Freitag, 21. Juni 2019

HEIMKEHR

20.06.2019

Florian

Die ESPERANZA ist über Top und Takel mit den Flaggen jener Länder geschmückt, die sie besucht hat. Bei leichtem Wind segelt sie Butterfly nach Ugljan. Am Steg stehen meine Eltern und später kommen auch meine Freunde Angela und Peter dazu, die hat die Grenze aufgehalten.


Mutti und Papa beim Empfang

Papa erklärt mir, wo ich die Fender hinhängen soll

Angela und Peter

Es ist ein zutiefst freudiger Moment. Es ist geschafft, der Druck fällt ab, die Welt ist rund. Ich bin wieder zu Hause. Keine Angst mehr, ob der Anker hält, keine Gefahr mehr vor Augen - das Abenteuer Weltumsegelung ist beendet. Es war ein Abenteuer in vielerlei Hinsicht. Ich habe es geschafft - jetzt kann ich erleichtert loslassen und mich neuen Aufgaben des Lebens widmen.

Das letzte Hemd hat keine Taschen.

Das Leben ist keine Generalprobe.

Es soll nie fad werden.


Blick nach vorne!


ENDE


Donnerstag, 20. Juni 2019

HERBERGSUCHE

18./19.06.2019

Florian

Die Vorratsbox war in Sri Lanka voll, jetzt ist sie leer gegessen. Zeit heimzukehren! Die letzten Meter sind ein Vergnügen. Die Esperanza motort die paar Meilen an Pasman entlang.


Vorräte sind aufgebraucht


Meine Eltern stehen auf der Brücke von Zdrelac, um mich zu warnen, falls die Brücke doch zu niedrig für die ESPERANZA erscheint. Meter für Meter schiebe ich die ESPERANZA bei Gegenströmung an die Brücke heran und es sicherlich knapp, aber sie passt unten durch. Die 16,5 Meter angezeigte lichte Höhe der Brücke erscheinen auf der sicheren Seite zu sein - da wurde wohl ein wenig Spielraum gelassen. Oftmals nicht genug. Ein paar Stunden später sehe ich einen größeren Charterkatamaran mit - unfreiwillig - umgelegtem Mast die Bucht von Zdrelac durchqueren. Die haben die Brückenhöhe falsch eingeschätzt.


Brücke von Zdrelac

Schaut knapp aus

Ist es auch

Nach der Brücke ein Erlebnis der siebten Art. Plötzlich ruft jemand - Florian, Florian, ESPERANZA, ESPERANZA!! Gleich hinter mir fährt ein kleines Ausflugsboot, darauf Neville - Segler aus Long Island, New York, mit dem ich in Kupang, Indonesien Laufen war. Er hat sein Schiff mit dem Frachter von Phuket in die Türkei bringen lassen, ist dann bis Bari gesegelt und macht mit seiner Familie Urlaub in Kroatien. Die Welt ist ein Dorf!

Die Freude meine Eltern gesund und munter wiederzusehen ist sehr groß. Ich packe sie auf die ESPERANZA und wir tuckern nach Iz Veli in der Hoffnung dort einen Liegeplatz für die ESPERANZA zu finden - Herbergsuche für ein braves Schiff. Die Marina ist voll mit langer Warteliste. Also gehts zurück und wir versuchen es auch noch in Kukljica und Muline - alles voll. Doch dann finde ich in der Stadtmarina von Preko einen freien Platz. Dort wird die ESPERANZA vorerst untergebracht werden, um sie Käufern zeigen zu können.


Mutti, Papa - Überfahrt nach Iz Veli


Am nächsten Tag ist Schiffsputz für die Heimkehr in Ugljan angesagt. Außerdem haben sich Sonja und Manuel aus Österreich zu Besuch angesagt. Sie sind Blogleser und wollen die ESPERANZA und mich kennen lernen. Wieder einmal treffe ich überaus nette Menschen, die mir auch gleich helfen, die Flaggen über Top und Takel zu befestigen - nicht ganz einfach alleine ohne Sicherung im Mast herumzuklettern, aber zu dritt ist es einfacher. Die ESPERANZA ist herausgeputzt für die Heimkehr nach Ugljan.


Sonja und Manuel - liebe Leute, hervorragende Helfer

ESPERANZA herausgeputzt

Montag, 17. Juni 2019

HEIMWEG

15./16./17.06.2019

Florian

Nach 2 Nächten im Bunker mit den Fischern ist es Zeit weiterzuziehen. Ich bin am Heimweg nach Ugljan - nicht weit, aber man muss segeln, wenn Wind ist. Und der ist heute leider nicht so wie versprochen, also gehts nur kurz ums Eck bei Milna vorbei in eine nette Bucht auf Brac zum Baden und Übernachten.

Dafür ist am Sonntag Wind - und nicht zu wenig. 20 Knoten auf die Nase - wohin denn sonst. Interessant ist, dass bei Flaute und wenig Wind alles voll Segelbooten ist, jetzt bei gutem Wind ist das Meer ziemlich leer gefegt. Segeln muss an, wenn Wind ist! Ich kreuze auf und mangels Welle geht das erstaunlich gut, bis ich auf Veli Drvenik den Anker fallen lasse.


Aufkreuzen

Ankerplatz Veli Drvenik


Montag Morgen gehts bei Tagesanbruch weiter. Leider läßt der Wind bald nach, sodass ich Zirje unter Motor anlaufe und dort zu Mittag den Anker fallen lasse.


Zirje


Jetzt kräuselt sich das Meer auf einmal (eh klar) und ein Blick auf die Windvorhersage zeigt mir, das heute Wind ist und morgen nicht. Also - Segeln muss man, wenn Wind ist. Anker auf und weiter. Gemütliches Kreuzen ist angesagt, vorbei an Kornat, hinüber nach Murter - alles gut bekannte Orte, die ich vor sechs Jahren bei meiner Abreise gesehen habe.


Kornat


Jetzt bin ich am Heimweg und es ist ein schönes Gefühl bekannte Gewässer zu besegeln. Um 20 Uhr, nach 14 Stunden, fällt der Anker im Schutz von Murvenjak - ich bin das einzige Schiff. Die Möwen kreischen und ein schöner Sonnenuntergang beendet einen guten Segeltag. Beim Sundowner drehen sich meine Gedanken um meine Zukunft und es fällt schwer so richtig zu begreifen, was alles hinter mir liegt. Es gibt keine Wehmut, denn es ist schön am Heimweg zu sein.


Sonnenuntergang auf Murvenjak



Samstag, 15. Juni 2019

SEEMANNSGARN

13.06.2019

Florian

Weiter gehts hinüber nach Brac. Vorbei am berühmten Sandstrand von Bol - wahrscheinlich das häufigste Werbefoto Kroatiens. Die Sonnenschirme sind schon aufgebaut und warten auf die Badegäste.


Sandstrand von Bol


Auffrischender Wind schiebt mich recht flott entlang der Südküste von Brac, bis ich in die Krusica Bucht einbiege.


Südküste Brac


Hier ist ein alter Seebunker aus dem Kalten Krieg, den ich vor etwa 15 Jahren schon besucht habe. Als ich an der Mole vor dem Bunker längsseits gehe, hilft mir ein Mann beim Anlegen. Marin ist Fischer und lebt hier im Bunker.

Ein Touristenausflugsboot kommt, und Marin meint ich solle vor Anker gehen, aber ich deute ihm, dass das andere Boot ja auf der drüberen Seite des Anlegers längsseits gehen kann. Das macht das andere Schiff dann auch, der Kapitän ist aber wenig begeistert, das ich "seinen" Platz okkupiere. Als dann auch noch ein Fischerboot in den Bunker möchte und nun zwischen dem anderen Boot und der ESPERANZA nicht durchkommt, müssen sie das Ausflugsschiff weiter in den Buker hineinziehe, damit der Fischer "Slalom" bei uns durchkommt - ich kann ja nicht hineinfahren mit meinem Mast.

Ich störe hier ganz offensichtlich die übliche Ordnung, bleibe aber gelassen und widme mich der Schiffspflege. Als die Fischer feststellen, dass ich nicht der übliche Charterskipper bin und wir ins Gespräche kommen, laden sie mich zum Abendessen ein. Natürlich bringt jeder mit, was er so hat, wie das halt üblich ist unter Seeleuten. Es wird ein gemütliches Abendessen mit viel Plauderei und wir spinnen Seemannsgarn. Meine "Einfahrtsblockade" ist vergessen und meine neuen Freunde meinen unisono, ich war ja zuerst da, also musste ich auch nicht wegfahren.


Vorm Bunker

Donnerstag, 13. Juni 2019

UNTERFORDERT

12.06.2019

Florian

Um 4:30 Uhr haut mich die Welle aus dem Bett. Die ESPERANZA "bockt" an der Ankerkette, der Wind hat gedreht und ich lege auf Legerwall. Also auf und weg. Vorbei am noch schlafenden Sucuraj mit Wind auf die Nase und um das Ostkap von Hvar herum.


Sucuraj noch verschlafen

Leuchtturm am Ostkap von Hvar

Sonnenaufgang über dem Küstengebirge bei Makarska


Als ich den Bug der ESPERANZA nach Westen richte wirds gemütlich, und wir gleiten sanft durchs Wasser. Die ESPERANZA ist in diesen Gewässern unterfordert und "spielt" sich mit den Bedingungen. Das ist sehr angenehm, denn jedes Teil der ESPERANZA ist für diese Bedingungen überdimensioniert - höchst entspannend.


Nett

Kein Wunder, dass die ESPERANZA in Kroatien unterfordert ist!


Und so gleitet die ESPERANZA an der Nordküste von Hvar entlang. Mein heutiger Stop ist im Schutz der kleinen Insel Zecevo, wo das glasklare Wasser zum Abkühlen einlädt. Und ich merke, dass die Wassertemperatur schön langsam wärmer wird - der Sommer kommt also doch.


Zecevo - lädt zum Baden ein

Montag, 10. Juni 2019

GEMÜTLICH

09./10.06.2019

Florian

Gemütlich geht´s weiter, denn der Wind ist schwach, aber mangels Welle kann ich doch unter Segel so manche Strecke zurücklegen. Entlang der Weingärten des Peljesac, vorbei an Korcula gehts an die Westspitze von Peljesac, wo ich in Uvala Luka mein Nachtlager aufschlage - ein guter Ankerplatz.


Weingärten auf Peljesac

Durchfahrt zwischen Peljesac nd Korcula

Korcula


Am nächsten Morgen ist es windstill und ich lege die kurze Strecke bis an die Ostspitze von Hvar unter Motor zurück. In der Nebenbucht von Sucuraj, einem netten kleinen Fischerort, gehe ich vor Anker.  Einkaufen - Laufen - Schiffspflege - es ist gemütlich. Und der Sommer ist unter Tags schon spürbar - endlich wieder ins Wasser gehen - wenn auch nur kurz!


Sucuraj voraus


Sucuraj


Sonntag, 9. Juni 2019

GUTE GEFÄHRTIN


Martina

Nachdem die Esperanza ihre dritte Weltumsegelung geschafft hat, möchte ich euch meinen Rückblick auf diese wunderschöne Zeit nicht vorenthalten.

Wir sind als Ehepaar und perfektes Team losgesegelt. Jeder hatte seine Aufgaben und wir haben uns wunderbar ergänzt. Das Vertrauen sich auf den Anderen verlassen zu können war immer da. Ich habe trotz meiner Seekrankheit meine Aufgaben an Bord immer wahrgenommen, war immer mit Rat und Tat zur Stelle und habe zu vielen Verbesserungen und auch Vermeidungen von größeren Problemen beigetragen. Somit habe ich einen großen Anteil an dieser gelungenen Weltumsegelung von Florian beigetragen.

In über 5 Jahren habe ich auf der Esperanza 25.215 Seemeilen zurückgelegt, das spricht für sich.

Die letzten von Florian alleine gesegelten 7.842 Seemeilen haben ihm, wie er selbst schreibt, viel Angst und Anstrengung gekostet, und das obwohl er die langen Strecken mit sogar 2 Helfern an Bord zurückgelegt hat.  An dieser Äußerung ist deutlich zu erkennen wie viel ich in den 5 gemeinsamen Jahren an Bord zu Florians Weltumsegelung beigetragen habe. Leider konnte ich die Reise aus teilweise bekannten Gründen nicht beenden, und habe „nur“ zu etwas mehr als ¾ der Weltumsegelung beigetragen.

Der Ausdruck “gute Gefährtin“ von Florian ist unpassend und trifft die Realität nicht. Tolle Leistung und tolle Frau finde ich für angebracht.

Für mich ist und war es eine unbeschreiblich tolle Reise und ich bin stolz dieses Abenteuer geschafft zu haben. Ich schaue voll Freude und Dankbarkeit auf die Zeit zurück und lasse mich nicht auf eine gute Gefährtin reduzieren.