder einen Rucksack los. Während John und Leslie mit den anderen absteigen, marschieren Martina und ich weiter bergan.


Auf 600 HM kommen wir auf ebenes Terrain; schwarze Lavaschlacke, links und rechts dichte Vegetation.



So geht es eine gute Stunde, und wir versuchen uns an Spuren zu orientieren - Wegweiser existieren hier nirgendwo - bis wir zwei Hütten - also Hütten ist eigentlich schon übertrieben - neben der Schlackeebene finden.



Ich fälle uns eine Palme und wir jausnen ein Palmenherz. Nach eineinhalb Stunden kommen John und Leslie ohne Rucksäcke. Wir haben das Basislager schon lange verpasst, also müssen wir 25 Minuten zurück gehen. Das Basislager auf 700 HM ist versteckt im Dickicht; das kann man ohne Ortskenntnis nicht finden; wieder eine windschiefe Behausung - unser Nachtlager.


Wir bereiten unser Mittagessen zu: Eintopf aus Reis mit Kraut, einem Paradeiser und einer Dose Tunfisch, auf dem offenen Feuer gekocht; schmeckt erstaunlich gut. Anschließend gibts Siesta. Wir werden aus der Nachmittagsruhe gerissen, als Leslie von einem wilden Stier berichtet, den er gesichtet hat. Hier gibt es ausgewilderte Kühe (wie auch wilde Schweine und Hühner) von ehemaligen Plantagen. Die Einheimischen jagen diese Tiere und ein Stier wäre natürlich ein willkommenes Festmal. John und Leslie zischen ab mit ihren Macheten - barfuss - und ich natürlich hinterher mit meiner Machete - ebenfalls barfuss. Wir laufen und schleichen über die Lavaflächen, auf den Steinen tun die Füße dann doch recht weh, und verfolgen den Stier. Wir hören ihn, er hat sich aber im Dickicht versteckt. Schließlich können John und Leslie ihn orten und schleichen sich im Unterholz an ihn heran; ich warte auf der Freifläche, um ihn, falls er in meine Richtung flüchten wollte, zu stoppen (ganz sicher?!). Der Stier flüchtet aber weiters ins Dickicht und ich muss meine Laufjagdkünste nicht unter Beweis stellen.

Zurück im Basislager gibts Abendessen - Eintopf aus Reis, Kraut, ein Paradeiser und eine Dose Tunfisch - ich finde es nicht mehr ganz so gut, esse aber natürlich meinen Teil. Dann begeben wir uns zur Nachtruhe auf den Hüttenboden, die nur für John eine solche wird, da er schnarcht wie zwei brunftige Nashörner, bis Martina ihn um 3 Uhr früh entnervt vor die Hütte schickt, damit sie auch ein wenig schlafen kann.
Nicht lange, denn um 3:30 Uhr läutet mein Wecker und wir brechen Richtung Kraterrand auf. Im Schein unserer Stirn- und Taschenlampen marschieren wir wieder über Schlackefelder, bis wir schließlich zu einem Bachbett kommen, in dem wir aufsteigen.


Nach 30 Minuten verlassen wir dieses und steigen den Kraterrand hinauf, der Himmel vor uns immer röter werdend. Leider regnet es, aber es ist dennoch - Lava läßt grüßen - warm. Um 5:00 Uhr sind wir am Kraterrand, vor uns der Schlund hinab ins Magma, das wir aber in den Wolken nicht sehen können. Da der Wind aus unserem Rücken kommt ist fast kein Schwefelgeruch vorhanden, nur die Wolken leuchten im Licht der Lava höllenrot - und so entstehen auch einige höllisch gute Fotos vor diesem Hintergrund.


Dann bricht schon der Morgen an, das Rot verschwindet und wir steigen wieder ab. Erst jetzt sehen wir die dichte Graslandschaft um das Bachbett.




Im Tageslicht kommen wir gut voran, bald sind wir zurück beim Basislager und es gibt Frühstück - diesmal glücklicher Weise kein Reis mit Kraut, etc., sondern einheimisches Brot mit - laut John - Schokolademarmelade - ich bin zufrieden.

Bald danach ist alles zusammengepackt und wir steigen wieder im wärmer werdenden Tag hinunter zum Abholplatz, wo das Auto schon auf uns wartet.


Mit abenteuerlicher Geschwindigkeit rollt der Landcruiser - wir wieder auf der Ladefläche - den Berg hinunter; der Motor ist abgestellt, um Sprit zu sparen; uns hauts ordentlich herum, aber wir krallen uns gut fest. Nach 30 Minuten sind wir am Strand, unsere ESPERANZA hat brav auf uns gewartet und Lars auf der ALEXANDRA ist auch wieder unter den Lebenden - alles gut; es war ein nettes, kleines Abenteuer - und jetzt freut sich vor allem Martina auf ein gutes Schläfchen."

Montag, 28. August 2017

RESTAURANTBESUCH DER ANDEREN ART

Florian

Beim Heimweg vom Back to my Roots Festival sind wir durch den Ort Megham spaziert, und beim Plaudern mit einigen Einheimischen haben wir erfahren, dass es hier ein Restaurant gibt. Also habe ich für Samstag einen Restaurantbesuch organisiert - das Restaurant sperrt auch nur auf Bestellung auf.


Am Samstag sind wir gemeinsam mit der Besatzung der TIME BANDIT, RANDEVAG und ALEXANDRA die zwei Kilometer zum Restaurant bei stömendem Regen spaziert. Dieses ist eine Hütte an einem Hang mit Blick in den Dschungel. In der Hütte gibt es zwei Tische, die für uns acht gerade perfekt sind.


Die Hausherrin trägt diverse Speisen auf und das Essen kostet pauschal 1000 Vatu pro Person. Und dafür gibt es: Fisch, Pizza, Huhn, Riesengurkenscheiben (Durchmesser so einer Scheibe 15 cm!), Taro, Reis und - FLEDERMAUS!!


Ich muss natürlich die Fledermaus kosten - die anderen verweigern. Es sind zwei Fledermäuse, die offenbar gekocht sind in einer Art Kokosnusssauce. Die graue Haut ist ein wenig schlatzig und ich ziehe sie ab. Das wenige Fleisch, das sich darunter verbirgt, schmeckt ein wenig nach Leber und nicht wirklich gut. Nach einigen Bissen reicht es mir. Ich werde sicherlich kein Freund von gekochten Fledermäusen. Ich frage den Hausherren, ob die Menschen hier gerne Fledermaus essen. Er meint, sie essen sie. Auf meine Nachfrage, ob sie sie gerne essen schweigt er und zeigt nur auf den Hund. Habe ich mir gedacht - geschmacklich gut ist so etwas wirklich nicht.

Noch am Heimweg ist mir ein wenig mulmig in der Magengegend. Aber mit zwei großen Schluck Rum aus der "Hausapotheke" kann ich meinen Magen überreden seinen Inhalt unten zu belassen.

Heute Sonntag verlegen wir uns zwei Meilen nach Südwesten vor den Ort Ranon. Von hier aus werden wir Montag/Dienstag den Vulkan besteigen. Wir spazieren durch den Ort und sehen einen Mann schnitzen. Er zeigt uns einige Statuen und fragt, ob wir tauschen wollen, er sucht ein Seil für seine Kuh. Ich hole von der ESPERANZA meine 16 m Vorschot, die ich zu kurz abgeschnitten habe. Wir werden aber nicht handelseins, da er für die einzige Statue, die mich interessiert das Seil und Geld will - dann eben nicht.

Martina hat allerdings in der Zwischenzeit von seiner Schwester eine Muschel und einen Bund Pak Choy geschenkt bekommen. Das geht dann auch wieder nicht. Also hole ich von Bord eine alte Festmacherleine und schenke sie dem Mann - jetzt sind alle happy, wenngleich Männer hier keine Emotionen zeigen und er das geschenkte Seil mit einem schlichten "Thank You" annimmt; nur seine Frau strahlt wie ein Christbaum.

Morgen gehts also hinauf auf den aktiven Vulkan Mount Marum zum Übernachten - bin schon neugierig...

Freitag, 25. August 2017

BACK TO MY ROOTS FESTIVAL

Martina

Die Zeit drängt und so legen wir nach unserem Einkauf um 14:30 in Port Villa ab uns segeln über Nacht Richtung Norden nach Ambryn. Eine gemütliche Strecke über 120 Seemeilen mit Wind aus 100° beschert mir eine weitere von Seekrankheit freie Überfahrt.

Planmäßig erreichen wir gegen 14 Uhr den Ankerplatz vor Nepul im NO von Ambryn, dieser ist als Ausgangspunkt für das Festival in einer Gehdistanz von 45 Minuten empfohlen. Es sind bereits 10 Schiffe hier, doch das Ankerfeld ist groß genug für uns alle. Kurz vor Sonnenuntergang informieren uns andere Segler, dass das Festival bereits gestern begonnen hat und in der Vorankündigung Uneinigkeit bezüglich des Datums herrscht. Der Dorfoberste hat angeblich kurzfristig beschlossen das Fest schon am Donnerstag statt am Freitag zu beginnen. Hier ticken die Uhren ganz offensichtlich ganz anders.

Wir treffen uns am nächsten Morgen um 8 Uhr mit einigen Segelern und marschieren durch einige kleine Dörfer, Hügel hinauf und Hügel hinunter, bis wir den Ort Olal erreichen. Zuerst verpassen wir den Weg, der zu dem Ort Fanla, in dem das Festival stattfindet, führt. Die Einheimischen lachen als wir wieder zurückkommen und weisen uns den richtigen Weg. Wegweiser gibt es hier keine.

Der Chief entschuldigt sich bei uns für die Uneinigkeit des Festbegins und versichert uns, dass sie wichtige Programmpunkte des ersten Tages auch heute zeigen werden. In diesem Moment ist uns klar, das ist kein Fest der Einheimischen, sondern eine Vorführung für Touristen. Nachdem es dann auch noch unangenehme Diskussionen bezüglich der Eintrittsgebühr gab, war die Stimmung angeschlagen. Ein Segler hat erzürnt das Fest verlassen. Zuerst wollten sie 9.000.- Vatu (ca.85US$)pro Person von uns, das ist aber die Eintrittsgebühr für alle 3 Tage. Wir bezahlen dann 4.500 für einen Tag und nachdem andere Segler nur 4.000.- bezahlen, fordern wir erfolgreich 1.000.- Vatu zurück.

Wir sehen drei verschiedene Männertänze. Die Männer stampfen mit den Beinen und singen dazu in spärlichster Bekleidung - Penisköcher und breiter Gürtel - fertig. Der erste Tanz soll verschiedene Tiere imitieren,


der zweite wird bei der Geburt eines männlichen Neugeborenen getanzt und der Dritte ist der "Rom Dance". Hierfür tragen einige der Männer Gesichtsmasken und bodenlange Bananenblätterumhänge.







Getanzt wird zu Rhythmen die auf "Tamtams" (Schlaghölzer in Statuenform) geschlagen werden. Es ist kaum eine Choreografie zu erkennen, ich würde es eher als eine in Trance versetzende spirituelle Handlung bezeichnen. Dieser Rom Dance wird nur zur Zeit der Yams- und Brotfruchternte getanzt. Die Masken die sie tragen werden normalerweise im Anschluss an diesen spirituellen Tanz verbrannt, damit die Geister, die sie möglicherweise gerufen haben, von ihnen ablassen. Jedenfalls ist diese Kultur für uns etwas völlig Unbekanntes und absolut Sehenswertes.


Ein weitere Programmpunkt sind die Sandzeichnungen. Sie werden aufgrund meiner Bitte auch heute gezeigt. Die Menschen auf Ambryn haben um die 100 verschiedene Symbole, die sie mit dem Finger in den Sand zeichnen und die ohne eine Unterbrechung der Linie von Anfang bis zum Ende gezogen werden. Sie zeichnen Symbole wie etwa die Brotfrucht, Feuer suchen und Feuer gefunden oder den Schmetterling.



Wir bekommen ein einfaches aber gutes Mittagessen und erwerben eine schöne handgeschnitzte Rom Statue und eine Vanuatu Flöte.

Am Ende des Festes erzählt der Ortschef, dass sie dieses Festival gegründet haben, damit ihre eigene Kultur weiter gepflegt wird und um Geld zu verdienen, da das Schulgeld für die Mittelschule so teuer ist, und sie ihren Kindern eine bessere Schulbildung ermöglichen wollen. Diesen Gedanken unterstützen wir gerne.

Mittwoch, 23. August 2017

KURZER AUFENTHALT

23.08.2017

Martina

Das Einklarierungsprozedere ist hier unproblematisch aber doch bürokratisch. Viele Zetteln müssen ausgefüllt werden, und natürlich wollen sie Geld von den Yachties. Insgesamt bezahlen wir 9800Vatu = ca. 90 Euro


Um 16 Uhr haben wir alles erledigt und wir machen uns auf die Suche nach einem netten Restaurant. Andere Segler haben das Thairestaurant "Kesorn´s" empfohlen, das etwas am Hügel am Rand des Stadtzentrums liegt. Nach 6 Tagen an Bord unsere Beine zu vertreten ist ganz in unserem Sinn. Wir marschieren gemütlich die Hauptstrasse entlang, dann eine Strasse hinauf und schon entdecken wir das Lokal. Leider hat ist das Restaurant erst um 17 h wieder geöffnet, aber im selben Haus gibt es einen thailändischen Massagesalon. Das kommt uns sehr gelegen, denn die Anspannung der Überfahrt sitzt uns sowieso noch in den Knochen. Wir entscheiden uns beide für eine 60 minütige Relaxmassage. Die Damen sind sehr freundlich, die Atmosphäre wirklich entspannend und die Massage ist ganz nach unserem Geschmack.


Etwas verdrückt gehen wir nach der Massage einige Stufen hinauf und nehmen an einem nett gedeckten Tisch mit Blick über unsere Ankerbucht platz.

Wir bestellen jeder eine Suppe im Schärfegrad mittel und ein grünes Curry im Schärfegrad mild. Nach dem ersten Löffel wissen wir, dass wir unser nächstes Thaiessen nur mehr mild bestellen. Ich esse eigentlich sehr gerne scharf, aber bei dieser Schärfe raubt es mir bei jedem Löffel den Atem. Der Geschmack ist wunderbar und wir genießen die milde Hauptspeise, die für uns weit entfernt von mild ist.

Auf unserem Weg zurück zum Schiff grüßen uns alle entgegenkommenden Menschen mit " good night". Florian findet das sehr interessant, denn in den USA würde das niemand sagen, außer man steht schon im Pyjama und ist auf dem Weg ins Bett.

Wiedereinmal eine andere Kultur und das ist doch das, wonach wir auf unserer Reise immer wieder suchen.

Heute morgen fahren wir noch rasch zum Markt und kaufen frisches Obst und Gemüse, denn wir verlassen Port Vila noch heute am Nachmittag.






Wir segeln über Nacht 120 sm zur Insel Ambryn, wo von Freitag bis Sonntag das " Back to my roots Festival" stattfindet.

Keine Ahnung, wann wir uns wieder melden können, denn ab jetzt ist es angeblich aus mit der Zivilisation.