Sonntag, 17. Juni 2018

DIE LETZTEN STUNDEN

15.6.-17.6.2018

Martina

Die letzten Tage und Stunden vergehen wie immer wie im Flug. Zuerst denkt man, man hat viel Zeit, aber wenn man viel Zeit hat, hat man auch viel vor.
Unsere Pläne bei Ankunft in Darwin waren, täglich bis zu Mittag an Bord zu arbeiten und dann die Umgebung zu erforschen.

Und so war es wirklich: jede freie Minute sitze ich und arbeite an der Diashow. Florian, schleift, streicht, Motorölwechsel, Dingi abdichten,  AIS reparieren, Sitzbank reparieren etc, etc.....



Vorher

Nachher
Am Donnerstag ist am Mindil Beach Night Market, und so raffen wir uns auf, lassen an Bord alles liegen und stehen und besuchen den Markt.


Ein buntes Treiben zwischen Kunst- und Fresstandeln beherrschen die Szene. Touristen vermischen sich mit Australiern und dazwischen immer wieder kleinere Gruppen von Aboriginals.
Besonders gefragt ist der Stand, der Tacos mit Krokodilfleisch verkauft. Imposant ist der große Räucherofen in dem 7 ganze Krokodile geräuchert werden sowie die Krokodilschädel, die zum Kauf eines Tacos verleiten.



Am Tag darauf machen wir eine 3 stündige Tour durch Downtown Darwin. Die Stadt ist von Wasser umgeben und dies versprüht ein angenehmes Urlaubsgefühl. Das Parlament und das Governerhouse belegen die schönsten Plätze der Stadt. Verkehrsstau kennt man hier nicht und gestresst scheint hier auch niemand zu sein.


Government House

Parlament von Northern Territory

Am Samstag 16.06. bei Sonnenaufgang läuft Florian beim Park Run (5 km), erstaunt mit seinen Laufschlapfen (Huaraches) und beeindruckt, als er als erster durchs Ziel geht  (jetzt wollen alle in Darwin solche Schlapfen) http://www.parkrun.com.au/darwin/results/latestresults/.

Danach verlegen wir unsere Esperanza auf den Privatsteg von Ingrid und Peter. Unsere Esperanza fühlt sich hier sehr wohl und sie bekommt hier eine sehr elitäre Betreuung durch die beiden.



Wir essen die letzten Reste vergangener Tage, packen unsere Taschen und in 2 Stunden sind wir auf dem Weg zum Flughafen.

WIEN WIR KOMMEN !!!

Mittwoch, 13. Juni 2018

LANGEWEILE

09.-13.06.2018

Florian

Eigentlich hätten wir uns ja Langeweile verdient. Aber wenn man mit Ameisen im Hintern geboren wurde, dann kann man einfach nicht still sitzen. Und außerdem ist NACH der Überfahrt VOR der Überfahrt.

Uns wird also nicht langweilig. Am Sonntag gings ins Deckchair Cinema (Liegestuhl-Kino), wo wir australische Filmkost ("Breath" - ein Surferfilm) genießen durften. Das Freiluftkino liegt in sehr nettem Ambiente, an der Küste direkt unter dem Parlament in einem tropischen Garten.



Martina werkt an unserem Lichtbildvortrag für den 19. Juli - das wird was ganz besonderes!
Wir machen Großeinkauf der nicht-verderblichen Sachen für Indonesien.


Ich habe mittlerweile unsere Bordbatterien erneuert (die alten Trojan T105 haben uns gute Dienste geleistet sind aber auch schon 5 Jahre alt). Wir haben nun Delkor 4 x 6V, 232 Amp -also 12 V 464 Amp. als Hausbatterien (Deep Cycle). Die sollten uns gut nach Hause bringen.



Durch das an Land schleifen des Dingi war der Kiel abgeschliffen - also neu laminiert und gestrichen und ebenso unsere Plicht, damit sie wieder repräsentativ ist (immerhin haben wir Österreicher ja bald EU Vorsitz).



Und schließlich bin ich unter die Bierbrauer gegangen und habe Root Beer angesetzt. Man muss sich ja schließlich um die Notversorgung kümmern.


Unsere ESPERANZA dürfen wir während unseres Heimaturlaubs an einem Privatsteg von Freuden von Freunden von Freunden lassen - dort ist sie gut aufgehoben und bewacht und wir sparen uns auch noch ein wenig Geld. Es geht uns also gut und wir freuen uns bereits auf unsere Lieben zu Hause!!

Sonntag, 10. Juni 2018

DIE LETZTEN MEILEN

Martina

8.6.2018

Wir stellen unsere Uhren um eine halbe Stunde zurück, denn in Northern Territory ist die Zeitzone UTC + 9:30 Stunde.
Florian möchte noch in der Fanny Bay Diesel auftanken und so fahren wir bei derzeitigem Tidenstand von mehr als 3 Meter über Niedrigwasser bis zur Tankstelle. Es ist ein eigenartiges Gefühl in der Seekarte 0,1 Meter Wassertiefe zu lesen, und den Kurs über diese Tiefen in die Einfahrt der Tankstelle anzulegen. Alles gut, wir haben nie weniger als 4 Meter auf unserem Tiefenmesser stehen.


Die letzten 8 Meilen bis zur Tipperary Waters Marina, wo wir uns schon vor Wochen einen Liegeplatz reserviert haben, führen uns rund um Darwin in eine große Bucht.


Hier ist es ebenfalls teilweise sehr seicht, aber es gibt eine gut betonnte Fahrwasserrinne durch die Mangroven. Blöd ist aber, dass viele Fischer- und Segelboote kreuz und quer in diesem Fahrwasser ankern. Es ist ein Slalomkurs zwischen Mangroven, Schiffen an Bojen und Moorings.


Durch die extremen und bis zu 8 Meter hohen Tidenunterschiede haben alle Marinas eine Schleuse. Dani, die Schleusenmeisterin der Tipperary Waters Marina hat uns auf Grund unseres Tiefganges einen Schleusentermin um 12 Uhr gegeben.

Wir sind pünktlich und sie wartet schon mit offenen Schleusentoren auf uns. Florian steuert langsam und präzise in die enge Schleusenbox. Das Schleusentor geht zu, wir werden ca. 2 Meter hinauf geschleust und dann gleiten wir in die entzückende Minimarina. Umgeben von Privathäusern mit eigenem Anleger befindet sich in der Mitte ein Schwimmsteg für externe Schiffe.


Wir machen unsere Esperanza fest und somit haben wir wirklich unser 5. Segeljahr abgeschlossen.
Schön langsam stellt sich auch das Gefühl der Erleichterung ein und wir lassen das letzte Jahr Revue passieren. Mit Sushi und Sashimi genießen wir einen wunderschönen, glücklichen und entspannten Abend.


Freitag, 8. Juni 2018

VERSÖHNUNG

07.06.2018

Florian

Bei Sonnenuntergang passieren wir New Year Island.


Am Morgen wird der Wind schwach und dreht zu sehr nach Ost, sodass wir vor dem Wind abkreuzen müssen. Von der Cobourg Halbinsel bläst wieder Rauch in unsere Nasen - es duftet weihnachtlich (und kalt ist es auch).

Wir genießen bei angenehmen Segelbedingungen unsere Tunfischsteaks, aber den passenden Weißwein lassen wir weg.


Zu Sonnenaufgang gibts einen ordentlichen Squall, 15 bis 20 Knoten pfeifen uns um die Ohren. Nur hört der Wind dann nicht mehr auf. Um 09:00 Uhr (3,5 Stunden VOR Darwin Hochwasser - Segelführer empfiehlt 5 Stunden VOR Darwin Hochwasser) sind wir bei Cape Don und unsere Geschwindigkeit legt mit der Strömung auf bis zu 10 Knoten zu.
Der Van Diemen Golf empfängt uns mit weiterhin gutem Wind und so zischen wir mit 8 bis 10 Knoten unter Vollzeug Richtung Südwest und machen Zeit gut. Ich wähle die direkte Route  - Cape Don zu Wegpunkt 11°49,419 S 131°25,585 O - und zurück auf die Schifffahrtsspur - und die Rechnung geht voll auf! Wer wagt gewinnt!!
Der scheinbare Wind fällt nie unter 15 Knoten - bis wir den Wegpunkt passiert haben. Dann schläft der Wind ein und ich starte um 15:00 Uhr die "Eiserne Genua". Um 17:30 Uhr (5 Stunden NACH Darwin Hochwasser) sind wir in der Einfahrt zu den Vernon Islands. Eigentlich sollten wir 2,5 Knoten mit uns haben, doch leider "schiebt" uns maximal 1 Knoten (wenn überhaupt). Bei Sonnenuntergang haben wir die Inseln passiert.



Der "berüchtigte" Van Diemen Golf liegt hinter uns - wieso berüchtigt ist mir nicht klar geworden. Wir motoren in die Nacht und mit der Flut weiter Richtung Darwin, das bereits am Nachthimmel leuchtet. Die einlaufende Flut ist strömungstechnisch nur mit etwa 1/2 Knoten zu bemerken - aber "einem g´schenkten Hund schaut man nicht in Mund" - man nimmt, was man kriegen kann. Die Einfahrt nach Darwin ist spannend, da auf der Seekarte vielfach Wassertiefen von lediglich 1-2 Meter aufscheinen - tatsächlich hat es laut Tiefenmesser zumindest 7 Meter - Darwin hat eine Tide von bis zu 6 Meter!
Um 23:30 Uhr bei Windstille fällt in der Fannie Bay der Anker und wir einander in die Arme. Wir haben es geschafft - Darwin wir sind da!! 415 sm seit den Wessel Islands. Ein versöhnlicher Abschluss unserer 2029 sm langen Odyssee von Bundaberg nach Darwin.

PS: Fotos der letzten Blogeinträge sind soeben nachgetragen!

Mittwoch, 6. Juni 2018

WEST, WEST, WEST

05./06.06.2018

Florian

Um 06:15 Uhr noch vor Sonnenaufgang gehen wir Anker auf. Der Wind ist südlicher und statt wieder herumzukämpfen zwischen Vorwind und Raumschot gehen wir auf Raumschot. Dadurch segeln wir zwar zu weit südlich, aber dafür rollen wir nicht sehr. Und wir sind schnell; mit 6-7 Knoten gehts nach west-süd-west. Jetzt purzeln die Längengrade. Kurz nach dem Abendessen schlägt die Angel an und ich ziehe einen kleinen (2kg) Tunfisch aus dem Wasser - Sashimi zum Dessert!


Die ganze Nacht bleiben wir auf Raumschot und kommen so relativ nahe an die Südküste der Arafurasee - das Northern Territory - an Land gehen verboten! Hier ist Aboriginal Land und man darf dieses nur mit einer besonderen Genehmigung betreten. Wir riechen süßlichen Rauch von Braunkohle. Es ist recht kühl - wahrscheinlich unter 25°C - und so wird scheinbar mit Braunkohle geheizt. So geht es durch die Nacht. Nach 24 Stunden haben wir bereits 163 sm zurückgelegt. Mit Sonnenaufgang um 7:00 Uhr bauen wir die Segel um. Nun gehts wieder Butterfly Vorwind nach west-nord-west und das Wackeln beginnt wieder.
Aber zum Glück sollte es nicht allzu lange dauern, denn vor Sonnenuntergang sollten wir noch New Years Island passieren, und dann gehts durch die Nacht um die Cobourg Halbinsel zum Cape Don.


Von dort durch den Van Dieman Golf zu den Vernon Inseln herrschen starke Strömungen. Laut örtlichem Segelführer soll man 5 Stunden vor Darwin-Hochwasser Cape Don passieren (das wäre Morgen Donnerstag um 07:22 Uhr), dann mit 8 Knoten den Van Diemen Golf durchqueren, damit man rechtzeitig bei den ca. 60 sm entfernten Vernon Islands ist. Dort hat es bis zu 4 Knoten Strömung - je nach Tide; also unpassierbar wenn auf die Nase. Das ist das "Einfahrtstor" nach Darwin. Und bis dorthin gehts dann mit einlaufender Flut. Klingt eigentlich eh einfach...

Dienstag, 5. Juni 2018

BOXENSTOP

04.06.2018

Florian

Unser Ankerplatz ist perfekt, trotz Wind kein Schwell. Wir genießen eine ruhige Nacht und schlafen uns prächtig aus. Heute gibt es einige Wartungsarbeiten anläßlich unseres Boxenstops. Ich repariere den Spinnakerbaum. Der ist zwar nun ein wenig kürzer, aber für die Fock ist er eh noch immer zu lang.


Bei einer Relingstütze sind die Befestigungsschrauben abgerissen, ich schätze es hat sich eine Leine der Genua darin verhängt. Auch das ist bald repariert. Manchmal werde ich gefragt, ob das normal ist, dass bei uns so viel zu reparieren ist. Auf dem supermodernen Katamaran TIGRESS hat sich bei der Überfahrt die Spinnakerschot verhängt, sodass Florrie in den Mast musste, um die Leine abzuschneiden. Heute muss er wieder im Mast herumturnen, um eine neue Leine einzufädeln. Sie sind gezeichnet von der Überfahrt, verzichten bis Darwin auf weitere Nachtfahrten und hanteln sich ab hier die Küste entlang. Auf den modernen Schiffen wird noch mehr kaputt als bei uns, denn die ESPEANZA hat keinen unnötigen Schnick-Schnack und das was sie hat, ist sehr robust gebaut. Ich wundere mich bei Formel I Rennen auch immer, dass dauern etwas kaputt wird. Wahrscheinlich haben die auch schlechte Mechaniker und billige Gerätschaften. Wer einmal die Belastungen erlebt hat, die bei einer Überfahrt auf die ESPERANZA einwirken (zB Relingstütze), der wird sich wundern, dass nicht mehr kaputt geht.

Zu Mittag sind wir wieder tip-top in Ordnung für unsere nächste Etappe und gehen den Strand erkunden.



Martina hofft auf tolle Muscheln, wird aber enttäuscht. Nur weil eine Insel entlegen liegt, muss es dort noch lange nicht tolle Muscheln geben. Allerdings ist der Strandspaziergang dennoch nicht langweilig. Wir sehen einige Krokodilspuren im Sand - das schafft schon eine besondere Atmosphäre.



Morgen gehts weiter 300 sm bis Cape Don. Dort erwarten uns besondere Strömungsspiele - wir sind schon gespannt!

Sonntag, 3. Juni 2018

WETTKAMPF

02./03.06.2018

Florian

So leicht wird nicht aufgegeben. Ab Martinas Wache dreht der Wind wieder auf und wir kommen gut weiter. Bei Sonnenaufgang gehen wir Butterfly, um Tempo zu machen - und das machen wir dann auch. Bis zu Mittag haben wir aufgeholt und verzeichnen ein Etmal (also 24 Stunden von 12:00 Uhr bis 12:00 Uhr) von 144 sm. Die Chance lebt!

Unser neues Problem ist allerdings, dass der Wind weiter nach Süd dreht - zu viel für Butterfly, zu wenig für Raumschot - das kennen wir ja von unseren Windhexen. So fahren wir also zick-zack unsere Kurslinie entlang. Die zweite Nacht gehen wir auf Raumschot mit Vollzeug (alles oben, was wir haben - sogar meine Unterhosen). Auf diesem Kurs machen wir zwar zu viel Süd, aber dafür geht es angenehm ruhig durch die Nacht, da die ESPERANZA so nicht rollt.

Wir schlafen gut und am Morgen baue ich wieder auf Butterfly um. Das zweite Etmal beträgt 147 sm - schaut gut aus! Gegen 13:00 Uhr sind wir so weit nördlich, dass wir wieder auf Raumschot gehen können und die letzte Strecke bis zum Cape Wessel - auch durch die ruppige See - gut vorankommen. Um 16:00 Uhr umrunden wir Cape Wessel und sind damit im Wellenschatten der Insel - angenehm!



Um 17:00 Uhr nach exakt 350 sm fällt der Anker in der Two Island Bay (11°04,525´S 136°43,788´O). Der super schnelle Katamaran TIGRESS (Shonning 43) mit Florrie und Sue, der gleichzeitig mit uns aufgebrochen ist, ist schon da. Sie sind um 14:30 Uhr angekommen, nur 2:1/2 Stunden schneller und wundern sich entsprechend, dass wir auch schon hier sind. Die ESPERANZA hat wieder einmal gezeigt, was in ihr steckt!