Sonntag, 17. Juni 2018

DIE LETZTEN STUNDEN

15.6.-17.6.2018

Martina

Die letzten Tage und Stunden vergehen wie immer wie im Flug. Zuerst denkt man, man hat viel Zeit, aber wenn man viel Zeit hat, hat man auch viel vor.
Unsere Pläne bei Ankunft in Darwin waren, täglich bis zu Mittag an Bord zu arbeiten und dann die Umgebung zu erforschen.

Und so war es wirklich: jede freie Minute sitze ich und arbeite an der Diashow. Florian, schleift, streicht, Motorölwechsel, Dingi abdichten,  AIS reparieren, Sitzbank reparieren etc, etc.....



Vorher

Nachher
Am Donnerstag ist am Mindil Beach Night Market, und so raffen wir uns auf, lassen an Bord alles liegen und stehen und besuchen den Markt.


Ein buntes Treiben zwischen Kunst- und Fresstandeln beherrschen die Szene. Touristen vermischen sich mit Australiern und dazwischen immer wieder kleinere Gruppen von Aboriginals.
Besonders gefragt ist der Stand, der Tacos mit Krokodilfleisch verkauft. Imposant ist der große Räucherofen in dem 7 ganze Krokodile geräuchert werden sowie die Krokodilschädel, die zum Kauf eines Tacos verleiten.



Am Tag darauf machen wir eine 3 stündige Tour durch Downtown Darwin. Die Stadt ist von Wasser umgeben und dies versprüht ein angenehmes Urlaubsgefühl. Das Parlament und das Governerhouse belegen die schönsten Plätze der Stadt. Verkehrsstau kennt man hier nicht und gestresst scheint hier auch niemand zu sein.


Government House

Parlament von Northern Territory

Am Samstag 16.06. bei Sonnenaufgang läuft Florian beim Park Run (5 km), erstaunt mit seinen Laufschlapfen (Huaraches) und beeindruckt, als er als erster durchs Ziel geht  (jetzt wollen alle in Darwin solche Schlapfen) http://www.parkrun.com.au/darwin/results/latestresults/.

Danach verlegen wir unsere Esperanza auf den Privatsteg von Ingrid und Peter. Unsere Esperanza fühlt sich hier sehr wohl und sie bekommt hier eine sehr elitäre Betreuung durch die beiden.



Wir essen die letzten Reste vergangener Tage, packen unsere Taschen und in 2 Stunden sind wir auf dem Weg zum Flughafen.

WIEN WIR KOMMEN !!!

Mittwoch, 13. Juni 2018

LANGEWEILE

09.-13.06.2018

Florian

Eigentlich hätten wir uns ja Langeweile verdient. Aber wenn man mit Ameisen im Hintern geboren wurde, dann kann man einfach nicht still sitzen. Und außerdem ist NACH der Überfahrt VOR der Überfahrt.

Uns wird also nicht langweilig. Am Sonntag gings ins Deckchair Cinema (Liegestuhl-Kino), wo wir australische Filmkost ("Breath" - ein Surferfilm) genießen durften. Das Freiluftkino liegt in sehr nettem Ambiente, an der Küste direkt unter dem Parlament in einem tropischen Garten.



Martina werkt an unserem Lichtbildvortrag für den 19. Juli - das wird was ganz besonderes!
Wir machen Großeinkauf der nicht-verderblichen Sachen für Indonesien.


Ich habe mittlerweile unsere Bordbatterien erneuert (die alten Trojan T105 haben uns gute Dienste geleistet sind aber auch schon 5 Jahre alt). Wir haben nun Delkor 4 x 6V, 232 Amp -also 12 V 464 Amp. als Hausbatterien (Deep Cycle). Die sollten uns gut nach Hause bringen.



Durch das an Land schleifen des Dingi war der Kiel abgeschliffen - also neu laminiert und gestrichen und ebenso unsere Plicht, damit sie wieder repräsentativ ist (immerhin haben wir Österreicher ja bald EU Vorsitz).



Und schließlich bin ich unter die Bierbrauer gegangen und habe Root Beer angesetzt. Man muss sich ja schließlich um die Notversorgung kümmern.


Unsere ESPERANZA dürfen wir während unseres Heimaturlaubs an einem Privatsteg von Freuden von Freunden von Freunden lassen - dort ist sie gut aufgehoben und bewacht und wir sparen uns auch noch ein wenig Geld. Es geht uns also gut und wir freuen uns bereits auf unsere Lieben zu Hause!!

Sonntag, 10. Juni 2018

DIE LETZTEN MEILEN

Martina

8.6.2018

Wir stellen unsere Uhren um eine halbe Stunde zurück, denn in Northern Territory ist die Zeitzone UTC + 9:30 Stunde.
Florian möchte noch in der Fanny Bay Diesel auftanken und so fahren wir bei derzeitigem Tidenstand von mehr als 3 Meter über Niedrigwasser bis zur Tankstelle. Es ist ein eigenartiges Gefühl in der Seekarte 0,1 Meter Wassertiefe zu lesen, und den Kurs über diese Tiefen in die Einfahrt der Tankstelle anzulegen. Alles gut, wir haben nie weniger als 4 Meter auf unserem Tiefenmesser stehen.


Die letzten 8 Meilen bis zur Tipperary Waters Marina, wo wir uns schon vor Wochen einen Liegeplatz reserviert haben, führen uns rund um Darwin in eine große Bucht.


Hier ist es ebenfalls teilweise sehr seicht, aber es gibt eine gut betonnte Fahrwasserrinne durch die Mangroven. Blöd ist aber, dass viele Fischer- und Segelboote kreuz und quer in diesem Fahrwasser ankern. Es ist ein Slalomkurs zwischen Mangroven, Schiffen an Bojen und Moorings.


Durch die extremen und bis zu 8 Meter hohen Tidenunterschiede haben alle Marinas eine Schleuse. Dani, die Schleusenmeisterin der Tipperary Waters Marina hat uns auf Grund unseres Tiefganges einen Schleusentermin um 12 Uhr gegeben.

Wir sind pünktlich und sie wartet schon mit offenen Schleusentoren auf uns. Florian steuert langsam und präzise in die enge Schleusenbox. Das Schleusentor geht zu, wir werden ca. 2 Meter hinauf geschleust und dann gleiten wir in die entzückende Minimarina. Umgeben von Privathäusern mit eigenem Anleger befindet sich in der Mitte ein Schwimmsteg für externe Schiffe.


Wir machen unsere Esperanza fest und somit haben wir wirklich unser 5. Segeljahr abgeschlossen.
Schön langsam stellt sich auch das Gefühl der Erleichterung ein und wir lassen das letzte Jahr Revue passieren. Mit Sushi und Sashimi genießen wir einen wunderschönen, glücklichen und entspannten Abend.


Freitag, 8. Juni 2018

VERSÖHNUNG

07.06.2018

Florian

Bei Sonnenuntergang passieren wir New Year Island.


Am Morgen wird der Wind schwach und dreht zu sehr nach Ost, sodass wir vor dem Wind abkreuzen müssen. Von der Cobourg Halbinsel bläst wieder Rauch in unsere Nasen - es duftet weihnachtlich (und kalt ist es auch).

Wir genießen bei angenehmen Segelbedingungen unsere Tunfischsteaks, aber den passenden Weißwein lassen wir weg.


Zu Sonnenaufgang gibts einen ordentlichen Squall, 15 bis 20 Knoten pfeifen uns um die Ohren. Nur hört der Wind dann nicht mehr auf. Um 09:00 Uhr (3,5 Stunden VOR Darwin Hochwasser - Segelführer empfiehlt 5 Stunden VOR Darwin Hochwasser) sind wir bei Cape Don und unsere Geschwindigkeit legt mit der Strömung auf bis zu 10 Knoten zu.
Der Van Diemen Golf empfängt uns mit weiterhin gutem Wind und so zischen wir mit 8 bis 10 Knoten unter Vollzeug Richtung Südwest und machen Zeit gut. Ich wähle die direkte Route  - Cape Don zu Wegpunkt 11°49,419 S 131°25,585 O - und zurück auf die Schifffahrtsspur - und die Rechnung geht voll auf! Wer wagt gewinnt!!
Der scheinbare Wind fällt nie unter 15 Knoten - bis wir den Wegpunkt passiert haben. Dann schläft der Wind ein und ich starte um 15:00 Uhr die "Eiserne Genua". Um 17:30 Uhr (5 Stunden NACH Darwin Hochwasser) sind wir in der Einfahrt zu den Vernon Islands. Eigentlich sollten wir 2,5 Knoten mit uns haben, doch leider "schiebt" uns maximal 1 Knoten (wenn überhaupt). Bei Sonnenuntergang haben wir die Inseln passiert.



Der "berüchtigte" Van Diemen Golf liegt hinter uns - wieso berüchtigt ist mir nicht klar geworden. Wir motoren in die Nacht und mit der Flut weiter Richtung Darwin, das bereits am Nachthimmel leuchtet. Die einlaufende Flut ist strömungstechnisch nur mit etwa 1/2 Knoten zu bemerken - aber "einem g´schenkten Hund schaut man nicht in Mund" - man nimmt, was man kriegen kann. Die Einfahrt nach Darwin ist spannend, da auf der Seekarte vielfach Wassertiefen von lediglich 1-2 Meter aufscheinen - tatsächlich hat es laut Tiefenmesser zumindest 7 Meter - Darwin hat eine Tide von bis zu 6 Meter!
Um 23:30 Uhr bei Windstille fällt in der Fannie Bay der Anker und wir einander in die Arme. Wir haben es geschafft - Darwin wir sind da!! 415 sm seit den Wessel Islands. Ein versöhnlicher Abschluss unserer 2029 sm langen Odyssee von Bundaberg nach Darwin.

PS: Fotos der letzten Blogeinträge sind soeben nachgetragen!

Mittwoch, 6. Juni 2018

WEST, WEST, WEST

05./06.06.2018

Florian

Um 06:15 Uhr noch vor Sonnenaufgang gehen wir Anker auf. Der Wind ist südlicher und statt wieder herumzukämpfen zwischen Vorwind und Raumschot gehen wir auf Raumschot. Dadurch segeln wir zwar zu weit südlich, aber dafür rollen wir nicht sehr. Und wir sind schnell; mit 6-7 Knoten gehts nach west-süd-west. Jetzt purzeln die Längengrade. Kurz nach dem Abendessen schlägt die Angel an und ich ziehe einen kleinen (2kg) Tunfisch aus dem Wasser - Sashimi zum Dessert!


Die ganze Nacht bleiben wir auf Raumschot und kommen so relativ nahe an die Südküste der Arafurasee - das Northern Territory - an Land gehen verboten! Hier ist Aboriginal Land und man darf dieses nur mit einer besonderen Genehmigung betreten. Wir riechen süßlichen Rauch von Braunkohle. Es ist recht kühl - wahrscheinlich unter 25°C - und so wird scheinbar mit Braunkohle geheizt. So geht es durch die Nacht. Nach 24 Stunden haben wir bereits 163 sm zurückgelegt. Mit Sonnenaufgang um 7:00 Uhr bauen wir die Segel um. Nun gehts wieder Butterfly Vorwind nach west-nord-west und das Wackeln beginnt wieder.
Aber zum Glück sollte es nicht allzu lange dauern, denn vor Sonnenuntergang sollten wir noch New Years Island passieren, und dann gehts durch die Nacht um die Cobourg Halbinsel zum Cape Don.


Von dort durch den Van Dieman Golf zu den Vernon Inseln herrschen starke Strömungen. Laut örtlichem Segelführer soll man 5 Stunden vor Darwin-Hochwasser Cape Don passieren (das wäre Morgen Donnerstag um 07:22 Uhr), dann mit 8 Knoten den Van Diemen Golf durchqueren, damit man rechtzeitig bei den ca. 60 sm entfernten Vernon Islands ist. Dort hat es bis zu 4 Knoten Strömung - je nach Tide; also unpassierbar wenn auf die Nase. Das ist das "Einfahrtstor" nach Darwin. Und bis dorthin gehts dann mit einlaufender Flut. Klingt eigentlich eh einfach...

Dienstag, 5. Juni 2018

BOXENSTOP

04.06.2018

Florian

Unser Ankerplatz ist perfekt, trotz Wind kein Schwell. Wir genießen eine ruhige Nacht und schlafen uns prächtig aus. Heute gibt es einige Wartungsarbeiten anläßlich unseres Boxenstops. Ich repariere den Spinnakerbaum. Der ist zwar nun ein wenig kürzer, aber für die Fock ist er eh noch immer zu lang.


Bei einer Relingstütze sind die Befestigungsschrauben abgerissen, ich schätze es hat sich eine Leine der Genua darin verhängt. Auch das ist bald repariert. Manchmal werde ich gefragt, ob das normal ist, dass bei uns so viel zu reparieren ist. Auf dem supermodernen Katamaran TIGRESS hat sich bei der Überfahrt die Spinnakerschot verhängt, sodass Florrie in den Mast musste, um die Leine abzuschneiden. Heute muss er wieder im Mast herumturnen, um eine neue Leine einzufädeln. Sie sind gezeichnet von der Überfahrt, verzichten bis Darwin auf weitere Nachtfahrten und hanteln sich ab hier die Küste entlang. Auf den modernen Schiffen wird noch mehr kaputt als bei uns, denn die ESPEANZA hat keinen unnötigen Schnick-Schnack und das was sie hat, ist sehr robust gebaut. Ich wundere mich bei Formel I Rennen auch immer, dass dauern etwas kaputt wird. Wahrscheinlich haben die auch schlechte Mechaniker und billige Gerätschaften. Wer einmal die Belastungen erlebt hat, die bei einer Überfahrt auf die ESPERANZA einwirken (zB Relingstütze), der wird sich wundern, dass nicht mehr kaputt geht.

Zu Mittag sind wir wieder tip-top in Ordnung für unsere nächste Etappe und gehen den Strand erkunden.



Martina hofft auf tolle Muscheln, wird aber enttäuscht. Nur weil eine Insel entlegen liegt, muss es dort noch lange nicht tolle Muscheln geben. Allerdings ist der Strandspaziergang dennoch nicht langweilig. Wir sehen einige Krokodilspuren im Sand - das schafft schon eine besondere Atmosphäre.



Morgen gehts weiter 300 sm bis Cape Don. Dort erwarten uns besondere Strömungsspiele - wir sind schon gespannt!

Sonntag, 3. Juni 2018

WETTKAMPF

02./03.06.2018

Florian

So leicht wird nicht aufgegeben. Ab Martinas Wache dreht der Wind wieder auf und wir kommen gut weiter. Bei Sonnenaufgang gehen wir Butterfly, um Tempo zu machen - und das machen wir dann auch. Bis zu Mittag haben wir aufgeholt und verzeichnen ein Etmal (also 24 Stunden von 12:00 Uhr bis 12:00 Uhr) von 144 sm. Die Chance lebt!

Unser neues Problem ist allerdings, dass der Wind weiter nach Süd dreht - zu viel für Butterfly, zu wenig für Raumschot - das kennen wir ja von unseren Windhexen. So fahren wir also zick-zack unsere Kurslinie entlang. Die zweite Nacht gehen wir auf Raumschot mit Vollzeug (alles oben, was wir haben - sogar meine Unterhosen). Auf diesem Kurs machen wir zwar zu viel Süd, aber dafür geht es angenehm ruhig durch die Nacht, da die ESPERANZA so nicht rollt.

Wir schlafen gut und am Morgen baue ich wieder auf Butterfly um. Das zweite Etmal beträgt 147 sm - schaut gut aus! Gegen 13:00 Uhr sind wir so weit nördlich, dass wir wieder auf Raumschot gehen können und die letzte Strecke bis zum Cape Wessel - auch durch die ruppige See - gut vorankommen. Um 16:00 Uhr umrunden wir Cape Wessel und sind damit im Wellenschatten der Insel - angenehm!



Um 17:00 Uhr nach exakt 350 sm fällt der Anker in der Two Island Bay (11°04,525´S 136°43,788´O). Der super schnelle Katamaran TIGRESS (Shonning 43) mit Florrie und Sue, der gleichzeitig mit uns aufgebrochen ist, ist schon da. Sie sind um 14:30 Uhr angekommen, nur 2:1/2 Stunden schneller und wundern sich entsprechend, dass wir auch schon hier sind. Die ESPERANZA hat wieder einmal gezeigt, was in ihr steckt!

Samstag, 2. Juni 2018

KALT - WARM

1.6.2018

Florian

Mit Sonnenaufgang um 06:30 Uhr gehen wir Anker auf. Es liegen 340 Seemeilen bis zu den Wessel Islands vor uns, wo wir - quasi auf halbem Weg nach Darwin - einen Zwischenstop einlegen wollen. Wir hoffen bis Sonntag dort zu sein. Wind ist gut angesagt.


Leider nur angesagt, denn als wir in die Endeavour Straße einbiegen ist wenig bis kein Wind. So motoren wir ein Stück, bis endlich ein Lüftchen aufkommt. Mit etwa 4 Knoten schieben wir uns nach Westen, dafür ist wenig Welle - noch. 30 Meilen später ist die Endeavour Straße zu Ende und die Wassertiefe fällt von 5-10 m auf 20-30 m ab. Die Arafura See ist seicht; bis Darwin ist das Wasser nie tiefer als 60 m. Vielleicht ist das der Grund für die ungemütlichen Wellen. Es haut uns ordentlich hin und her.


Wir segeln Butterfly, doch der Wind kommt unangenehm aus 120° BB, sodass die an BB gesetzte Genua oft einfällt. Und dann ein Aufschrei von Martina:"Spinnakerbaum bei der Genua gebrochen!" Nicht schon wieder! Es ist mir noch immer ein Rätsel, wie das passieren kann.

Bei "Hochschaubahnbedingungen" säge ich den Baum ab und verkürze ihn um ca. 1 m. So gehts einige Zeit weiter, bis der Wind noch mehr nach Süden dreht. Also alles abbauen und nur die Genua auf Steuerbord. So geht es langsam in die Nacht. Bei diesem Tempo schaffen wir Sonntag sicherlich nicht. Derzeit bekommen wir es wieder einmal kalt - warm ab! Durchhalten (wir haben eh keine Alternative)!

Donnerstag, 31. Mai 2018

PAZIFIK ADÈE

30.05.2018

Florian

Vorweg einige technische Hinweise für Segler, die ebenfalls vor dem Cape York im Escape River übernachten wollen:
Mit Flut einfahren, Wegpunkte: 10°57,922´S 142°44,917´E - 10°57,407´S 142°43,419´E - 10°57,649´S 142°42,272´E - 10°57,695´S 142°41,395´E - 10°57,695´S 142°41,204´E - 10°57,829´S 142°40,856´E; Ankerplatz: 10°57,980´S 142°40,822´E; die Tidenstation auf Navionics bei Turtle Head Island verwenden; bei Niedrigwasser ausfahren sonst gibts ordentlich Strömung auf die Nase - Gutes Gelingen!

Mit dem Passieren des Cape York haben wir den Pazifik hinter uns gelassen. Am 21. Februar 2016 sind wir unter der Bridge of the Americas in der Panamakanalausfahrt in diesen eingefahren und haben darin mehr als 13.000 Seemeilen zurückgelegt. Jetzt sind wir also in der Arafurasee.


Seisia ist verschlafen und endlich gibt es Aboriginals und Torres Strait Indians. Dadurch ist alles auch ein wenig verschlafen (um nicht zu sagen chaotisch) -  quasi Inselatmosphäre. Auf einem Plakat lesen wir von einem Festival im Nachbarort im Rahmen der National Reconciliation Week - also die nationale Versöhnungswoche, um die Ureinwohner mit der weißen Bevölkerung Australiens auszusöhnen. Obzwar überall plakatiert, weiß man davon im örtlichen Zentrum für Aboriginals nichts.


Erst nach einigem Nachforschen erfahren wir Details. Der Bus zum Festival ist über eine Stunde zu spät; das Festival beginnt mit knapp 2 Stunden Verspätung endet dafür eine Stunde früher und die diversen Hilfsorganisationen von Rotes Kreuz abwärts, steigen sich dabei "auf die Zehen".





Aber wir bekommen einen kleinen Eindruck vom Leben der Ureinwohner in dieser Gegend. Nach der Festansprache über die rechtliche Situation und diesbezügliche Fortschritte für die Aboriginals gibt es Musik und Tanz und anschließend ein hervorragendes Buffetmittagessen mit örtlichen Spezialitäten wie in Schweineblut gebratenes Schweinefleisch.



Ich bekomme auch Gelegenheit grüne Ameisen zu kosten. Man saugt ihren Hinterleib aus und sie schmecken nach ganz saurer Zitrone mit Pfefferminz - richtiges Bush Tucker (das ist australisch für Essen der Wildnis).

Mittwoch, 30. Mai 2018

KAP YORK

29.5.2018

Martina

Gestern haben wir unser erstes großes Salzwasserkrokodil gesichtet. Es ist einige Stunden regungslos auf einer Sandbank gelegen. Angeblich sind sie sehr faul und warten bis das Wasser wieder gestiegen ist, um wieder weiter zu schwimmen.


Die Wettervorhersage hat sich seit Tagen nicht geändert. Heute Dienstag ist der perfekte Tag, um den nördlichsten Punkt des Australischen Kontinents zu passieren. Wir sind bereit!

Der Wecker ist für  6 Uhr in der Früh gestellt, doch ich bin schon um 5:15 Uhr wach. Ich mache Tee und Kaffee und so wird Florian auch schön langsam aus den Träumen geholt. Nachdem die Einfahrt in den Fluss gestern holprig war, bin ich schon etwas angespannt wie die Ausfahrt wird. Laut Segelführer muss man bei beginnender Flut den Escape River verlassen um eine gute Passage aus dem Fluss zu haben.

Florian hat sich punkto bester Zeit zum Auslaufen von Florri, Australier vom Katamaran TIGRESS,  beeinflussen lassen. Laut ihm ist um 6:30 Uhr Niedrigwasser, weswegen wir eben auch um 6:30 Uhr an der Ausfahrt sein wollen. Leider ist die Information falsch und wir sind eine gute Stunde zu spät bei der Ausfahrt des breiten Escape Rivers. Die Welle ist zwar viel besser als gestern bei der Einfahrt, aber wir haben eine beachtliche Gegenströmung. Der Wind bläst uns noch dazu mit 18 Knoten genau auf die Nase und die Wellen haben wir natürlich auch genau von vorne.
Die Wassertiefe zeigt auf der Karte teilweise nur 2 Meter, und so wollen wir natürlich unserer Spur von der Einfahrt auch genau bei der Ausfahrt nehmen. Es bleibt kein Spielraum, um nach rechts oder links zu steuern und mit Segelunterstützung besser aus dem Fluss zu kommen.
Wir sind in den Krallen der Gegenströmung gefangen und es gibt nur 2 Möglichkeiten, entweder umdrehen oder weiter kämpfen. Florian verfolgt aufmerksam unsere Einfahrstsspur und ich beobachte den Tiefenmesser und den Plotter.

Unsere Nerven werden einer harten Prüfung unterzogen, denn die Esperanza wird immer immer langsamer, je näher wir der Flussausfahrt kommen. Wir fahren nur noch 0,5 Knoten und die Strömung wird immer stärker. Florian gibt mehr Gas und wir werden wieder etwas schneller. Etwas erleichtert sehen wir wieder einen Einser vor der Kommastelle unserer Geschwindigkeit. Die Freude dauert nur kurz, denn jetzt sehe ich 0,2 Knoten am Plotter aber die fahren wir in die falsche Richtung. Das bedeutet die Strömung ist stärker als unser Motor. Ich fange bereits am ganzen Körper zu zucken an, und erstmals in meinem Leben vibriert meine Oberlippe und ich kann sie nicht kontrollieren vor lauter Anspannung. Meine Augen hängen wir gebannt am Plotter und ich bete zu Gott, dass er uns da raus bringt, denn morgen soll es ums Kap wieder richtig pfeifen. Wir müssen da jetzt raus! Florian ist auch schon ganz verzweifelt und gibt jetzt Vollgas, unsere letzte Chance. Wir haben zwar nur noch eine halbe Seemeile über die seichteste Stelle, bis wir abdrehen und Segel setzen können, aber die werden zu einer Nervenzerreissprobe.
Meter für Meter kämpfen und springen wir über die kurze Welle. Florian ärgert sich, dass er sich von Florrie punkto beste Ausfahrtszeit beeinflussen ließ, aber das hilft im Moment auch nicht weiter. Solange wir mehr nach vor als zurück fahren kämpfen wir weiter. Schön langsam erreichen wir unter Vollgas eine Geschwindigkeit über einen Knoten und dann zwei Knoten. Jetzt noch die letzte seichte Stelle passieren und dann nichts wir weg hier.
Nach einer Stunde, statt 10 Minuten, haben wir wieder 5 Meter Wasser auf dem Tiefenmesser und wir können unseren Kurs Richtung Cape York anlegen und Segel setzten. Da wir ja genug Wind haben segeln wir rasch mit 6 Knoten Richtung Albany Passage. Wir haben es geschafft, aber das kostet mich weitere 10 Kerzen in der Kirche, wenn wir in Darwin angekommen sind. Ich bin fertig!!



Jetzt heißt es den Wind gut zu nützen, weil wir bei Flut auch noch ums Kap herum müssen, denn sonst haben wir die Strömung am Kap gegen uns, und davon haben wir heute wirklich genug.

Dann sind wir bei der Albany Passage. Kurz nach der Einfahrt hört die Welle auf, und der Strom setzt ein. Zuerst fahren wir 6 Knoten und dann werden wir immer schneller. Wir haben nur noch wenig Druck im Segel weil wir durch die Strömung so stark geschoben werden. Florian ist begeistert, denn wir erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 10,1 Knoten. Es ist herrlich, das hätten wir gerne länger.
Wir gleiten wie auf Schienen am Kap York vorbei und dann biegen wir nach Westen in die Torres Straße ab.


Wir sollten noch über 2 Stunden die Strömung mit uns haben und das sollte bis zur Ankunft in Seisia reichen. Mit super Strömung und hart am Wind segeln wir mit bis zu 10,4 Knoten bis zur seichten aber gut betonnten Einfahrt von Seisia. Erstaunlicherweise sind wir die ganze Zeit mit der Flut gesegelt, aber in der Tidentabelle von Seisia gibt es heute tagsüber gar keine Flut. Die Strömungen in der Torres Straße sind schon höchst verwunderlich. So fahren wir bei Niedrigwasser in den Einfahrtskanal und der Tiefenmesser zeigt uns Tiefen von 2,9 Meter an. Das stimmt mit der Seekarte und dem Plotter überein und so sind wir halbwegs entspannt. Unser Anker fällt auf 5 Meter Wassertiefe und jetzt ist endlich Zeit uns in die Arme zu fallen. Was für ein Tag!!!



Unerwarteter Weise gibt es hier einen ganz gut bestückten Supermarkt. So kann ich frisches Obst und Gemüse für unsere letzten Tage bis nach Darwin einkaufen. Wir hatten nur noch 4 Karotten, ein halbes Kraut und eine Christophine. Jetzt steht einer gesunden Weiterfahrt nur noch der kommende stärkere Wind im Weg. Wir sind wieder gezwungen zu warten.