Donnerstag, 18. Oktober 2018

LEICHTE VERZWEIFLUNG

12.-15.10.2018

Florian

Um 10:30 Uhr gehe ich Anker auf und den Fluß bei Ebbe hinunter, bis ich wieder am offenen Meer bin. Ab nun muss ich nach Westen. Ich habe Tracks (also Spuren) von anderen Schiffen auf Open CPN, die ich verfolge, denn das Meer ist hier sehr seicht und es gibt viele Untiefen - also ein heikles Segelrevier.

Der Wind ist mühsam, teilweise auf die Nase dann wieder gar nichts, dann wieder brauchbarer, dann wieder nichts und auch die Strömung ist gegen mich. So muss ich oft motoren, was mir überhaupt nicht gefällt. Es geht mit viel Segel rauf, Segel runter, Motoren, Segel Rauf, Segel runter, Motoren durch die Nacht. Mit 15 minütigen Schlafintervallen kämpfe ich mich durch, in den frühen Morgenstunden ist es immer am schwierigsten. Aber zum Glück ist in der Nacht wenigstens angenehm kühl.

Am nächsten Tag dasselbe Spiel der Wetterhexen. Ich nütze die Zeit, um das Dingi wieder einmal zu kleben. Das übliche Spiel im tropischen Klima. Als um 13:00 Uhr Gegenströmung und Gegenwind zusammentreffen werfe ich den Anker (und nicht die Nerven weg) und lege mich schlafen.

Dingi kleben

Um 16:00 Uhr habe ich wieder ein wenig Wind und es geht motorsegelnd weiter, bis um 20:00 Uhr der Wind am Südwesteck von Borneo wieder auf die Nase kommt und dann komplett einschläft - wieder werfe ich den Anker, drehe alle Lichter auf - denn ich bin mitten am Meer - und lege mich an Deck schlafen.

Wind auf die Nase

Um 00:30 Uhr weckt mich der Wind auf und es geht weiter. Bei Wind aus Nordnordwest und nach Süden setzender Strömung kann ich nicht genug Höhe laufen, um "meiner" Spur zu folgen, also entscheide ich mich die Java-See bereits hier im Süden von Borneo zu queren. Das macht entsprechend nervös, denn ich betrete seglerisches "Neuland" und die Seekarten hier sind oft ein Glücksspiel.

Am Vormittag ziehen dunkle Wolken auf und ich versuche ihnen unter Motor zu entkommen, aber leider holen sie mich ein. Rasch lege ich das 2. Reff ins Groß und reffe auch die Genua 2/3, als es - PENG!! - auch schon losgeht. Starkregen, Sturmböen bis etwa 30 Knoten - aber zumindest aus der richtigen Richtung.

Schwarze Wolken ziehen auf

Und los geht die Achterbahnfahrt

Der Passagier allerdings nicht ganz begeistert davon

So gehts wenigstens weiter meinem Ziel Belitung entgegen. Aber anstrengend ist es schon, die Angst kommt dazu, denn die Blitze um mich herum sind prächtig, das Meer schäumt und der peitschende Regen ist unbarmherzig. Segeln kann schon echt Scheiße sein!! Ich fluche meinen Frust in den Sturm, vergieße einige Verzweiflungstränen und versuche mich zu motivieren - es ist nicht einfach. Daheim kann man sich das nicht vorstellen, denn im Wohnzimmer ist leicht Weltmeister sein.  Hier draußen ist niemand, der dir helfen kann (und auch niemand weit und breit zu sehen) - also musst du dich da alleine mit deinen Weisheiten durchkämpfen.

Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei, ich kann ausreffen und bearbeite mein Stimmungstief - eine gute kräftige Suppe, Stück Schokolade und dann eine halbe Stunde Schlaf. Danach wirkt die Welt wieder rosiger. Es ist wichtig zu wissen, wie man seine Ängste und Depressionen bekämpft. Laufen geht jetzt leider nicht (das funktioniert immer), aber ein wenig Schlaf hilft.

Und dann ist der Wind komplett aus und ich treibe nach Süden - 2,5 Knoten Gegenströmung - und ich muss noch eine Nacht durchhalten.

Sonnenuntergang am 3. Tag und Fischer am Horizont - kein Schlaf möglich
Also Motor an und mit langsamen 3,4 Knoten dem Ziel entgegen. Es ist frustrierend. So geht es die ganze Nacht. Mit Red Bull - meiner letzten "Waffe" gegen die Müdigkeit - bleibe ich wach, denn es gibt Fischer und Untiefen - viel Schlaf ist also nicht möglich. Am Morgen sehe ich Belitung - eine Erlösung, die motiviert und Kraft gibt.

Auch am vierten Tag geht die Sonne wieder auf
Belitung am Horizont

Mühsam geht es unter Motor bis zur Nordostecke der Insel, dann durch eine Inselpassage und endlich ist diese depperte Gegenströmung weg und die ESPERANZA zieht mit 5,8 Knoten durch die spiegelglatte See. Ich bekomme wieder einige 15-minütige Schlafinjektionen und arbeite mich die Nordküste entlang bis ich endlich den Ankerplatz sehe.

Ankerplatz voraus - und schon wieder "Gewitterwarnung"

Um 13:00 Uhr fällt der Anker an der Nordwestecke von Belitung - 278 Seemeilen zurückgelegt, 35 Stunden (!) unter Motor. Jetzt noch die letzten Blogs schreiben (hoffentlich bekomme ich die Hektar und km² richtig hin) und dann entspannen.

Montag, 15. Oktober 2018

BOKU- WIEN

11./12.10.2018

Florian

Gäbe es die Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU) nicht, gäbe es diese Geschichte nicht.

Beim Dinner im Sultanspalast  unterhalte ich mich mit dem örtlichen Parlamentsabgeordneten. Als er erfährt, dass ich aus Wien bin, zieht er sein Handy aus der Tasche, wählt eine Nummer und gibt es mir. Es ist ein Freund des Abgeordneten dran, der in Wien an der BOKU studiert hat und hier ein Forstunternehmen führt. Auf Deutsch versteht er mich allerdings nicht.

Ich werde also von Paul aus Korea - dem Ex BOKU Student 1992 - 1996 - zur Besichtigung seines Betriebes eingeladen. Ein Geländewagen mit Fahrer holt mich unmittelbar nach der Rückkehr von den Orangutans ab und es geht 1 1/2 Stunden über holprige Straßen, 45 Minuten davon über 4-spurige Forststraßen, bis wir - es ist bereits dunkel - an einem herrschaftlichen Gebäude halten.


Im Niemandsland von Borneo


Paul aus Korea, Ex BOKU Student und hiesiger Betriebsleiter


Gästehaus
Mein Gästezimmer - sehr fein!


Paul ist Betriebsleiter des größten Forstbetriebes von KTH in Indonesien. KTH ist ein koreanisches Unternehmen, das Holzpellets für die japanische Papierindustrie und Zellulose für die Textilindustrie herstellt.

Das Forstgebiet

Die Dimensionen muss an sich auf der Zunge zergehen lassen: die gepachtete Fläche umfasst über 94.000 Hektar, mit zugepachteten Flächen in Summe etwa 100.000 Hektar - also 1000 km², das Gebiet ist sohin etwa 50 km lang und 20 km breit. Hier wird Wald angepflanzt - konkret eine Art von Eukalyptusbäumen, denn die wachsen schnell. 6 Jahre dauert ein Wachstumszyklus bis zur "Ernte". 10.000 Hektar - also 100 km ² - werden pro Jahr abgeholzt, 70 % der ausgepflanzten Bäume wachsen zur verwertbaren Größe, 70 % der gepachteten Fläche dient der Bepflanzung. Der Rest ist Naturschutzgebiet für Orangutans, Forschungsgebiet und Infrastruktur. 4500 Menschen werden von  KTH hier beschäftigt - ein erheblicher Wirtschaftsfaktor in dieser entlegenen Region.

Dienstunterkünfte

Hauptquartier



Wir genießen mit seinen Kollegen, zwei Forschern aus Korea, ein wunderbares Abendessen und ich werde im Gästehaus sehr nett untergebracht.

Am nächsten Morgen zeigt mit Paul noch ein wenig von der Anlage. Es gibt auch einen 9-Loch Golfplatz, Gemüse- und Obstgärten, etc.

Golfplatz
Riesig

Forschungsbereich für den perfekten Eukalyptus

Fläche 2 1/2-mal Wien
Es ist beeindruckend wie und in welcher Dimension hier gearbeitet wird.

Schließlich ist es Zeit für mich aufzubrechen und der Chauffeur bringt mich wieder nach Kumai zurück.

Jetzt geht es aber wirklich los nach Belitung. Ein wenig mulmig ist mir schon, denn es ist weit und ich muss diesmal zumindest 2  Nächte durchsegeln. Na schau ma...

ORANGUTANS - TANJUNG PUTING NATIONAL PARK

09.-11.10.2018

Florian

Gegenüber meines Ankerplatzes sind siloartige Gebäude. Interessant: darin werden Schwalbennester "gezüchtet" und als "birds nest" an Chinesische Restaurants verkauft. Ein Kilo besteht aus etwa 120 Nester, bringt hier umgerechnet etwa EUR 1.000,00 und kostet in China dann etwa EUR 6.000,00  pro Kilo.

Nestzucht

Um 9:00 Uhr werde ich vom Klotok abgeholt und gemeinsam mit meinen Freunden von der SY ALLURE und SY MOONSHADOW geht es den Fluß hinauf in den Tanjung Puting National Park, der maßgeblich aus den Bemühungen von Dr. Birute Galdikas resultiert, die ihr Leben den Orangutans verschrieben hat. Hier ist mit etwa 6000 Tieren die größte Orangutan Population der Welt beheimatet.



Das Klotok - ein Hausboot - hat im "Erdgeschoß" das Manschaftsquartier, Motor und Steuerstand, Küche und Bad. Im "ersten Stock" sind wir Gäste und haben daher eine hervorragende Aussicht auf den Dschungel, durch den sich der Fluß zieht.

Unser Klotok

Die Gästeetage

Bald machen wir den ersten Stop. Über Holzstege geht es zur Fütterungsplattform. Die Wildhüter bringen Bananen in Körben, schütte sie auf die Plattform und machen einen Ruf wie Wolfsgeheul, um die Orangutans zum Essen zu rufen.

Es erscheint ein mächtiges Männchen, setzt sich seelenruhig auf die Plattform und beginnt Bananen zu schälen und in sich hineinzuschieben - so schnell es ist unglaublich, Nach ca. 50 Stück ist er fertig und verschwindet im Wald.


Kurz darauf kommen weitere Orangutans - jüngere Männchen und Weibchen samt Babies - und fressen, oder stecken sich möglichst viele Bananen ins Maul und klettern auf einen Baum, um sie dort zu verzehren. Es ist ein faszinierendes Schauspiel.



Nach etwa einer Stunde brechen wir auf und es geht weiter den Fluß hinauf, bis wir am Ufer des mittlerweile recht schmalen Flusses an Bäumen festmachen, um hier zu übernachten.


Neben uns in den Bäumen sitzen Nasenaffen, die Vögel kreischen, die Grillen zirpen laut - während wir an deck dinieren. Es ist atemberaubend. Nachdem wir ausgiebig und gut getafelt haben werden die Betten hergerichtet - dicke Matratzen mit Moskitonetz.

Unsere "Schlafgemächer"
Die Nacht im Dschungel mit seinen Geräuschen ist magisch und ich schlafe hervorragend.  am Morgen gehts nach einem guten Frühstück weiter zur nächsten Fütterungsstation - gleiches Schauspiel wie gestern...

Wir sind nicht die einzigen

... und schließlich ins Camp Leaky - dem Zentrum des Nationalparks. Wieder beobachten wir die Orangutans beim Fressen. Diesmal hat sich auch ein wildes Schwein zum Festmahl gesellt und wird von den gelassen wirkenden Orangutans "nicht einmal ignoriert."

Wir verbringen die zweite Nacht wieder am Flussufer und es ist wieder magisch, diesmal weil ein heftiger Tropenregen über uns niedergeht - es ist mittlerweile Regenzeit.

Am Morgen gehts den Fluss zurück zur Besichtigung eines kleinen Dorfes, als es plötzlich direkt vor uns ein lautes "PLATSCH" gibt, dann noch eines und noch eines. Nasenaffen springen von 10 Meter Höhe aus der Baumkrone über den Fluß (denn darin gibt es Krokodile) und landen mit Bauchfleck in Ufernähe des anderen Ufers im Wasser. Ein Mensch wäre bei diesem Bauchfleck schwer verletzt - den Affen macht das offenbar nichts, es "hagelt" Affen!!

Nach Besichtigung des sehr ursprünglichen Dorfes geht es zurück zu unseren Schiffen. Es war ein unglaubliches Erlebnis und ich kann es nur wärmstens empfehlen. Nicht nur wegen der Orangutans, sondern wegen der Atmosphäre am Klotok im Dschungel. Einmalig!!


Dorf mitten im Dschungel

Morgen gehts weiter nach Belitung, aber davor habe ich heute noch eine Überraschungseinladung erhalten - das Leben hat so seine Überraschungen!

Donnerstag, 11. Oktober 2018

BEIM SULTAN

08.10.2018

Florian

Heute ist der große Tag für uns Segler hier in Kumai, aber der Tag beginnt für mich mit einer Betreuungseinheit für Auguste - sie will wieder einmal nicht. Also kommt sie mit an Land und ich finde einen Mechaniker, der versucht sie wieder zum Laufen zu bringen.

Auguste macht Probleme
Wir Segler werden am Hafen mit allen Ehren empfangen und dann geht es per Bus und Polizeieskorte zu diversen Palästen und folkloristischen Tänzen.





Ich darf auch Blasrohrschießen ausprobieren und im Gamelan Orchester mitspielen.





Auf einem Fluss ist Volksfest mit einer Art Seilziehen am Wasser. Ein Boot, zwei Personen paddeln in die eine Richtung, zwei in die andere Richtung - wer das Boot über eine bestimmte Linie bewegt, gewinnt - also Paddeln, was das Zeug hält. Da muss ich natürlich mitmachen. Gemeinsam mit William, einem Hubschrauberpilot der Air Force von Neuseeland nehme wir es mit den Einheimischen auf. Es ist ein riesiger Spaß, wir werden waschelnass, aber wir gewinnen auf voller Länge und werden mit Applaus belohnt. Am Abend wird unser Wettkampf im örtlichen Fernsehen ausgestrahlt werden - schon wieder weltberühmt in irgendwo.

Voller Einsatz!
Mit den örtlichen Speedboats geht es den Fluss hinauf - diese Dinger sind richtig schnell - und super  laut.




Schließlich werden wir zum Sultanspalast gebracht, wo wir an einem Galadiner teilnehmen.


Wir treffen den örtlichen Parlamentsabgeordneten und auch andere höchst interessante Persönlichkeiten und insbesondere Frau Dr. Birute Galdikas, die weltweit berühmteste Forscherin der Orangutans, seit 47 Jahren im Tanjung Puting Nationalpark.


Dr. Birute Galdikas (erste Reihe 3. von links)


Dorthin geht es ab morgen. (Und meine Auguste ist am Abend repariert)




Sonntag, 7. Oktober 2018

DAS LEBEN DES EINHANDSEGLERS

04./05./06.10.2018

Florian

Das Leben als Einhandsegler ist schon bedeutend anders, als zu zweit. Ohne Frau an meiner Seite vermeinen manche Männer offenbar, dass ich schwul bin. Jedenfalls habe ich auf dem Weg zum Abschlussbankett in Bawean, zu dem wir auf einem Pritschenwagen fahren, auf einmal die Hand meines indonesischen Nachbarn auf meinem Knie. Ich nehme die Hand leicht perplex weg, doch gleich ist sie wieder da. Mein Nachbar ist ein kleiner Indonese (das sind sie aber eigentlich fast alle) in fortgeschrittenem Alter. Diesmal packe ich seine Hand, blicke ihm tief in die Augen und lasse keinen Zweifel daran, dass ich weder seine Hand noch sonst etwas von ihm möchte. Ich denke jetzt hat er mich verstanden. Soll ich mich jetzt auch bei #metoo outen??

Treffpunkt zum Abschlussbankett auf Bawean
Am Morgen gehts bei Tagesanbruch Anker auf nach Kumai, Provinz Kalimantan auf der Insel Borneo - ca. 190 sm und 36 Stunden liegen vor mir. Ich verlasse als erster der Seglerarmada unsere Bucht, doch bald werde ich von einem Geschwader an Seglern verfolgt, die ebenfalls nach Kumai wollen.

Geschwader Richtung Borneo

Der Wind ist gut und es geht flott dahin. Wie immer ist natürlich die Nacht die große Herausforderung - Schlafmangel, das Los des Einhandseglers. Ich koche vor - es gibt diese fixfertig Chinasuppen mit Nudeln, allerdings von mir mit viel Gemüse, extra Nudeln und Kokosnussmark aufgepeppt - jetzt habe ich eine Tom Yam Gung Suppe, die nicht zu scharf ist, super schmeckt und ordentlich ausgibt.

Ich gönne mir 15 Minuten Schlafintervalle - gut, dass meine Laufuhr eine Intervalltraining-Einstellung hat. Als allerdings viele, viele Lichter von Fischern am Horizont auftauchen, ist es mit Schlafen vorbei. Hier ist einiges los und es heißt aufmerksam sein. Falls ein Fischer zu nahe kommt drehe ich das Decklicht auf, damit die Segel hell erleuchtet sind. Auch meine superstarke Stroboskoptaschenlampe liegt griffbereit - damit werde ich JEDENFALLS gesehen.

Irgendwann ist die Fischereigegend durchquert und vor mir liegt nur noch dunkle See. Also darf ich mir wieder meine 15 Minuten Schlaf gönnen. Und so graut schließlich der Tag heran und ich befinde mich bereits an der Südspitze von Borneo.

Leider schläft nun der Wind ein, aber ich habe Zeit und schalte erst nach einer Stunde den Motor ein, denn ich will heute zumindest den ersten Ankerplatz an der Flussmündung des Flusses nach Kumai erreichen. Doch dann kommt doch wieder Wind auf, ich setze volle Segel und rausche mit 7 Knoten dahin. Leider gesellen sich bald dunkle Wolken zum Wind und als es zu donnern anfängt, hole ich die Segel so rasch als möglich ein und lasse nur die kleine Fock stehen. Keine Sekunde zu früh, denn wie als ob ein Schalter umgelegt wird, knallt der Wind mit 30 Knoten daher und Starkregen nimmt jegliche Sicht. Bei Gewitter ist mir seit dem Blitzeinschlag in Panama nicht wohl. Als das Blitzen aufhört schrubbe ich im Starkregen das Deck - und mich; endlich wieder Regen! Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei - und der Wind wieder weg.

Ich motore in den breiten Fluss, der mich nach Kumai bringt. Es herrscht Flut und die seichteste Stelle ist 3,8 m, also zumindest 2,3 m Wasser unter dem Kiel. Man sollte bei flachen Stellen ausschließlich bei Flut - also bei steigendem Wasser - einlaufen, denn dann kommt man wieder frei, falls man doch aufsitzt.

Flusseinfahrt
2 Stunden später sehe ich die Industrieanlagen und Kohleverschiffungseinrichtungen von Kumai vor mir. Auch einige riesige Schleppverbände kommen mir entgegen.


Kohleverschiffung - weg erkennt den Schaufelbagger?
Doch dann sehe ich das Ankerfeld - ich komme als letztes an. Und dann sehe ich es wieder nicht - eine neue Regenwand kommt auf mich zu - willkommen in der ITCZ (innertropische Konvergenzzone).

ITCZ
Im Wolkenbruch finde ich beim letzten Zacken Licht einen Ankerplatz und lasse den Haken in die Strömung des Flusses fallen, exakt 36 Stunden, 198 sm. Mit 50 Meter Kette fühle ich mich bei 9 Metern Wassertiefe sicher - Willkommen in Borneo!

Starkregen, Strömung, dämmrig, eng, übernachtig - ein Spaß!