Montag, 21. Mai 2018

EINGESCHNEIT

Der Wind pfeift uns noch immer um die Ohren mit bis zu 30 Knoten. Jetzt sitzen wir bald eine Woche hier fest - so muss das sein, wenn man bei uns in den Alpen eingschneit ist. Da hilft gar nichts, das muss man aussitzen. Blöd nur, dass die Winde hier höchst hartnäckig sind.

Am Sonntag reisst der Himmel auf und der Wind scheint ein wenig nachzulassen. Schnell lassen wir das Dingi ins Wasser und fahren gegen die Welle ans Land. Endlich wieder festen Boden unter den Füßen und ein wenig Bewegen - das tut schon gut. Von eine Anhöhe überblicken wir die Bucht und die Riffe und erkennen, dass wir näher am Ufer ankern können.

Gesagt getan - wir gehen Anker auf und verlegen uns ca. 200 Meter näher ans Ufer; dort fällt der Anker auf 4 Meter in den Sand und wir stecken wieder 55 Meter Kette. Hier ist es wesentlich ruhiger und das Schlechtwetter läßt sich angenehmer abwarten. Laut Wettervorhersage wird es noch einige Zeit anhalten!

Freitag, 18. Mai 2018

BITTE WARTEN

Martina

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind! Eher ist er ein ausgewachsener Stier, denn manchmal brechen ganz bösartige Böen über unsere Ankerbucht herein. Das Geräusch des am Rumpf entlang fließenden Wassers, die leichte Schräglage der schlingernden Esperanza in den Windböen, und der Blick aus den Luken mit einer an uns vorbeiziehenden Landschaft läßt den EIndruck entstehen, als ob wir segeln. Ich muss nur lange genug hinausschauen, dann sehe ich beruhigt, dass es immer wieder die gleichen Felsformationen sind, die vorbeiziehen. Also offenbar ankern wir doch!!

Weiße Regenwände ziehen immer wieder über uns hinweg, und unser Deck ist somit wieder salzfrei. Schön langsam gewöhnen wir uns auch an die wilden Windgeräusche und finden in der 4.Nacht einen erholsameren Schlaf. Heute zeigt sich auch die Sonne wieder etwas länger, und so werden auch unsere Batterien durch die Solarpaneelen wieder aufgeladen.

Die Insel haben wir bis jetzt auch noch nicht erkundet, denn das Dingi ins Wasser zu lassen und dann in den Wellen den Dingimotor zu montieren haben wir noch nicht gewagt. Mit meinen Fingern bin ich auch nur beschränkt einsatzfähig.

Apropos Finger: die Wunden an den beiden Fingern sind bereits trocken und heilen schön langsam. Die Delle an der Stirn ist viel kleiner geworden, aber die Wunde näßt noch. Mein Ringfinger schmerzt noch sehr und ich kann das vorderste Gelenk noch nicht bewegen. Da muss noch viel Wasser die Donau hinunter rinnen, würde meine Mama sagen, bis das verheilt ist!

Sonst ist nicht viel zu berichten, wir versuchen den Zwangsstopp zu genießen und verbringen viel Zeit mit Lesen, Tratschen, Spielen und Diashow arbeiten. Abwarten und Tee trinken.

Mittwoch, 16. Mai 2018

WARTEN

Florian

In einem Monat fliegend wir auf Heimaturlaub - hoffentlich! Denn derzeit hat uns der Wind auf Lizzard Island festgenagelt. Es pfeift gehörig. Meine Taktik lautet: "Sobald die Windvorhersage keine 30 Knoten mehr enthält, zeitig am Morgen (denn da ist der Wind immer geringer) weiter in kurzen Etappen bis hinters Cape Flatttery zu den Flinders Islands. Dort in Landnähe sollte der Wind schwächer sein. Das Wetter in Ostaustralien ist schon interessant. Am Wasser pfeifts und am Land ist nichts - die thermischen Einflüsse sind schon enorm.

Dafür haben wir Zeit, um an unserem diesjährigen Vortrag ("Unser 5. Jahr von Fidji bis Australien") zu arbeiten, den wir am 19. Juli in der Wohnparkkirche von Alt Erlaa, Anton Baumgartnerstraße 44, 1230 Wien halten werden. Dort ist sicherlich Platz für alle! Also vormerken!

Martinas Wunden heilen zum Glück ganz gut, nur das vorderste Gelenk ihres linken Ringfingers ist noch steif, das braucht offenbar länger. Wir sind aber eh noch einige Tage gefangen hier. Bitte Daumen halten, dass der Wind uns gnädig ist und uns bald weitersegeln läßt.

Dienstag, 15. Mai 2018

GUT GETROFFEN

Martina

Es ist nach wie vor viel Wind angesagt. Florian versichert mir immer, dass wir ja reffen können (Segelfläche verkleinern) und je weiter wir nördlich kommen das Barrier Reef so nahe ist, dass wir kaum mehr Welle haben sollten. Mit dieser beruhigenden Aussicht verlassen wir Cooktown bei Sonnenaufgang.

Mit der Genua und sicherheitshalber mit laufendem Motor segeln wir den engen Einfahrtskanal von Cooktown hinaus.  Rechts und links von uns hat es gerade einmal 50 cm Wassertiefe, also ein Fahrfehler ist nicht erlaubt.

Kaum haben wir die Fahrwasserstrasse hinter uns gebracht, pfeifft uns der Wind mit 20 Knoten um die Ohren. Die Welle baut sich rasch auf und schon reiten wir, wider Florians Vorahnung, über die Wellen. Ich habe wirklich wenig Lust stundenlang so sportlich zu segeln, aber es gibt kein zurück mehr. Unserer Esperanza ist der Wind egal, sie pflügt sich unbeeindruckt über die Wellen, aber ich bin kein Fan von solchen Bedingungen. Ich verwünsche in dem Moment unseren Reiseplan, der uns wenig zeitlichen Spielraum bis Darwin läßt.

Wir schließen die Türen der Esperanza, da immer wieder heftige Wellen ins Cockpit einsteigen. Florian refft zwar brav, aber wir flitzen mit bis zu 8 Knoten unserem Tagesziel Lizzard Island entgegen.

Manchmal nimmt eine Welle so richtig Anlauf, ballt sich zu einer Faust zusammen und  knallt unserer Esperanza voll auf die Breitseite. Das kennen wir schon vom Atlantik, aber mit wenig Welle innerhalb des Barrier Reefs hat das wenig zu tun.

Die nächste Welle trifft uns dann so heftig, dass unsere unachtsam stehen gelassene Tikistatue ihren Platz verläßt. Sie befreit sich aus ihrem Eck, rammt das Glas unserer Petroleumlampe und fliegt mit all den Scherben quer durchs Schiff. Blöd ist nur, dass ich am Landeplatz der Scherben und der ca.5 Kilo schweren Statue liege. Ich schreie zwei mal auf und dann ist es auch schon geschehen. Blut fließt über mein Gesicht, mein Kopf schmerzt und meine Finger der linken Hand schmerzen, denn auch hier fließt Blut. Ich liege in Scherben, darf mich nicht rühren und bin auf Florians Hilfe angewiesen.

Rasch presse ich mir die gereichte Küchenrolle auf meine Wunden, Florian vergewissert sich noch schnell, ob wir auf Kurs sind, und dann werde ich verarztet. Ein Druckverband auf die Platzwunde an der linken Stirn und noch rasch die blutenden Finger verarzten. Mehr ist im Moment nicht möglich, zu wild ist unsere Fahrt. Nach etwa 2 Stunden können wir einen besseren Kurs anlegen und jetzt ist Zeit für eine genauere Betrachtung meiner Wunden.

Die Beule am Kopf ist interessant, denn quer durch die Beule ist eine lange Delle die ich wahrscheinlich vom Sockel unserer Holzstatue bekommen habe. Die offene Wunde ist relativ klein und es reicht ein weiterer Druckverband, um die Blutung zu stillen.

Mein Mittelfinger und Ringfinger der linken Hand schauen etwas wilder aus. Platzwunden klaffen auseinander und sie bereiten mir auch heftige Schmerzen. Der Aufprall dürfte mir die beiden Finger noch dazu ordentlich gequetscht haben. Ich kann sie zwar bewegen, aber es tut ganz schön weh. Wir versuchen die beiden klaffenden Wunden mit Steristrips zusammenzukleben, denn da schaut schon einiges aus der Wunde raus, das eigentlich hinein gehört.

Mit reichlich Wind und Welle geht es bis zu unserem Ankerplatz in der Mrs. Watsons Bay auf Lizzard Island. Der Wind pfeift über die Bucht, aber es gibt hier keinen Schwell und so ankern wir auf 5 Meter Wassertiefe mit 60 Meter Ankerkette. Das sollte für dieses Wetter reichen. Über Nacht stellen wir sicherheitshalber einen Ankeralarm, denn der heutige Tag verlangt nach einem guten und sicheren Schlaf.

Montag, 14. Mai 2018

SPORTLICH NACH COOKTOWN

14.05.2018

Florian

Bei Tagesanbruch gehts los, denn der Wind am Morgen ist noch nicht so stark; die Thermik des Australischen Kontinents macht doch einiges aus. So kommt der Wind am Morgen von Südwest und dreht bis nachmittags auf Südost bis Ost und legt am Nachmittag kräftig an Stärke zu.


So auch heute. Butterfly pflügt die ESPERANZA mit 6-7 Knoten nach Norden.

Gegenverkehr


Bereits um 13:00 Uhr sind wir bei unserem geplanten Ankerplatz, Hope Island. Also entscheiden wir den guten Wind zu nützen und gleich bis Cooktown weiterzusegeln. Mit 7-8 Knoten gehts weiter und ich fange an zu reffen, denn der Wind wird immer stärker; zuletzt sind wir bis zu 8 Knoten schnell und der scheinbare Wind am Windmesser zeigt 20 Knoten - also in Summe 28 Knoten. Die angesagten 30 Knoten Wind sind also korrekt. Es ist sportliches Segeln, da darf man keinen Fehler machen, sonst gibts Verletzungen.


Dann gehts nach 60 Seemeilen hinein nach Cooktown, die ehemalige Goldgräberstadt. der Ankerplatz ist winzig und mit 2-3 m Wassertiefe gefährlich seicht. Zum Glück dürfen wir gegen Gebühr an der Tankstelle längseits fest machen - da liegen wir wunderbar ruhig und sicher und können auch noch Cooktown per pedes besichtigen. Das ist nun wirklich die allerletzte Ortschaft bis Darwin.

Kollegen vom Riff
Cooktown - Ein Dorf

In einem kleinen Restaurant bekomme ich auch noch eine Mudcrab-Pizza.

Mudcrab
Martinas Sitznachbar - Green Tree Frog (der ist echt)

Mudcrab Pizza

ESPERANZA liegt sicher an der Tankstelle
 Die Welt ist in Ordnung!

Sonntag, 13. Mai 2018

WIND WIND WIND

13.5.2018

Martina

Schluss ist der Luxus eines Stadtlebens, bis Darwin keine angenehme Massage oder Restaurantbesuch mehr. Proviant für die nächsten 4 Wochen haben wir an Bord geschleppt und so sind wir bereit für die nächsten Abenteuer im Great Barrier Reef, Cape York, Golf von Carpentaria und dann Darwin.

Um 7:30 Uhr verlassen wir die Marlin Marina von Cairns und folgen unserem Pilotboot, um sicher aus dem Einfahrtskanal zu kommen. Man gönnt sich ja sonst nichts ;-))


Schon im Hafenbecken ist der Südostwind deutlich zu verspüren. Die Windvorhersage verspricht uns für die nächsten 10 Tage viel Wind. Ab einer Wassertiefe von 4 Metern verlassen wir den Einfahrtskanal und gehen auf Kurs Low Island. Es liegen 38 Seemeilen bis zum nächsten Ankerplatz vor uns.


Wind und Wetter sind wie versprochen und bescheren uns eine schnelle und schaukelige Überfahrt. Bereits um 13 Uhr können wir die beiden Inseln von Low Island gut erkennen. Die Welle hat sich bis auf ca. 1,5 Meter aufgebaut und der Windmesser zeigt bei 6-7 Knoten Fahrt noch immer 13-18 Knoten Wind an. Erst in dem Moment, als wir hinter dem schützende Riff einbiegen, beendet auch die Esperanza ihre Tanzeinlage in den Wellen.


Die Leuchtturminsel ist ein beliebtes Tagesausflugsziel von Katamaranen, die aus Port Douglas ihre Touristen für einige Sunden abladen. Im Ganzkörperanzug schnorcheln die Gruppen dann übers Riff, sodass wir uns diesen Schnorchelgang sparen.


Die Ankerbucht ist bei Ebbe herrlich ruhig, aber 6 Stunden später bei Flut schaukeln wir doch wieder ungemütlich hin und her!

Morgen gehts bei Sonnenaufgang gleich wieder weiter, weiter Richtung Norden.

ICH WÜNSCHE ALLEN MÜTTERN EINEN WUNDERSCHÖNEN MUTTERTAG 💖

Samstag, 12. Mai 2018

CAIRNS

11./12.05.2018

Florian

Cairns ist lebendig. Das Wetter ist angenehm und auf den Straßen ist viel los. Das Meer in der Bucht von Cairns ist so seicht, dass bei Niedrigwasser eine Schlammwüste verbleibt. Daher hat die Stadt eine künstliche Lagune geschaffen - mit gechlortem Süßwasser und Sandstrand - ein Treffpunkt ganz offensichtlich gerne angenommen und nach dem Laufen eine angenehme Erfrischung. Auch die Uferpromenade ist super nett.




Cairns ist aber auch sonst sehenswert; schöne Häuser, Geschäfte, Restaurants und ein wunderbarer Obst- und Gemüsemarkt.




Wir sind auch nicht faul. Martina kochte Papayamarmelade ein und ich muss eine Tube Sikkaflex aufbrauchen. Daher dichte ich die Salonfenster neu ein und fräse die Decksfugen in Teakdeck nach. Die ESPERANZA hat nach 40 Jahren noch ein vielfaches mehr an Teak als eine heutige neue Yacht, da kann man leicht neue 5 mm Fugen einfräsen; die halten für die nächsten 40 Jahre.




Morgen Sonntag gehts für uns weiter. Das Wetter sagt Starkwind zwischen 20 und 30 Knoten für die nächste Woche voraus. Ab Cairns soll allerdings das nahe Great Barrier Reef die Welle abhalten. Also hoffen wir auf wenig Welle, womit der Starkwind leichter zu ertragen wäre. Cairns ist für uns übrigens die letzte Stadt bis Darwin - das ist 1240 Seemeilen entfernt. Also auf gehts in die nordaustralische Wildnis. Ich bin schon gespannt...

Donnerstag, 10. Mai 2018

GREAT BARRIER REEF

10.05.2018

Florian

Die WIND OF CHANGE von Gert liegt uns gegenüber. Das ist der Kat, der in den Unfall in Bundaberg involviert war, bei dem FELIX gesunken ist und wobei ich geholfen habe, die Skipper für ihre Versicherungsansprüche vorzubereiten.

Gert lädt uns ein mit ihm aufs äußere Riff zum Tauchen zu fahren. Gern sagen wir zu und Martina als passionierte Taucherin ist hellauf begeistert. Um 6:45 Uhr legen wir ab.


Die WIND OF CHANGE ist ein moderner Katamaran, Lagoon 45.


Beim Frühstücken verlassen wir die Marina, da "schreit" ein Alarm - Wassereinbruch im Antrieb.



Gert meint nur: "Das ist ein Fehlalarm, der bereits repariert wurde", offensichtlich nicht gut genug. Um 8 Uhr will ich von seinem SSB-Funk unsere tägliche Funkrunde am MagNetWest anrufen - aber das Fungerät funktioniert nicht. Auch nach einigem Suchen finden wir die Ursache nicht.

Ja so ist das auf Schiffen, es funktioniert immer irgendetwas nicht, und auf modernen Schiffen genauso oft, wie auf unserer ESPERANZA. Der Vorteil der ESPERANZ dabei ist, dass die Dinge noch einfach genug sind, dass man sie selbst reparieren kann. Auf einem modernen Schiff geht das ohne den entsprechenden Fachmann zumeist nicht mehr.

In 2 1/2 Stunden sind wir motorsegelnd (8-9 Knoten) am Michaelmas Cay am äußeren Great Barier Reef. Hier sieht es so aus, wie wir es von Französisch Polynesien kennen: kleine Sandinsel mit Korallenriff.


Unser erster Tauchgang führt uns durch dieses Korallenriff. Wir sehen viele - diesmal lebendige - Korallen und auch einige Fische. Die meisten Fische allerdings befinden sich unter unserem Boot und wollen gefüttert werden.




Anschließend spazieren wir ein wenig auf der Insel, die Vögelbrutgebiet und daher gesperrtes Naturschutzgebiet ist, sodass man gerade einmal 50 Meter lang den Strand entlanggehen darf.


Daher gehts zum zweiten Tauchgang und auch diesmal ganz nette Korallenlandschaft, aber ich muss gestehen, von Great Barrier Reef hätte ich mir mehr erwartet. Die Korallen in Französisch Polynesien waren wesentlich prächtiger. Eine Besonderheit gibt es hier allerdings: riesige Mördermuscheln!


Schließlich gehts zurück in die Marina. Martina genießt den Luxus des schönen Schiffes und breitet sich auf der Sonnenliege aus. Mit so einem Schiff könnte sie sich rasch anfreunden. Bei einem netten Sundowner klingt der Ausflug aus. Danke Gert für einen schönen Tag!


Mittwoch, 9. Mai 2018

FITZROY ISLAND

8./9.5.2018

Martina

Von den Kasuaren wieder zurück auf unserer Esperanza entscheiden wir uns für eine Nachtfahrt, denn der Ankerplatz im Hinchinbrook Channel ist äußerts schwellig. Wenn wir schon wackeln, dann möchte ich wenigstens ein Ziel erreichen. Die Wettersituation verspricht gemütlichen Wind und kaum Welle. So entschließen wir uns mit der Nachtfahrt gleich 80 Seemeilen zurück zu legen, und dafür dann mehr Zeit auf Fitzroy Island zu haben.

Gesagt getan, um 17:30 Uhr bei untergehender Sonnen laufen wir aus dem Hinchinbrook Channel aus. Sanft gleiten wir Richtung Norden und wir erleben "Segeln vom Feinsten". Selbstverständlich ist uns das nicht die ganze Nacht vergönnt, das wäre ja noch schöner, nein! Der Wind ist sowohl von der Stärke als auch von der Richtung äußerst wechselhaft. Keine Ahnung wie oft, aber jedenfalls mindestens stündlich ist irgendetwas zu ändern. Genua und Fock ausbaumen, Bäume abbauen, Fock wegrollen, Groß setzten, Bullenstander setzen, Bullenstander abbauen, Genua ausbaumen, Segel schiften (also auf der andere Seite setzen), weil der Wind binnen einer halben Stunde schön langsam von Südost, über Ost nach Nord und dann nach West dreht. Dazwischen ist natürlich auch eine Motorphase dabei, denn da hatten wir Gegenwind oder gar keinen Wind. Der Windmesser dreht sich im Kreis, sodass wir nicht immer gleich wissen ob er jetzt kaputt ist, oder ob der Wind verrückt spielt.



Eines ist auch ganz deutlich zu merken, wir sind wieder in tropischem Segelgebiet. Die nicht vermissten Squalls (kurzer Starkregen mit drehenden Winden) begleiten uns ab jetzt wieder.
Positiv zu bemerken ist die mit ein bis zwei Knoten nach Norden fließende Strömung. So sind wir trotz schwachem Wind schnell, denn die Strömung nimmt uns mit und beschert uns eine Ankunft am nächsten Tag zu Mittag auf Fitzroy Island in der Welcome Bay.

Hier stehen den Seglern 6 Bojen des Marina National Parks gratis zu Verfügung. Leider dreht sich der Schwell um die Insel herum und es ist so wie im Segelführer beschrieben ein unruhiger Ankerplatz. Nachdem ich aber schon gut eingeschaukelt bin und mein Scopoderm Pflaster hinter dem Ohr klebt, verspüre ich keinerlei Seekrankheit. Segeln ohne seekrank zu sein ist gar nicht so schlecht!!!


Nach einem Schläfchen erkunden wir die Insel. Eine "Strasse" führt zum Leuchtturm an der Nordostseite von Fitzroy Island.





Der Wind und die tief dahin fliegenden Wolken versetzen uns immer wieder einen Sprühregen wie von einer Klimaanlage im Freien in Österreich.
Auf unserem Rückweg besteigen wir noch den Gipfel von Fitzroy und winden uns über den "Boulder Walk" mit unzähligen Felsenstufen zurück in unsere Ankerbucht.


In der Ankerbucht ist auch eine Hotelanlage und ein Campingplatz, beides ist so gut in der Natur versteckt, dass man die Bauten vom Wasser aus kaum sehen kann. Gut gemacht!!


Am nächsten Morgen fahren wir zum vorgelagertem Riff, denn es ist mir des öfteren als wunderschönes Riff empfohlen worden. Die Frage, ob zu dieser Jahreszeit noch die tödlichen Quallen "Irucanji" in diesem Gebiet sind, wird uns nicht eindeutig verneint. Also ziehen wir uns lange Laufhosen und langärmelige T-Shirts an um bestmöglich geschützt zu sein. Es ist für uns schon sehr eigenartig sich ganz anzuziehen, um gefahrlos ins Wasser gehen zu können. Resumee: diesen Schnorchelplatz kann man sich sparen. Es herrscht extrem schlechte Sicht auf viele tote Korallen und nur hie und da schwimmt ein Fisch vorbei.




Nachdem der Ankerplatz so unruhig ist, beschließen wir gleich nach Cairns zu segeln. Es sind nur 16 Seemeilen und so erreichen wir die Marina und werfen uns ins Stadtleben.


Dienstag, 8. Mai 2018

HINCHINBROOK CHANNEL

06./07.05.2018

Florian

Bei Tagesanbruch gehen wir Anker auf, damit wir bei 2 m Hochwasser über die Sandbank bei der Einfahrt nach Lucinda in den Hinchinbrook Channel kommen. In der Karte sind 1,6 m (bei niedrigstem Niedrigwasser) verzeichnet. Mit den 2 m Hochwasser sollten wir eine Wassertiefe von 3,6 m haben. Unser Tiefenmesser ist etwa 50 cm unter der Wasseroberfläche montiert, sodass wir auf der Tiefenmesseranzeige nie weniger als 3,1 m lesen sollten.

So weit die Theorie! Die Zuckerverladestelle mit dem über 5 km langen Steg samt Förderband - angeblich der längste der Welt - grüßt als Einfahrtskennung.


Welle ist auch ganz gut und so wackeln wir auf der durch Richtmarkierungen definierten Linie der Sandbank entgegen.

Die beiden Markierungen übereinander genau in Deckung
Es wird flach und flacher. Als wir plötzlich nur noch 2,2 m am Tiefenmesser lesen, werden wir sehr nervös - wir wollen nicht schon wieder auf Grund laufen! Zum Glück wird es nicht noch seichter und nach einigen Minuten sind wir über die flachste Stelle drüber. Wir hatten nur noch 90 cm Wasser unter dem Kiel. Ab nun heißt es rote und grüne Seezeichen suchen (und finden), denn der Kanal hat viele Untiefen und Sandbänke.



Und zum drüberstreuen sind die Markierungen seitenverkehrt, denn Lucinda (wo wir einfahren)  gilt als Zielhafen, also rot rechts (Steuerbord) und grün links (Backbord)  liegen lassen.

Wo ist die grüne Boje

So tasten wir uns in den Hinchinbrook Channel - laut Segelführer die schönste geschützte Meereskanal der australischen Ostküste. Wir fühlen uns wie auf einem Fluss. Es ist Sonntag und viele Einheimische sind mit ihren kleinen Booten unterwegs. Wir sind die einzigen Segler. Bei Haycock Island lassen wir den Anker fallen. Wir genießen einen entspannten Nachmittag und eine ruhige Nacht.


Heute Morgen ist Ententeich - wir gleiten durch spiegelglattes Wasser und die Berge rund um uns sind mystisch.


Bei leichtem Wind segeln wir gemütlich und nach 26 Seemeilen haben wir den Kanal hinter uns und ankern vor Cardwell.


Unser Freund David von der SAHULA hat uns dringend ans Herz gelegt seinen Freund Ken "The Cassowary Man" zu besuchen. Auf seinem Grund leben angeblich Kasuare - sehr seltene und sehr scheue australische Laufvögel.

Wir treffen Ken am Ufer von Cardwell und fahren mit ihm zu seinem Haus im Dschungel. Gleich als er aus dem Auto aussteigt, kommt ihm ein junger etwa 4 Monate alter Kasuar entgegen und weicht nicht mehr von seiner Seite. Das für die Aufzucht verantwortliche Vatertier hat ihn hier zurückgelassen und Ken kümmert sich um ihn. Er geht bei Ken ein und aus.



Kurze Zeit später taucht die ältere Schwester von Klein-Kausar auf.


Sie hat schon ein farbiges Federnkleid und auch sie ist bei Ken aufgewachsen.


Die einheimischen Aboriginals nennen Ken den Cassowary Man. Sie haben noch nie einen Menschen gesehen, der so vertraut mit Kausaren umgeht. Kasuare sind höchst scheu und können mit ihren Krallen lebensgefährliche Angriffe setzen. Die Weibchen geben den Ton an und sind auch größer als die Männchen.

Kurze Zeit später kommt die Herrscherin des Waldes aus dem Unterholz und schaut zur Türe herein.

Duchess

Ken nennt sie "Duchess - Herzogin". Er kennt sie seit er hier lebt - also zwanzig Jahre. Kasuare werden bis zu siebzig Jahre alt. Duchess ist ein mächtiges Weibchen. Nur Ken lässt sie in ihre Nähe. Jeder andere muss sich kleiner machen als sie ist, sonst greift sie an und verteidigt ihr Revier.



Es ist ein unwirkliches Erlebnis diese prächtigen Tieren aus nächster Nähe zu beobachten - sicherlich ein Highlight unseres Australienaufenthalts.