Samstag, 22. September 2018

BALI

19.-21.09.2018

Florian

Bei Windstille legen wir von Gili Air ab und motoren Richtung Bali, das etwa 25 sm entfernt liegt.Vorbei an Gili Meno und Gili Trawang kommen wir bald in durch die starke Strömung unruhiges Wasser. Die Strömung zwischen Bali und Lombok - alsi der Lombok Straße - kann bis zu 5 Knoten nach Süden betragen und der Wind in der Düse zwischen den beiden Inseln kann rasch auf Sturmstärke zulegen.

Auch wir kommen nach etwa 45 Minuten aus dem Windschatten und von Windstille frischt es auf bis zu 20 Knoten auf - segeln vom Feinsten ist angesagt. Rasch kommt Bali näher und wir lassen den Anker vor Amed an der "Schulter" von Bali fallen.

Bali voraus
Nach einer ruhigen Nacht gehts bei Tagesanbruch weiter. Viele FADs (Fish Attracting Devices) kommen in unseren Weg; bei Nacht braucht man hier nicht segeln. Und hunderte kleine fischende  Auslegerkanus segeln im Morgengrauen vor Bali. Zunächst haben wir noch Wind, doch nimmt dieser bald ab, da wir wieder im Windschatten sind. Der Gunung Agung thront über der Insel und grüßt uns auf unserem Weg.


FAD

Hunderte Fischerboote am Horizont
Gunung Agung

Der von Sail Indonesia empfohlene offizielle Ankerplatz vor Singaraja im Norden Balis ist unbrauchbar, da über 100 m tief - die Organisatoren von Sail Indonesia haben keine Ahnung von Segeln. Also gleich 5 sm weiter nach Lovina, wo nach insgesamt 48 sm der Anker fällt. Ein wunderbarer Ankerplatz - und viele unserer Freunde sind bereits hier.

Lovina



Lovina ist wesentlich gepflegter, als alles andere, was wir bislang von Indonesien gesehen haben. Urlaubsdestination, Straßenverkäufer, viele kleine Restaurants, hunderte Tempel, schwarzer Badestrand - Tourismus eben.





Am Markt finde ich Schlangefrüchte - wegen der Schale.  Sie schmecken wie eine Mischung aus Zwetschke, Birne, Stachelbeere und Litschi.


Snake fruit - Schlangenfrucht



Nach einigen Diskussionen erhalte ich meine Visumsverlängerung wofür ich US$ 70 an die Sail Indonesia Organisatoren bezahlt habe (20 Gebühren, 50 Honorar). Behördenverfahren sind einfach mühsam. Bei anderen Seglern wurde der Pass zu spät eingereicht, wodurch diese nun pro Tag nach Ablauf des Visums US$ 35 Strafe bezahlen müssen - Grüß Gott in Indonesien.

Dienstag, 18. September 2018

GILI AIR

16./17.09.2018

Florian

Der mühsamste Teil des Kindergartens ist fertig, andere dürfen weiterbauen. Wir brechen daher auf, aber nicht weit. Im Lonely Planet Reiseführer steht bei den Sehenswürdigkeiten Indonesiens an erster Stelle der Komodo-Nationalpark und an zweiter Stelle die Gili Inseln.

Die Gili Inseln - Trewangan, Meno und Air - liegen im Nordwesten von Lombok, also nur ein "Hupfer" von der Medana Bay Marina entfernt. Wir segeln nach Gili Air, denn dort gibt es gute Muringbojen zum Festmachen und es sind auch viele frei. Das Erdbeben hat die Inseln besonders hart getroffen, denn das Epizentrum war im Nordwesten von Bali.




Gili Air ist klein und touristisch voll entwickelt. Ich laufe zwei Runden auf dem Küstenweg um die Insel -  fast exakt 5 km ist eine Runde. Viele nette Hotels und Restaurants, aber viele zerstört und an einem Eck türmt sich der Müll.


Auffällig ist, dass die traditionell in Bambus, Holz und Grasmatten errichteten Häuser stehen, die Häuser aus Ziegel und Beton aber beschädigt oder eingestürzt sind. Genau das haben wir auch mit dem Kindergarten versucht den Menschen zu verdeutlichen, dass sie in ihren traditionellen Baustoffen arbeiten sollen, denn die sind mehr oder weniger erdbebensicher, billig und leicht erhältlich. Die Kindergartenkonstruktion soll auch ein Vorzeigemodell für weitere Bauten dieser Art auf Lombok werden.

Die Stromverteilerstation der Insel

So gehört hier gebaut!
Gili Air ist also eine angenehme Urlaubsdestination, wenn man touristische Einrichtungen möchte. Es gibt keine Autos hier, man ist in Badeschlapfen oder barfuß unterwegs (ich bin meine zweite Runde um die Insel barfuß gelaufen - bisserl heiß manchmal im Sand, das macht schnell) und die einzigen Transportmittel sind Pferdekutschen und Fahrräder (die im weichen Sand oftmals geschoben werden müssen).


Morgen gehts nach Bali!

Sonntag, 16. September 2018

ELEPHANT PARK

14./15.9.2018

Martina

Ich kämpfe mich heute durch meinen prall gefüllten Kleiderkasten und sammle einen Sack Gewand zusammen. Mit diesem und zwei Tennisbällen mache ich mich auf den Weg, um noch einmal beim Kindergartenaufbau zu helfen.
Schon bald treffe ich auf eine kleine Gruppe Frauen in verschiedenstem Alter. Ich zeige ihnen meinen Kleidersack und zuerst glauben sie, dass sie das Gewand für mich waschen sollen. Erst als ich es schaffe ihnen zu erklären, dass ich ihnen die Sachen schenken möchte kommt Begeisterung auf. In 30 Sekunden haben meine Klamotten neue und glückliche Besitzer. Es ist schön zu helfen.


Beim Kindergarten kann man die Fortschritte auch schon erkennen...


...und ich bekomme heute die Aufgabe Puzzle zu spielen. Ja, die Pflastersteine des Außensitzbereichs haben sich bei dem Erdbeben verschoben und sind gebrochen. Puzzlen habe ich schon immer geliebt und so bin ich in meinem Element. Nach 3 Stunden ist der Sitzplatz für die Kinder wieder benutzbar.



Das reicht dann auch für heute, denn die Knie und der Rücken geben eindeutige Stoppsignale.

Unser letzter Tag auf Lombok führt uns zum heute wiedereröffneten "Elephant Park". Wir sind die ersten Besucher seit dem Erdbeben und werden dementsprechend freundlich empfangen.


Abgesehen von dem liebevoll angelegten Tierpark und dem persönlichen Begleiter, der uns alles genau erklärt, ist das Besondere hier, dass man viele dieser Tiere angreifen und ganz aus der Nähe betrachten darf.










Selbst den Orangutan Fallon dürfen wir hautnah erleben.


Die Schlangen und Leguane sind mir dann schon beinahe zu nahe. Ein tolles Erlebnis



Freitag, 14. September 2018

WIEDERAUFBAU

13.09.2018

Florian

Der Kindergarten im Ort neben der Marina ist komplett zerstört. Das Seglerpaar Kimi und Patrick - er Ex-Bauunternehmer aus Seattle - hat im Auftrag des örtlichen Rotary Club die Neuerrichtung übernommen, und Freiwillige helfen dabei - und so natürlich auch wir.

Hier war der alte Kindergarten


Das schwierigste ist den Schutt zu entfernen, denn mit der Schaufel kommt man da fast nicht durch und wir müssen viele Ziegel, Bodenfliesen und Betonstücke händisch ausklauben. Bei brütender Hitze arbeiten wir uns also mühsam voran, um zunächst einen Graben für die Wasserleitung für die Toiletten sowie die Senkgrube auszuheben.

Schwerstarbeit


Heute brauch ich kein Training mehr

Anschließend müssen wir die Löcher für die Eckpfeiler des neuen Kindergartens ausheben und schließlich stellen wir die Eckpfeiler auf. Ich lerne betonieren (5 Schaufeln Sand 2 Schaufeln Zement am Boden mit Wasser gleichmäßig verrühren, bis eine homogene Masse entsteht - ist ja wie Kochen) und darf die Ecksteher einbetonieren.




Der Schweiß rinnt in Strömen. dafür haben wir am Abend unser Tagessoll erfüllt, denn in 9 Tagen soll der Kindergarten stehen - ambitioniert!

Mittwoch, 12. September 2018

TIEF BETROFFEN

12.9.2018

Martina

Die Medana Bay Marina bietet im Moment einen etwas ramponierten Schwimmsteg und zahlreiche Mooringbojen an. Florian wählt eine Boje ganz nahe am Schwimmsteg und so benötigen wir keinen Dingimotor, um an Land zu gehen.


Kaum haben wir an der Boje fest gemacht, rufen uns schon Segelfreunde zum allabendlichen Treffen in der Marina. Das trifft sich gut, denn ich habe sowieso keine Lust zu kochen. Wie das Sprichwort sagt: "Durchs Reden kommen die Leute zusammen" ergibt sich die Möglichkeit mit Terry und Carol von der SY Little Dove gemeinsam ein Mietauto für einen Tag zu nützen.

Wir organisieren 300 Liter Wasser, denn unser Wassertank ist beinahe leer. Die Wäsche können wir ebenfalls in der Marina abgeben und wir bekommen sie morgen gewaschen und gebügelt zurück. Florian kümmert sich noch um seine Visumverlängerung und dann geht es los.

Kaum haben wir die Zufahrtsstrasse der Marina verlassen, sehen wir das Ausmaß der jüngsten Erdbeben. Ich habe so etwas noch nicht gesehen, Schutt wo früher Häuser standen, Frauen die mit bloßen Händen versuchen Schutt von verwendbarem Baumaterial zu trennen und zu entfernen. Die wenigen Baumaschinen versuchen etwas Ordnung in das Chaos zu bringen, während Kinder mit Nichts auf den Geröllhalden spielen.


Die Not, aber auch die bereits angelaufene Hilfe ist nicht zu übersehen.


Beschämend ist das Lächeln auf ihren Lippen, sie haben ihr Schicksal angenommen und begrüßen uns, egal wo wir hinkommen als wäre nichts schreckliches passiert.

Wir fahren eine Stunde Richtung Südosten ins Inland. Auf dem Weg zu einer Tempelanlage stoppen wir bei einem großen lokalen Markt. Die Markthalle ist so gut wie leer, alles wird im Freien verkauft. Ich nehme an, dass die Leute sich vor weiteren Beben fürchten, denn angeblich war gestern schon wieder ein Beben zu verspüren. Der Markt ist ein Erlebnis, und das in vielerlei Hinsicht. Das Angebot an Gemüse, Fleisch und Obst ist vielfältig, es stinkt und es ist schmutzig, aber auch hier sind die Menschen unglaublich freundlich.


Ich erstehe einen Indonesischen Hut und habe somit das erforderliche Outfit für einen Job bei der Reisernte.

Unsere Fahrt geht weiter nach Lingsar, dort wartet eine Tempelanlage auf die Besucher. Der Pura Lingsar Tempel aus dem Jahr 1714 wird von Hindus und Moslems besucht.




Neben dem Tempel ist ein großes Wasserbecken, die Menschen waschen sich und ihre Wäsche hier, und entnehmen ihr Trinkwasser direkt aus der Quelle.




Auf dem Heimweg bleiben wir noch bei einem Geschäft für Kunsthandwerk stehen. Es ist nur eine einfache Halle mit verschiedensten fertigen Holzarbeiten und gleich im Nebengebäude können wir den Männern zuschauen, wie sie diese Kunstwerke herstellen.


Nachdem unsere Vorräte schon sehr geschrumpft sind, müssen wir auch noch den Einkauf erledigen. Wir besuchen einen Supermarkt in Mataram, der Hauptstadt von Lombok, und besorgen alles, was an Bord bereits gefehlt hat.

Je näher wir wieder zur Marina kommen, desto zerstörter sind die kleinen Häuser der Indonesier. Es ist ein trauriger Anblick und ihr Schicksal macht uns sehr betroffen.