Sonntag, 30. September 2018

100

30.09.2018

Florian

Wir sind im Juli 2013 aus Lignano aufgebrochen und das liegt auf 13° östliche Länge. Mittlerweile habe ich den 113° Längengrad Ost überquert und habe daher noch noch 100 Längengrade nach Hause - ich kann meine Berge also schon fast riechen.

Bislang habe ich über 25.000 Seemeilen zurückgelegt.

Dieses ist der 1329. Bloggeintrag und über 825.000 Menschen haben unseren Blog bislang gelesen.

Manchmal hilft es sich die eigenen Leistungen vor Augen zu halten, um Kraft zu sammeln für den weiteren Weg.

Samstag, 29. September 2018

DEN MUTIGEN....

26.-29.09.2018

Florian

Die wichtigen Dinge im Leben bedürfen insbesondere einer Eigenschaft - MUT. Er war gefragt, als wir vor über 5 Jahren die Leinen losgeworfen haben, und er ist jetzt wieder gefragt, wenn ich alleine die Reise fortsetze. Aber wie sag ich immer:"Wer nix riskiert, g'winnt nix." Natürlich gehen mir tausende Gedanken durch den Kopf, wie denn alles sein wird (wie in jeder kritischen Phase meines bisherigen Lebens). Ich werd' s ab sofort herausfinden - den Mutigen gehört die Welt!

Um 13:00 Uhr gehe ich in Bali Anker auf. Mit wenig Wind gehts in die erste Nacht alleine. Mit 15 minütigen Schlafintervallen "arbeite" ich mich durch die Nacht - mühsam, aber es geht. Zur Not hätte ich einen "Zaubertrank mit, der hier lediglich 30 Cent kostet.



Der Sonnenaufgang ist wie immer eine Erlösung, denn die Dunkelheit schafft schon auch ein gewisses Unbehagen.

Sonnnenaufgang
Ein Schleppverband kommt und weicht nicht aus, also muss ich aus dem Weg.

Abstand halten!
Um 13:00 Uhr fällt der Anker nördlich von Pulau Raas; es gibt eine Eierspeise von 4 Eiern (wobei eines nicht mehr ganz so gut gerochen hat) und dann kann ich mich ausschlafen.

Bei Sonnenaufgang geht es weiter - hinaus in die Javasee. 140 sm - das Doppelte von gestern. Doch der Wind meint es gut mit mir - allerdings Vorwind, und so rolle ich dahin.  Es gibt hier einigen Schiffsverkehr, und die Schiffe sind hochseetauglich.





Manchmal kreuzt ein Schiff ganz knapp vor mir meinen Kurs - ich habe schon gehört, dass die Fischer ihr Unglück an anderen Schiffen "abstreifen", indem sie knapp vor deren Bug vorbeifahren.

Unglück Abstreifen?

Auch in der Nacht gibt es viele Lichter und Verkehr, aber auch diese Nacht geht mit einem wundervollen Sonnenaufgang zu Ende und bald taucht Bawean im Dunst auf. Die Welle wird ungemütlich und so beschränkt sich das Frühstück auf Obst und Müsli.

Um 12:00 Uhr fahre ich in die Nordbucht von Bawean ein und sehe zwei Masten am Ankerplatz - LIONHEART und ODDITY -  es ist immer wieder schön Freunde zu treffen. Aber zunächst freue ich mich auf eine ausgedehntes Mittagsschläfchen. Schlafmangel - das Schicksal des Singlehanders.

Ankerplatz Bawean

Dienstag, 25. September 2018

EINHANDSEGLER

24.09.2018

Florian

Manche Dinge im Leben sind schwierig, müssen aber gemacht werden. Unsere ESPERANZA ist mir zu klein geworden und so verlässt Martina das Schiff. Sie wird nach Österreich fliegen und ich bringe die ESPERANZA als Einhandsegler nach Hause.

Die Zukunft ist ungewiss - aber wann war sie das nicht?

Haltet mir und Martina die Daumen!

BALI TÄNZE

22.9./23.9.2018

Martina

Mit einem kleinen Mietauto mache ich mich alleine auf den Weg durch Bali. Mein Navi führt mich über enge, steile Straßen Richtung Süden. So steil, dass man hier abwartet, bis das Auto vor einem den Stieg geschafft hat, erst dann fährt man selbst auch hinauf. Man hupt vor den engen steilen Kurven, damit man einen möglichen Entgegenkommenden warnt. Das alles bei Linksverkehr und hunderten Mopeds, die wie lästige Gelsen von überall nach überall fahren und mir teilweise dreispurig entgegen kommen. Nach anstrengenden 2 Stunden Fahrt erreiche ich mein erstes Ziel. Die "Jatiluwih Rice Fields" sind ein UNESCO Kulturerbe. Diese liegen etwas abgelegen von den gängigen Reiserouten und somit ist es nicht ganz so touristisch. Außerdem sind die Straßen so eng, dass es kein Autobus hierher schaffen würde. Ich bin überwältigt und genieße diese beruhigende Harmonie der Reisfelder.




Am Strassenrand blühen die Weihnachtssterne und ich bekomme Heimweh.


Voll bepackte LKWs und Mopeds sind ein alltäglicher Anblick hier, aber für mich ist es nach wie vor erstaunlich, wieviel man auf so ein Fahrzeug packen kann. Ich fahre durch kleine abgelegene Ortschaften, und wenn ich nicht wüsste, dass es sich um Wohnhäuser handelt, würde ich glauben, dass hier eine Tempelanlage neben der anderen steht.



Der Bäcker




Mein Abendziel ist "Ubud", die Stadt für Bali Kunsthandwerk und Kultur. Ich schaffe die 92 km in 5 Stunden Fahrzeit, soviel zu den Straßen- und Verkehrsbedingungen.
Es ist kein Problem noch eine Karte für die heutige Tanzvorführung zu bekommen und dann gehts ans Schlafplatz suchen. Der Verkehr in Ubud ist erheblich, Parkplätze gibt es im Zentrum so gut wie keine und ich will ein Hotel im Zentrum, um zu Fuß zur Show und zum Hotel gehen zu können. Den ersten Parkplatz vor einem Hotel nehme ich, und ich habe Glück. Zimmer frei, und es ist sogar so ein richtiges Indonesisches "Tempelhaus"

Die balinesische Tanzvorstellung ist spannend. Die 8 verschiedenen Choreographien sind größtenteils alt und historisch, die Musik ist ebenfalls traditionell. Das beachtliche ist, dass das Orchester 90 Minuten ohne Noten oder irgendeiner Gedächtnisunterstützung durchspielt.

Die Tänze bieten sehr wenig Schrittmaterial, die Choreographie besticht durch Arm-, Hand- und Fingerbewegungen, ein sehr großer Effekt wird auch durch ihre choreographierten sprechenden Augenbewegungen erzielt.




Für den zweiten Tag stehen nach einem Bummel durch den Markt von Ubud....




.......die Sekumpul Wasserfälle auf dem Programm. Diese liegen etwas abseits meines Heimweges und deshalb verlasse ich Ubud schon wieder um 9:30 Uhr. Dank Googel Maps findet man ja überall hin, doch manchmal traue ich den Angaben der netten Frauenstimme nicht, denn die Strassen sind teilweise so schmal, dass ich dann doch lieber einen Umweg nehme und etwas breitere Straße wähle.

Wieder geht es über enge Kurven den Berg hinauf, teilweise erwischt mich ein Regenguss und ich befürchte schon, dass der "Wasserfall ins Wasser fällt"

Doch ich habe Glück und die dunklen Wolken verziehen sich. Am Parkplatz bekomme ich einen netten jungen Guide namens  Kadud zugewiesen, der mit mir, und seinem Moped die restlichen 5 Kilometer zurück legt und mir dann 7 Wasserfälle zeigt.

Auf den Kaffee in dem "Warrung" habe ich aus Sicherheitsgründen verzichtet

Über 360 Stufen geht es hinunter, und teilweise sind sie so hoch, dass es eigentlich zwei sein müssten. Kadud ist sehr besorgt um mich, trägt meine Badetasche, borgt mir seine Flip Flops und bietet mir eine stützende Hand, wann immer er glaubt, dass sie notwendig ist.


Der größte Wasserfall trägt den Namen Grombong. Die Wassermassen fallen über eine dicht bewachsene senkrechte Felswand. Das Wasser ist erfrischend und die Wasserfalldusche leicht schmerzhaft.






Erstmalig sehe ich wie unsere Gewürznelken wachsen. Es sind die Früchte eines riesigen Baumes, gepflückt wird hier per Hand, und dann werden die kleinen Früchte in der Sonnen getrocknet. Der Duft ist so stark, dass es in der Nase richtig brennt.


Auffällig sind die vielen Frauen, die hier am Bau arbeiten. Egal ob Strassenbau oder Hausbau, die Frauen schaufeln, schleppen und betonieren. 



Gegen 18 Uhr bin ich wieder zurück in Lovina und freue mich, dass ich es ohne Irrfahrten oder Unfall geschafft habe.

Samstag, 22. September 2018

BALI

19.-21.09.2018

Florian

Bei Windstille legen wir von Gili Air ab und motoren Richtung Bali, das etwa 25 sm entfernt liegt.Vorbei an Gili Meno und Gili Trawang kommen wir bald in durch die starke Strömung unruhiges Wasser. Die Strömung zwischen Bali und Lombok - also der Lombok Straße - kann bis zu 5 Knoten nach Süden betragen und der Wind in der Düse zwischen den beiden Inseln kann rasch auf Sturmstärke zulegen.

Auch wir kommen nach etwa 45 Minuten aus dem Windschatten und von Windstille frischt es auf bis zu 20 Knoten auf - segeln vom Feinsten ist angesagt. Rasch kommt Bali näher und wir lassen den Anker vor Amed an der "Schulter" von Bali fallen.
Bali voraus
Nach einer ruhigen Nacht gehts bei Tagesanbruch weiter. Viele FADs (Fish Attracting Devices) kommen in unseren Weg; bei Nacht braucht man hier nicht segeln. Und hunderte kleine fischende  Auslegerkanus segeln im Morgengrauen vor Bali. Zunächst haben wir noch Wind, doch nimmt dieser bald ab, da wir wieder im Windschatten sind. Der Gunung Agung thront über der Insel und grüßt uns auf unserem Weg.

FAD

Hunderte Fischerboote am Horizont
Gunung Agung

Der von Sail Indonesia empfohlene offizielle Ankerplatz vor Singaraja im Norden Balis ist unbrauchbar, da über 100 m tief - die Organisatoren von Sail Indonesia haben keine Ahnung von Segeln. Also gleich 5 sm weiter nach Lovina, wo nach insgesamt 48 sm der Anker fällt. Ein wunderbarer Ankerplatz - und viele unserer Freunde sind bereits hier.

Lovina


Lovina ist wesentlich gepflegter, als alles andere, was wir bislang von Indonesien gesehen haben. Urlaubsdestination, Straßenverkäufer, viele kleine Restaurants, hunderte Tempel, schwarzer Badestrand - Tourismus eben.




Am Markt finde ich Schlangenfrüchte - wegen der Schale.  Sie schmecken wie eine Mischung aus Zwetschke, Birne, Stachelbeere und Litschi.

Snake fruit - Schlangenfrucht



Nach einigen Diskussionen erhalte ich meine Visumsverlängerung wofür ich US$ 70 an die Sail Indonesia Organisatoren bezahlt habe (20 Gebühren, 50 Honorar). Behördenverfahren sind einfach mühsam. Bei anderen Seglern wurde der Pass zu spät eingereicht, wodurch diese nun pro Tag nach Ablauf des Visums US$ 35 Strafe bezahlen müssen - Grüß Gott in Indonesien.

Dienstag, 18. September 2018

GILI AIR

16./17.09.2018

Florian

Der mühsamste Teil des Kindergartens ist fertig, andere dürfen weiterbauen. Wir brechen daher auf, aber nicht weit. Im Lonely Planet Reiseführer steht bei den Sehenswürdigkeiten Indonesiens an erster Stelle der Komodo-Nationalpark und an zweiter Stelle die Gili Inseln.

Die Gili Inseln - Trewangan, Meno und Air - liegen im Nordwesten von Lombok, also nur ein "Hupfer" von der Medana Bay Marina entfernt. Wir segeln nach Gili Air, denn dort gibt es gute Muringbojen zum Festmachen und es sind auch viele frei. Das Erdbeben hat die Inseln besonders hart getroffen, denn das Epizentrum war im Nordwesten von Bali.




Gili Air ist klein und touristisch voll entwickelt. Ich laufe zwei Runden auf dem Küstenweg um die Insel -  fast exakt 5 km ist eine Runde. Viele nette Hotels und Restaurants, aber viele zerstört und an einem Eck türmt sich der Müll.


Auffällig ist, dass die traditionell in Bambus, Holz und Grasmatten errichteten Häuser stehen, die Häuser aus Ziegel und Beton aber beschädigt oder eingestürzt sind. Genau das haben wir auch mit dem Kindergarten versucht den Menschen zu verdeutlichen, dass sie in ihren traditionellen Baustoffen arbeiten sollen, denn die sind mehr oder weniger erdbebensicher, billig und leicht erhältlich. Die Kindergartenkonstruktion soll auch ein Vorzeigemodell für weitere Bauten dieser Art auf Lombok werden.

Die Stromverteilerstation der Insel

So gehört hier gebaut!
Gili Air ist also eine angenehme Urlaubsdestination, wenn man touristische Einrichtungen möchte. Es gibt keine Autos hier, man ist in Badeschlapfen oder barfuß unterwegs (ich bin meine zweite Runde um die Insel barfuß gelaufen - bisserl heiß manchmal im Sand, das macht schnell) und die einzigen Transportmittel sind Pferdekutschen und Fahrräder (die im weichen Sand oftmals geschoben werden müssen).


Morgen gehts nach Bali!

Sonntag, 16. September 2018

ELEPHANT PARK

14./15.9.2018

Martina

Ich kämpfe mich heute durch meinen prall gefüllten Kleiderkasten und sammle einen Sack Gewand zusammen. Mit diesem und zwei Tennisbällen mache ich mich auf den Weg, um noch einmal beim Kindergartenaufbau zu helfen.
Schon bald treffe ich auf eine kleine Gruppe Frauen in verschiedenstem Alter. Ich zeige ihnen meinen Kleidersack und zuerst glauben sie, dass sie das Gewand für mich waschen sollen. Erst als ich es schaffe ihnen zu erklären, dass ich ihnen die Sachen schenken möchte kommt Begeisterung auf. In 30 Sekunden haben meine Klamotten neue und glückliche Besitzer. Es ist schön zu helfen.


Beim Kindergarten kann man die Fortschritte auch schon erkennen...


...und ich bekomme heute die Aufgabe Puzzle zu spielen. Ja, die Pflastersteine des Außensitzbereichs haben sich bei dem Erdbeben verschoben und sind gebrochen. Puzzlen habe ich schon immer geliebt und so bin ich in meinem Element. Nach 3 Stunden ist der Sitzplatz für die Kinder wieder benutzbar.



Das reicht dann auch für heute, denn die Knie und der Rücken geben eindeutige Stoppsignale.

Unser letzter Tag auf Lombok führt uns zum heute wiedereröffneten "Elephant Park". Wir sind die ersten Besucher seit dem Erdbeben und werden dementsprechend freundlich empfangen.


Abgesehen von dem liebevoll angelegten Tierpark und dem persönlichen Begleiter, der uns alles genau erklärt, ist das Besondere hier, dass man viele dieser Tiere angreifen und ganz aus der Nähe betrachten darf.










Selbst den Orangutan Fallon dürfen wir hautnah erleben.


Die Schlangen und Leguane sind mir dann schon beinahe zu nahe. Ein tolles Erlebnis