Freitag, 29. September 2017

SANIERUNGEN

28./29.09.2017

Florian

Einige Dinge gehören auf der ESPERANZA repariert. Am vordringlichsten ist der Bugspriet - das ist das Stangl, das da vorne am Bug herausschaut. Der Stahlring, an dem das Wasserstag, das Vorstag der Genua und die beiden seitlichen Abspannungen befestigt sind hat sich zu sehr ins Holz gedrückt, da muss ich etwas dagegen unternehmen.



Also habe ich alles abgebaut und die "Holznase" aus dem Bugspriet gezogen.



Mit Epoxykitt und Glasfaser bessere ich das eingedrückte Holz aus und verstärke alles.



Mit einem schwarzen Plastiksack ummantle ich das aushärtende Epoxy, um es in der Sonne zu erhitzen und dadurch bessere Festigkeit zu erreichen (kleiner Tipp vom Schiffsnachbar). Jetzt muss ich nur noch abschleifen und lackieren, dann kann ich alles wieder zusammenbauen und dann sollten wir gut gerüstet für die Überfahrt nach Australien sein.


Auch unser Dingi braucht Zuwendung. Immer mehr Wasser dringt in den doppelten GFK-Boden ein. Also will ich diesen Zwischenraum mit PU-Schaum auffüllen, um das Wasser draußen zu halten. Ich habe noch eine Dose an Bord, doch als ich sie verwenden will ist das Ventil verstopft. Kein Problem, ich habe ja eine Bohrmaschine und so bohren ich das Ventil auf. Das hätte ich nicht machen sollen. Peng! macht es und dann ist alles voll mit PU-Schaum.






Das Reinigen hat lange gedauert - das Zeug klebt unglaublich. Irgendwo werde ich hier hoffentlich PU-Schaum finden und dann gibts einen neuen Versuch.

Mittwoch, 27. September 2017

STADTPFLANZEN

26./27.09.2017

Martina

Um 16 Uhr haben wir die Havannahpassage erfolgreich hinter uns gebracht. Der Wind ist mit uns und wir segeln bis auf die letzten 5 Seemeilen bis zur Hafeneinfahrt von Noumea, der Hauptstadt von Neu Kaledonien.


In dieser Bucht gibt es unzählige Yachten, die hauptsächlich an Bojen hängen, einen großen Frachthafen und einen Bereich, der Marine vorbehalten ist. Ein kleiner Bereich ist für Ankerlieger frei und wir lassen unseren Anker nach 3 Tagen und 8 Stunden in 11 Metern Wassertiefe fallen. Die Schweizer Yacht Ulani liegt auch hier und Philipp klärt uns über das Einklarierungsprozedere auf.

Heute ist es für die Behörden schon zu spät, angeblich alles kein Problem und alles sehr entspannt und freundlich.
Wir essen noch etwas, verwandeln unsere Esperanza wieder vom Segelschiff  in ein Wohnschiff und fallen früh in unsere Kojen.

Unser erster Weg in der Früh ist in die Marina Port Moselle, eine nette Marina mit Schwimmstegen und Platz für ca. 500 Yachten. Die Dame an der Rezeption übergibt uns ein Informationsblatt mit einem Ausschnitt einer Strassenkarte und Markierungen, wo wir überall hin gehen müssen. Wir bekommen Aufgrund einer Stornierung einer Yacht einen Liegeplatz in der sehr begehrten Marina.
Einklarieren in Neu Kaledonien ist kostenlos, wir bekommen eine Aufenthaltserlaubnis für 3 Monate. Nach 1 Stunde haben wir alles erledigt und fahren zurück auf die Esperanza, die Mittlerweile durch den aufgekommenen Westwind wieder ihre Freudensprünge vollbringt. Wir verlegen uns in die Marina und so werden wir nach 5 Monaten wieder zu Stadtpflanzen.
Die Dame der Umweltbehörde kommt um 14 Uhr auf die Esperanza und sammelt einige unerlaubte Lebensmittel ein: Zwiebel, Knoblauch, Sonnenblumenkerne, Ingwer und Kokosnuss. Wir waren schon gut vorbereitet und haben seit Tagen alles verzehrt, was man nach Neu Kaledonien nicht einführen darf.

Ich freue mich nun schon sehr auf die hier herrschende Zivilisation.

SEGLERINFO: Es ist nicht richtig, dass man nur Noumea als ersten Hafen anlaufen darf. Schickt man das Formular über die temporäre Einfuhr seiner Yacht (IFT) samt den Ausreisedokumenten des letzen Landes per e-mail an die Zollbehörden in Noumea, darf man Lifou und 4 anderen Zollhäfen anlaufen.  Mit den Umweltbehörden (Biosecurity) muss man das ebenfalls abklären. Jedenfalls muss man danach binnen 72 Stunden in Noumea einklarieren, da nur dort die einzige Immigration ist. Es ist laut den Zollbehörden in Noumea also nicht erforderlich irgendwelche Honorare an irgendwelche Agenten zu bezahlen oder sich irgendwelchen Rallys anzuschließen, nur um in Lifou anzulanden. Informiert man sich weiters, wann Immigration-Beamte in Lifou sind (etwa weil gerade irgendeine Rally durchkommt), dann  kann man auch dort die Immigration durchführen und muss nicht binnen 72 Stunden nach Noumea. Alles Details dazu findet man auf der Homepage www.douane.gouv.nc. Also Anrufen bei Immigration, wann ein Beamter in Lifou sein wird, dann kann man davon ausgehen, dass auch Biosecurity und Customs vor Ort sind und man in Lifou komplett einreisen kann - ohne hohe Honorare an Rallys (Down Under oder Go West, etc.) zu bezahlen.


Montag, 25. September 2017

STRÖMUNGSWAHNSINN

Martina

Hart am Wind kämpfen wir uns Meile um Meile nach SSW, das gelingt uns manchmal besser manchmal schlechter je nach Strömung. Diese Überfahrt steht unter dem Motto Strömungswahnsinn. Stundenlang versuchen wir mehr Ost als Süd zu machen, um einen besseren Winkel für unseren Zielhafen Noumea zu haben, bis dann die Strömung wieder kippt und uns unsere Bonusmeilen zunichte macht. Am Sonntag um 15 Uhr geben wir uns der Strömung geschlagen und ändern unseren Kurs, um Lifou im Norden zu passieren. Mit einem Schlag haben wir einen angenehmeren Kurs, den ich gleich zum Kochen nütze. Florian holt sich noch rasch einen neuen Wetterbericht und der verspricht für unseren derzeitigen Kurs nichts Gutes. Im Westen von Lifou dreht der Wind in den nächsten Stunden noch stärker nach Süden, sodass wir keine Chance hätten ans Südspitzerl von Neu Kaledonien zu kommen. Es bleibt uns nicht erspart, wir müssen im Osten vorbei. Zwei Mal müssen wir in der Nacht aufkreuzen, um schließlich mit Motorunterstüzung am Südkap von Lifou vorbeizukommen.

Die Stimmung an Bord ist gut, aber der Alltag ist sehr Kräfte raubend. Ich verzichte auf Dinge wie Waschen und Frisieren und bin froh ohne Verletzungen das Kochen und Abwaschen teilweise sitzend am Boden verrichten zu können. Alles läuft gut, bis wir beide einen unangenehmen Qualm im Salon riechen. Was ist denn jetzt wieder los? Die Stimmung ist mit einem Schlag angespannt. Hart am Wind mit einer Kränkung von ca. 30° begibt sich Florian in den Motorraum und kann nach wenigen Minuten Entwarnung geben. Es ist nur ein Gummistoppel vom Motor runter gegangen und dadurch hat sich etwas Öl in unserem Motorraum verteilt. Stoppel gefunden und gleich wieder zugestoppelt - immer diese Aufregungen so mitten am offenen Meer!


Heute Montag ist der Wind etwas schwächer und wir genießen einige Stunden mit Lesen und Pandanus flechten im Cockpit, zwar mit
T-Shirt und langer Hose, weil der Wind aus der Antarktis wirklich kühl ist. Ja ihr habt richtig gelesen, ich leide bei dieser Überfahrt nicht an Seekrankheit und kann mir die Überfahrt mit verschiedensten Tätigkeiten verkürzen. Wenns immer so wäre, ja das wäre super für mich!


Durch das Aufkreuzen ist unsere Ankunft in Noumea erst am Dienstag den 26.9. am Abend zu erwarten. Wir segeln in die dritte Nacht und drehen um 22:00 Uhr bei, da wir durch den Havannahpass, der im Süden von Neu Kaledonia nach Noumea führt, nur bei Tageslicht segeln wollen. Um 04:00 Uhr löst Florian wieder die "Handbremse" und es geht zur Einfahrt. Die Riffpassage ist 40 Seemeilen lang, die Strömung ist stark und wir haben Glück, dass die Windrichtung mit der Strömungsrichtung für uns perfekt passt. Bei schwachem Wind von Achtern saugt uns der Strom nach Noumea und wir erreichen eine Geschwindigkeit von über 6 Knoten. Jetzt erfreuen wir uns an der Strömung und an 40 Seemeilen segeln ohne Welle.


Neu Kaledonien ist erfolgreich bezwungen!

Sonntag, 24. September 2017

KAROTTEN

Florian

Wer kennt sie nicht die Karotten, die einem vor der Nase baumeln, so weit entfernt, das man sie gerade nicht erreicht. Ich habe auf unserer Überfahrt nach Noumea/Neu Kaledonien zwei Karotten vor der Nase. Die eine war gestern Nacht. Der Wind - entgegen aller Vorhersagen - ist eingeschlafen. Allerdings nicht ganz, sondern gerade so weit, dass die Segel manchmal schlagen und heftig in die Schotten hineirucken und manchmal eben nicht. Wir bewegen uns mit 1,5 bis 3 Knoten voran. Bei 1,5 denke ich, dass es sinnlos ist - besser alle Segeln einholen und Schlafen gehen, doch sobald ich mich dazu aufraffe - TRARA!!- 3 Knoten Fahrt, und ich denke: "Na lassen wir sie noch ein wenig drauf", - bis der Wind, keine 3 Minuten später, wieder weg ist und die Segel wieder schlagen, etc.

Die zweite Karotte mit der ich kämpfe ist die Kurserreichung oder -verfehlung, je nachdem ob man das Glas als halb voll oder halb leer betrachtet. Wir wollen zur Havannahpassage an der Südspitze von Neu Kaledonien - Kurs 195°. Wir schaffen das ums A.... nicht (Kurs 197°), und dann wieder doch. So verlieren wir Meter um Meter von unserer Kurslinie, denn die Strömung drückt uns nach Westen und das können wir insofern nicht brauchen, als 40 sm vor uns die Loyalty Islands mit der Insel Lifou liegt, in die wir hineinkrachen, wenn wir nichts unternehmen. Wir wollen im Süden vorbei, um gut zur Havannapassage zu kommen. Wir knüppel also bei 18-20 Knoten gegen die Welle, die unsere ESPERANZA immer wieder hart trifft, sodass das ganze Schiff erbebt - nicht witzig. Aber schaffen wir es??



Wie also mit diesen Karotten umgehen?? Ich habe meine Lösung für die Windspielereien der Wetterhexen gefunden. Ich gehe hinaus an Deck, beschimpfe den Wind und die hinterlistigen Wetterhexen, und denke:" Mit mir nicht!". Dann fühle ich mich besser, berge die Segel und lege mich schlafe, bis der Wind wieder wirklich zurück ist. Das hat gestern Nacht 30 Minuten gedauert. Seither sehen die Wetterhexen ein, dass man sich mit mir nicht blöd spielen kann und seither bläst der Wind mit 15 Knoten wunderbar.

Und die Kurskarotte? Ich denke: "Wir sind nicht auf der Flucht!", und wir werden Lifou daher im Norden passiern und dann schauen, wie es weitergeht. Vielleicht haben wir dahinter weniger Strömung oder der Wind dreht nördlicher - oder wir brauchen eben 3 Tage länger nach Noumea. Mir braucht man keine Karotte mehr vor die Nase hängen (ich mag Karotten eh nicht). Oder werde ich schön langsam alt??

Samstag, 23. September 2017

GUTE WINDE

Martina

23.09.2017

Wir studieren die Windvorhersagen und mein Drängen gleich weiter nach Port Vila zu segeln hat sich bestätigt. Das Wetter verspricht in den nächsten Tagen östliche- und angenehme Windstärken die bis Mittwoch den 27.September anhalten sollen, danach dreht der Wind wieder nach Süden und zeigt viel weniger östliche Komponenten mehr bis 6. Oktober. Nachdem wir gerne nach Neu Kaledonien möchten, und der Windwinkel für die Strecke nach Australien von dort auch viel besser für uns ist, verlassen wir Vanuatu schon heute.

Bei den Ausreisebehörden treffen wir weitere Segler, die so wie wir weiter nach Noumea - Hauptstadt von Neu Kaledonien - oder gleich nach Australien segeln wollen. Unsere Entscheidung ist offenbar richtig und wir freuen uns auch wieder auf neue Abenteuer.

Unsere Einkaufsliste ist kurz und rasch erledigt. Gekauft wird nur das Notwendigste, denn in Neu Kaledonien, das zu Frankreich gehört, erwartet uns wieder ein Supermarktparadies.
Es bleibt uns noch Zeit für eine 1 1/2 stündige Massage und dann verbringen wir noch mit SY Time Bandit und SY Randivag einen netten Abend in einem Texanischen Bier- und Steakhaus. Florian ist besonders begeistert.
Ich klebe noch am Abend mein Seekrankheitspflaster hinters Ohr und hoffe auf eine angenehme 2 1/2 tägige Überfahrt. Neu Kaledonien wir kommen!

Freitag, 22. September 2017

KAMPF ZURÜCK

21./22.09.2017

Florian

Bei Tagesanbruch um 05:10 Uhr läutet der Wecker. Ich mache das Schiff fertig, Martina ist sämtlicher Pflichten entbunden, sie soll nur rasch gesund werden. Also ist Einhandsegeln angesagt. Unter Motor und Segel verlassen wir die Maskelyn Islands. Sobald wir das schützende Riff hinter uns lassen beginnen natürlich die Wellen. Unser Ziel Epi liegt 20 sm im Osten - Kurs 105° - genau gegen den Wind. Doch wir haben Glück, denn die Strömung drückt uns in die richtige Richtung und so müssen wir nur zweimal aufkreuzen und erreichen zu Mittag Epi.

Martina ist wieder auf den Beinen und hat natürlich gleich übermütige Ideen - wir könnten doch gleich nach Port Vila weitersegeln und nicht erst morgen (wie ursprünglich geplant). Ich lasse mich überreden und nach einer Pause gehen wir um 15:00 Uhr wieder Anker auf und legen Kurs 178° nach Port Vila an. Die Strömung drückt uns nach Süden, aber der Wind kommt aus Südost - wir kämpfen um jedes Grad in die richtige Richtung.

Als wir in der Nacht Epi hinter uns lassen, kommt die Strömung auf einmal von Osten und schiebt uns nach Westen. Wir können die Höhe nicht halten, segeln so hart am Wind, wie es die ESPERANZA kann und knallen natürlich in die Wellen - so geht es die ganze Nacht - an Schlaf ist nicht wirklich zu denken. Bei 15-20 Knoten scheinbarem Wind schieben wir so viel Lage, dass oft auch die Scheuerkante im Wasser ist. Aber wir sind sehr schnell und so sollten wir bereits um 02:00 Uhr bei der Einfahrt nach Port Vila ankommen.

Tatsächlich kommen wir um 03:30 Uhr 10 Meilen westlich der Einfahrt an. Also Wende und aufkreuzen in die stockdunkle Nacht. Haben wir nach Süden Kurs 175° gemacht, schaffen wir nun Kurs 25° auf der Kreuz - es ist frustrierend, wir kommen Port Vila nur ganz langsam näher. Dafür entschädigt uns ein wunderbarer Sonnenaufgang für die Strapazen.


Um 06:00 Uhr sind wir 5 sm näher an der Einfahrt. Wir spüren, dass es ruhiger wird - wir sind im Wind und Wellenschatten der Insel Efate angekommen. Ich starte die eiserne Genua und wir motoren nun auf direktem Weg ans Ziel  - um 09:45 Uhr fällt der Anker vor Port Vila dort, wo wir vor einem Monat waren - und 132 sm von Sakao Island entfernt, wo wir gestern Früh gestartet sind. Kampf gewonnen!





INVASION

20.09.2017

Florian

In der Nacht war es ziemlich unruhig: Stimmen, Taschenlampen, Außenbordmotoren - und all das um 4 Uhr früh. Am Morgen trauen wir unseren Augen nicht. Am Strand liegen 17 Boote von Einheimischen. Man winkt uns und ein Einheimischer - Kit - ruft, ob er zu uns kommen und mit uns sprechen darf. Selbstverständlich, und so kommt er mit seinem Boot längsseits und fragt uns nach dem woher und wohin. Wir fragen ihn nach dem Grund für die vielen Boote, und er klärt uns auf, dass das Versorgungsschiff kommt. Die genaue Uhrzeit kann er nicht sagen und daher sind sie alle schon mitten in der Nacht angereist, um Dinge abzuliefern und andere zu übernehmen.




Um 11:00 Uhr Vormittags dann endlich das große Brummen - das Versorgungsschiff kommt um die Kurve und macht an einer Boje fest. Es werden zwei kleine Boote ins Wasser gekrant und dann wird hin und her geladen. Nach einer Stunde ist der Zauber vorbei und sowohl das Versorgungsschiff als auch alle Einheimischen sind verschwunden und wir haben den Ankerplatz wieder alleine.


Da wir durch die starken Gezeiten derzeit (wir haben Neumond) am Ankerplatz schon zweimal den Grund berührt haben, legen wir uns an die Boje des Versorgungsschiffes - und natürlich pumpert sie uns gleich gegen den Rumpf, da wir im Strömungswirbel liegen. Ich ziehe sie aus dem Wasser und hänge sie uns an den Bug, sodass sie nicht mehr schlagen kann und wir - hoffentlich - ruhig schlafen können.

Morgen wollen wir bei Tagesanbruch nach Epi hinübersegeln - also hinüberkreuzen, denn Epi liegt ostsüdöstlich. Um nach Port Vila zurückzukommen, müssen wir aber dorthin. Das wird mühsam, denn beim Kreuzen ist die ESPERANZA nicht so toll. Und Martina hat sich beim Rumpfputzen gestern offenbar verkühlt oder in der Banam Bay angesteckt und hat 38,5° Fieber - das kann ja nett werden Morgen.

Montag, 18. September 2017

BOXENSTOP

Florian

Unsere ESPERANZA benötigt zwar permanent Hege und Pflege, das Motorservice habe ich ja vor kurzem durchgeführt, aber hier am ruhigen Ankerplatz von Sakao können wir wieder einige notwendige Arbeiten durchführen. Zunächst habe ich die Grossschotbefestigung erneuert. Bislang hing das alles an einer Schraube - nicht so optimal; ich habe das jetzt umgebaut, sodass der Block zur Großschotsicherung mit zwei Dyneemaleinen am Traveller befestigt ist; ich denke das das besser halten müsste, als die bisherige Lösung - wir werden es erleben.


Als nächstes hat die Fernbedieung von unserem Autopilot gesponnen und wir konnten sie nicht mehr verwenden. Ich habe also alles zerlegt und festgestellt, dass einige Lötstellen gebrochen waren. Ich habe mir die Finger "gebrochen" beim Löten der Kabel im Stecker, bis ich herausgefunden habe, dass man die einzelnen Stecker aus dem Gesamtstecker herausziehen kann, wodurch das Löten wesentlich einfacher wird. Wenn man weiß, wie es geht ist alles einfacher. Jetzt funktioniert die Fernbdienung wieder einwandfrei.
Schließlich war Rumpfputzen dran. Das letzte Mal haben wir ja vor gut einem Monat in Fiji geputzt, und diesmal habe ich auch die Pressluftflasche verwendet, damit geht es wesentlich einfacher - jetzt haben wir wieder einen sauberen Rumpf, was auch die seglerischen Leistungen der ESPERANZA verbessern sollte. Und natürlich ist die Rostbehandlung eine Permanentarbeit - damit sind wir nie fertig. Diemal habe ich eine 7,5 % Phosphorsäurelösung zum Rostbekämpfen verwendet, das ist eine gute Mischung und der Rost löst sich langsam auf. Und Martinas Permanentarbeit ist die Wartung unseres Lazybag (darin wird das Grosssegel verpackt, wenn wir nicht segeln). Die Sonne greift die Nähte an und Martina muss immer wieder die zerfallenden Nahtstellen nachbessern.

Und parallel zu all dem bin ich gerade dabei meine Schokomanufaktur aufzubauen. Ich habe von unseren Freunden in der Banam Bay ein Kilo getrocknete Kakaobohnen um 200 Vatu (ca. EUR 1,60) gekauft und bin dabei zu erlernen, wie man Schokolade macht. Nach dem Rösten und Schälen liegt das Problem derzeit darin, dass ich die Kakaobohnen nicht fein genug reiben kann; ich verwende zum Zerkleinern derzeit noch eine Konkosnussschale und eine abgebrochene Koralle - ich schätze da gibt es noch Verbesserungspotential. Schmecken tut meine Schokolade aber bereits jetzt ganz wunderbar. Nach meinen überaus erfolgreichen Laufsandalen wird das wohl mein zweites wirtschaftliches Standbein - Diversifikation lautet das Zauberwort.



Sonntag, 17. September 2017

MÜHSAM RICHTUNG SÜDEN


Martina

Sam kommt um 8 Uhr mit seinem Auslegerkanu zu uns gerudert, denn er hätte noch gerne eine Leine für seine beiden Kühe von uns. Florian hat bereits etwas geeignetes herausgesucht und übergibt sie an das Familienoberhaupt. Generell ist zu sagen, das kaum eine Reaktion der Menschen von Vanuatu zu erkennen ist, wenn man ihnen etwas schenkt. Egal ob sie darum gebeten haben, oder ob man ihnen eine Freude machen will. Sie bedanken sich mit einem kurzen Dank, aber das war´s dann auch schon. Sie schauen die Geschenke auch nicht in unserer Gegenwart genauer an, packen sie nicht aus, probieren zB das T-Shirt oder die Lesebrille nicht. Das ist für uns sehr ungewohnt, denn wir erfreuen uns normalerweise an der Freude der anderen, dies fehlt hier, das kennen sie nicht.

Wir machen unsere Esperanza wieder segelfertig und gehen um 9 Uhr Anker auf und setzen die Segel. Wir kreuzen hart am Wind Richtung Süden. Die Welle ist sehr unangenehm, da der Wind aus Ost-Süd-Ost bläst und die uns helfende Strömung mit bis zu 2 Knoten nach Süden fließt. Strömung gegen Wind bedeutet eine steile und kurze Welle die im Abstand von 5 Sekunden auf uns zurollt. Die Esperanza neigt sich auf Grund des Kurses und der Windstärke von bis zu 22 Knoten ordentlich zur Seite, bis wir mit der Scheuerkante durchs Wasser pflügen. Manchmal hebt sie zum Sprung über zwei Wellen ab und landet mit ihren 13 Tonnen im übernächsten Wellental. Beeindruckt ist sie nicht, und so wiederholt sie diese akrobatischen Einlagen 4 Stunden lang. Ich lege mich im Salon auf die Bank und wechsle bei jeder Wende die Seite. Alles was nicht extra gut verzurrt ist macht sich selbständig, und binnen kürzester Zeit liegt einiges am Boden herum, was dort nicht hin gehört.

Bei der letzten Wende ruft Florian plötzlich: "Schei.., das Gross ist gerissen!" Ich springe auf und hechte in die Plicht hinaus. Das Gross ist noch oben und Florian steht relativ entspannt da und sucht nach einer Lösung. Es ist Gott sei Dank nur die Befestigung der Grossschot gebrochen und nicht, wie von Florian verkündet das Gross. Entwarnung, wir bergen das Grosssegel und segeln die letzten drei Meilen nur mit der Genua.

Unser heutiges Ziel sind die Maskelyn Islands im Süden von Malekula. Wir segeln mit zwei von einander unabhängigen Computerkarten in das von Riffen gespickte Inselparadies.


Der Anker fällt in 6 Meter Wassertiefe im Schutz der Insel Sakao. Die ehemals bewohnte, aber jetzt unbewohnte Insel wird von den Einheimischen für ihren Obst- und Gemüseanbau genützt. Das Ambiente unsere Ankerbucht erinnert an den Film "Cast away" mit Tom Hanks.


Glasklares Wasser in allen nur erdenklichen Grün- und Blautönen, goldfarbener Sandstrand, hohe Kokospalmen und 2 kleine verlassene Buschhütten - nur mit dem enormen Vorteil, dass unser Versorgungsschiff Esperanza sicher und ruhig vor Anker liegt.


NACHTRAG - KINO

Florian

Wir haben ja ganz vergessen von unserem Kinofreitag zu berichten. Am Freitag kommen die Kinder von der Schule nach Hause. Da die Transportwege auf Malekula mühsam sind, gehen fast alle Kinder in ein Internat bzw. sind fast alle Schulen Internate. Am Freitag geht Martina zunächst Muschelsammeln; sie ist schon ganz wurlert, weil sie schon so lange nichts mehr gefunden hat, aber hier wird sie wieder fündig und kann einige sehr schöne Exemplare ihrer Sammlung hinzufügen. Auch ich finde beim Tauchen eine wunderschöne Kaurischnecke. Martina will sie haben, aber ich will keine Schnecken töten, damit ihr Haus dann irgendwo in einer Vitrine endet, also fotografiere ich sie nur und dannn kommt sie zurück ins Wasser.
Am späten Nachmittag rücken wir also mir Laptopund BlueTooth-Lautsprecher aus und machen für unsere einheimischen Freunde einen Kinoabend. Es gibt "Ice Age 4". Alle sind aufgeregt. Es werden Palmblättermatten am Boden aufgelegt und dann gehts los.


Der Kinofilm ist auf Englisch, allerdings können die Menschen hier zu weng Englisch, um den Wortwitz zu verstehen und so werden sie bald schläfrig. Die kleinen Kinder schlafen ohnedies bald ein. Irgendwie erzeugt ein Kinofolm hier nicht jene Begeisterung, die wir gedacht hätten. Kino oder Fernsehen gibt es hier nicht, und das ist gut so. Die Menschen unterhalten sich, das ist ihre Freizeitbeschäftigung. Und Freizeit haben sie sehr viel, also wird auch sehr viel geplaudert, TalkTalk nennt man das. Als Gast muss man auch zunächst TalkTalk machen, bevor man die Erlaubnis bekommt, sich frei im Ort zu bewegen. So lernt man einander kennen und wird vom Fremden zum Gast, der den Ort besuchen darf.

Samstag, 16. September 2017

SPEZIALTRAINING

Florian

Morgen wollen wir weiter. Für mein letztes Training mit der Fussballmannschaft habe ich mir etwas Besonderes ausgedacht - einen Wetttlauf, um den Männerm die Bedeutung von Ausdauer und Wetttkampfeinteilung deutlich zu machen. Als Siegespreis habe ich eine gute Taucherbrille ausgesetzt, die von den Männern mit großen Augen begutachtet wird.

Wir laufen vom Fussballplatz weg die Hauptstraße hinunter durch Vartavo, wo man uns verwundert nachsieht - so etwas hat an hier noch nie gesehen. Bei der Wendemarke in Batakfive (man muss als Wende die Lacke auf der Straße berühren) liege ich an zweiter Stelle. Der Führungsläufer - barfuß - hält sich gut. Zurück geht es und in Vartavo feuert man uns mittlerweile an. Bis zum Fussballplatz habe ich zum Ersten aufgeschlossen und so sprinten wir das Fussballfeld hinunter. Nach gut 2,5 km in 9:17 min komme ich mit 2 Meter Rückstand als zweiter ins Ziel - und das ist gut so, denn ich muss meine Taucherbrille nicht gewinnen. Die restlichen Männer trudeln ein wenig kleinlaut herein. Sie haben die Bedeutung von Ausdauer und Wettkampfeinteilung verstanden.


Am Abend gibt es ein nettes Abschiedsessen, wir tauschen wechselseitig Dankesworte aus und überreichen den Stammeseltern Sam und Jan eine Lesebrille mit eingebautem LED-Licht. Es war eine besonders nette Woche hier und sehr spannend, das einfache Leben der Eingeborenen in ihrer Großfamilie hautnah miterleben zu dürfen. Wir werden Batakfive in der Banam Bay auf Malekula nie vergessen. Morgen gehts weiter nach Süden...

Donnerstag, 14. September 2017

BRAUT KAUFEN

Martina

Florian ist mit Noah zu seinem Feld gegangen und ich sitze mit seiner Freundin Rina und lerne ein sogenanntes "Island bag" zu flechten. Meine, von Tahiti mitgebrachten, Pandanusblätter versetzten alle Damen in Begeisterung. Die Pandanusblätter von mir sind ihrer Meinung nach viel stärker als ihre. Auch haben sie Freude mit mir, dass ich ihre Flechtkunst erlernen möchte. Ist nicht ganz einfach aber ich hoffe am Ende, mit einer fertigen Tasche von hier weiter segeln zu können.

Gegen Mittag kommt etas Unruhe auf und die Eltern von Noah fragen uns ob wir mit gehen wollen zum " Braut kaufen". Klingt für uns etwas eigenartig und macht uns natürlich neugierig. Sie stecken mich in ein "Island dress", hier ist alles was traditionell ist mit dem Wort Island verbunden. Island bag, Island dress, Island cabbage, Island.....

Es kommt ein PickUp truck, die Frauen steigen ein, wobei Rina, die zukünftige Schwiegrtochter nicht neben ihrem zukünftigen Schwiegervater sitzen darf, und das wird auch immer so bleiben und gilt für alle Schwiegertöchter. Ebenfalls laden sie 2 große Lap Laps auf die Ladefläche und wir fahren so in das etwa 5 Minuten entfernte Nachbarsdorf Vartavo. Das ist der Treffpungt der Familie des Bräutigams, und hier sitzt die gesamte Familie, etwa 100 Leute, in einem größeren offenem Gebäude zusammen. Alle haben ihre Matten, Töpfe und Lap Laps mitgebracht und wir essen gemeinsam am Boden und mit den Händen. Im Nu ist wieder alles zusammengeräumt und die Meute setzt sich in Bewegung, wir marschieren ins Village der Braut. Manche fahren mit den beiden Trucks und der Rest geht die 3 Kilometer zu Fuß. Im Dorf der Braut herrscht schon ein fröhliches Treiben. Laute Musik aus der übersteuerten Box dröhnt in unseren Ohren. Die Männer kochen, die Frauen tratschen und die Kinder Spielen. Wir lernen den Chief der Region der Südlichen Provinz kennen, der auch ein tatdelloses Englisch spricht, und somit bekommen wir eine gute Erklärung der folgenden Zeremonie.

BRAUT KAUF:
Der Vater der Braut hat sich den Kaufpreis mit dem Vater des Bräutigams ausverhandelt. Normalerweise liegt der Betrag bei 80.000 Vatu (ca. 640 Euro) aber die heutige Braut kostet 250.000 Vatu (also ca.2.000 Euro) Warum diese Braut viel teurer ist als normalerweise konnten wir nicht herausfinden. Jedenfalls sammelt der Brautvater für die Hochzeit seines Sohnes in seiner Familie Geld  ein. Jeder Betrag der gegeben wird, wird in einem Buch notiert und am Tag des Braut kaufes an die Familie der Braut übergeben. Nett ist, dass der Brautmutter auch an diesem Tag die Brust symbolisch abgekauft wird mit der sie die Braut ernährt hat. Die verpackten Geldbeträge werden von mehreren Männern übergeben und im Gegenzug bekommt die Familie des Bräutigams verschiedene kleine Bäume, Streucher und Pflanzen mit Wurzeln.
Das blöde an der Geschichte ist, dass es keine Geldgeschenke sind sondern nur Darlehen. Der Brautvater bekommt das Geld und der Bräutigam das Buch mit der Aufstellung wer wieviel gegeben hat. Wenn nun der nächste Mann aus der Familie des Bräutigams heiratet muss der jetztige Bräutigam genau den selben Betrag für die Hochzeit zurückbezahlen den er bei seiner Hochzeit erhalten hat.

Spannend und eigentlich eine Abänderung der Mitgift in Österreich

Mittwoch, 13. September 2017

SPORTLICHES INSELLEBEN AUF MALEKULA

Florian

Wer ein Haus hat und einen Garten, der darf heiraten und muss nicht arbeiten. Wobei unter "Arbeit" verstanden wird, dass man eben nicht in seinem Garten oder zu Hause arbeitet, sondern etwa als Erntehelfer in Neu Seeland oder in einer Stadt wie Luganville oder Port Vila. Und das gilt natürlich nur für Männer, denn Frauen werden gekauft und müssen nicht arbeiten - jedenfalls nicht nach den Maßstäben der hiesigen Männer, denn Arbeit im Haushalt wie Kochen und Kinderhüten gilt hier eben nicht als Arbeit (s.o.) (zum Frauenkauf kommen wir noch).

Die Männer, die auf der Insel leben, haben es also "geschafft"; sie haben ein Haus und einen Garten. Den Garten bzw. das Land bekommt man von seinem Vater zugeteilt. Hat eine Familie nicht genug Land, musss der Mann eben arbeiten gehen. Man sieht die Männer auch jeden Tag mit ihren Macheten ausziehen, um auf ihrem Stückchen mehr oder weniger gerodetem Land ihr Obst und Gemüse zu pflegen, das die Familie zum Überleben braucht. Und niemand leider hier Hunger - jeder hat reichlich Taro, Maniok, Island Cabbage (eine Art Spinat), Papaya, Mango, Ananas, Koch- und Essbananen, natürlich Kokosnüsse und vieles mehr. Dazu fängt man gelegentlich Fische oder fängt ein wildes Schwein und auch Hühner gibt es natürlich und damit deren Eier.

Überarbeiten tut sich hier niemand und um 15:00 Uhr trifft sich das männliche Volk am Fussballplatz. Von Montag bis Samstag wird täglich Fussball trainiert und ich bin dazu von Noah eingeladen. Die Männer sind alle sehr fit. Wir wärmen ein wenig abenteuerlich auf und dann spielen wir auf dem erst vor kurzem neu gerodeten Fussballplatz ein Match. Einige größere und kleiner Hügel zeugen noch von den Wurzelstöcken der Palmen am Fussballplatz, aber besser als der Fussballplatz irgendwo auf Malekula, auf dem zwei große Bäume mitten am Feld stehen - um die muss man eben herumspielen - spannende Variante von Fussball.

Etwa die Hälfte der Spieler - und es gibt ausreichend, ich zähle insgesamt 35 Spieler, weswegen immer wieder gewechselt wird - tragen Schuhe, der Rest spielt barfuss. Man teilt mich auf der Position linker Stürmer ein. Das Spiel ist schnell, auf dem holprigen Erdboden schwierig und in Kürze sind wir mit Erde "paniert". Erstaunlicherweise gelingt mir, was mir zu meinen glorreichen Zeiten beim 1. FC Union Annaberg in der Reserve nicht geglückt ist, ich schieße ein Tor - wodurch ich mir die Hochachtung der Männer verdiene. Nach Spielende ersucht man mich am nächsten Tag das  Training zu leiten - wozu ich gerne einwillige.

Am nächsten Tag also übernehme ich das dreißigminütige Aufwärmtraining. 10 Minuten warmlaufen, das kennt man hier nicht. Danach 10 Minuten Dehnen - das ist hier nicht gänzlich unbekannt. Und schließlich machen wir 10 Minuten Schnelligkeitstraining. Ich teste die Männer mit Sprungsequenzen - einbeinige Sprünge rechts dann links, beidbeinig, Schrittsprünge - alles auf Weite, damit sich die Männer anstrengen. Zum Abschluss machen wir Diagonalsprints: Breitseite joggen, Diagonale sprinten - 4 Mal. Morgen werden die Männer einen ordentlichen Muskelkater haben - und ich auch!!

Dienstag, 12. September 2017

BANAM BAY

Martina

Noch am frühen Samstag Abend gleich nach unserer Ankunft wurden wir von Afon und zwei Jugendlichen in ihren Auslegerbooten besucht. Sie bringen Obst und Gemüse und wünschen sich Schulsachen. Endlich können wir Hefte, Kugelschreiber, Bleistifte (Danke Marlene!) und Florian´s T-Shirts eintauschen. Wir verschenken auch Zuckerl in Kombination mit Zahnpasta und Afon bekommt eine Taucherbrille von Florian - seine Augen leuchten, daran erkennen wir, dass er sich sehr freut, denn großartige Dankesworte kennt man hier nicht.

Wir beginnen den Sonntag gemütlich, ein nettes Frühstück an Deck unserer Esperanza, das erste Mal seit wir in Vanuatu angekommen sind, können wir draßen sitzen. Bis jetzt war es immer zu kühl oder es war regnerisch.

Florian beginnt mit einigen kleineren Bordreparaturen und ich erledige Haus- Schiffsarbeiten. Im Anschluss ist für Florian der Ölwechsel bei Motor und Getriebe dran und ich muss Brot backen und kochen. Die Zeit verfliegt und es ist uns bereits zu spät, um dem Ort unseren ersten Besuch abzustatten. Als ob die Bewohner unsere Gedanke gelesen hätten, kommen zwei Auslegerkanus auf uns zugerudert. Zuerst bekommen wir von Afon wieder Gemüse geschenkt und im zweiten Boot sitzen 4 kleiner Kinder, die natürlich von unseren Tauschobjekten gehört haben. Wir bekommen zwei Eier, 2 Trinkkokosnüsse und Papayas und dafür gibt`s Kekse und Zahnpasta. Wir sagen uns für Montag im Dorf an, und Afon meint wir können jederzeit kommen.


Wir suchen allerlei Tauschsachen auf unserer Esperanza zusammen und machen uns am Montag Vormittag auf den Weg ins Dorf Batakfive (das bedeutet Pandanus in der hiesigen Sprache). Unser Dingi ist noch nicht ganz aus dem Wasser gezogen, kommt schon eine riesige Kinderschar laut und freudig schreiend auf uns zugelaufen. Sie nehmen uns Tasche, Sackerl und Trinkflasche aus der Hand. Jeder will etwas von uns tragen und sie nehmen uns an der Hand und führen uns zum Dorf.


Wir begrüßen zuerst den Chief mit seiner Frau, überbringen eine Sitzmatte und T-Shirts, ein Feuerzeug und einen Kugelschreibenr als Gastgeschenk. Überfreundlich und mit einem strahlenden Lächeln bekommen wir die Erlaubnis uns bei ihnen frei zu bewegen.


Ein Bub wird ausgesucht, der uns den Weg zur nächsten Familie in der Bucht zeigt. Auch hier bleiben die Söhne, wenn sie heiraten, im Dorf und die Töchter ziehen zu ihren Ehemännern. Zuerst treffen wir auf Noah, der sehr gut englisch spricht, in Luganville Mechaniker gelernt hat und jetzt wieder hier auf Malekula lebt. Er hat bereits seine Hütte gebaut und einen eigenen Obst- und Gemüsegarten auf dem Familienterritorium und somit hat er alle Voraussetztungen, um heiraten zu können erledigt.

Das Dorf sitzt gemeinsam unter einem Palmendach und sie essen Taro Lap Lap. Wir bekommen jeder ein Stück zu kosten und erzählen und erklären ihnen alles, was sie so über uns wissen wollen: Woher wir kommen - Austria - "yes we know Australia", es ist immer dasselbe, und ab jetzt beginne ich immer mit Europe und dann erst Austria, so habe ich bessere Chancen sie auf die richtige Fährte zu bringen.


Am Nachmittag geht Florian mit den Männern Fussball spielen und ich lerne und helfe mit, um Lap Lap aus Kochbananen und Maniok zu machen. Die Maniokwurzeln werden geschält, gewaschen und ganz fein gerieben. Die Kochbananen werden der länge nach halbiert und mit einer Muschelschale die Banane aus der Schale herausgeschabt. Etwa 10 große Bananenböättter werden sternförmig überkreuz übereinander gelegt, diese Fläche großzügig mit frischer Kokosmilch beträufelt und danach die Bananenmasse in der Mitte daraufgeleert und anschließend die Maniokmasse um die Bananenmasse dazuplatziert. Die Maniokmasse ist eher trocken, die Banenmasse ist ein Brei. Danach wir das ganze gesalzen und wieder mit Kokosmilch beträufelt. Der Hund hat am Nachmittag ein wildes Ferkel im Wald erlegt, das wird wild zerteilt und auf das Lap Lap gelegt, das nun fast wie eine Pizza aussieht und ca. 1 Meter Durchmesser hat. Kunstvoll wird die Masse in Bananenblätter verpackt und dann in einem großen kreisrunden Erdofen auf die Glut gelegt. Im Anschluss wird das Lap Lap komplett mit heißen Steinen sowie alten Bananenblättern zugedeckt und ganz zum Abschluss noch mit alten Juttesäcken abgedeckt.




Nach ca. 40 Minuten sitzen wir in der Gemeinschaftshütte auf Pandanusmatten am Boden und zwei Frauen bringen das noch in Bananenblättern eingepackte heiße Lap Lap auf den Juttesäcken. Ein von den Zustaten einfaches in der Zubereitung aber aufwändiges Essen. Gegessen wird natürlich mit den Händen. Wir lehnen den uns angebotenen Löffel ab und genießen die Gastfreundschaft. Bei Dunkelheit kehren wir aufs Schiff zurück. Viele Wünsche nach diversen Dingen wurden an uns herangetragen. Mal schauen, was wir davon erfüllen können.



Samstag, 9. September 2017

WEITER NACH SÜDEN

Florian

Heute gehen wir bereits um 5:30 Uhr Anker auf, um den Wind so lange als möglich zu nutzen, der uns nach Süden blasen soll. Der Anker ist zweimal verhängt, aber Martina kann mich glücklicher Weise so dirigieren, dass wir die Kette frei bekommen und um 5:45 Uhr dann doch aus der Bucht laufen. Ich wäre nicht gerne Tauchen gegangen - es ist kühl und regnerisch.

Wind gibt es keinen, und so motoren wir aufs offene Meer. Unsere Freunde TIME BANDIT und RANDIVAG mit ihren "Motorbooten" haben vor bis Epi in die Lamen Bay zu motoren - 50 Seemeilen. So will ich unsere ESPERANZA mit ihren 36 PS nicht quälen, doch zum Glück kommt Wind auf, wenngleich nicht von Osten wir angesagt sondern von Südost. Also kreuzen wir nach Ostnordost, um nach 3 Stunden zu wenden und zurück nach Malekula zu segeln. So schaffen wir die ersten 10 sm die Küsten von Malekula nach Südost. Dann kreuzen wir weiter auf, doch als wir draußen sind, schläft der Wind komplett ein und wir motoren zwei Stunden zurück in die Banam Bay schon recht weit im Süden von Malekula. Der Anker fällt und bald kommen zwei Auslegerkanus herangepaddelt. Neugierige Eingeborene begrüßen uns. Wir sind die erste Yacht seit einem Monat in dieser Bucht.



Hier in der sicheren Bucht werden wir den vorhergesagten stärkeren Wind aus Südost (20 Knoten laut Vorhersage) abwarten und uns dann weiter nach Südost weiterarbeiten. Und ich bin schon neugierig auf die Eingeborenen, aber die besuchen wir erst Morgen. Jetzt haben wir uns nach zwei anstrengenden Segeltagen einemal eine Pause verdient.

Freitag, 8. September 2017

BLUE HOLE

07.09.2017

Martina

Gemeinsam mit SY Time Bandit und SY Randivag mieten wir einen PickUp Truck, um Espiritu Santo für einen Tag zu erkunden. Es gibt nur eine asphaltierte Strasse, und die führt im Osten der Insel nach Norden.
Rasch packe ich noch schnell unsere Schmutzwäsche zusammen, denn wir haben eine Wäscherei in Luganville entdeckt, die bis zu 10 Kilo Wäsche um ca. € 10.- wäscht und trocknet.
Um 9 Uhr sind wir dann so weit, wir sitzen im Auto und der Jüngste, also Florian, erklärt sich bereit die Strecke auf der Ladefläche zu verbringen.
Der erste Stop ist bei einem riesigen landwirtschaftlichen Forschungszentrum. Ohne Vorankündigung teilt man uns sofort einen Führer zu, der in unser Auto steigt und uns fachkundig durch große Teile der Forschungsstation führt. Hier wird versucht die Artenvielfalt von möglichst vielen vanuatischen Nutzpflanzen zu sammeln und immer wieder anzubauen. Es gibt hier 300 verschiedene Yams und 400 verschiedene Tarowurzeln. Auch 68 Kakao- und 65 verschiedene Kaffeepflanzen beherbergen sie hier und eine große Aufmerksamkeit liegt auf den 44 unterschiedlichen Kokospalmensorten. Es wird experimentiert und versucht eine Kokospalme zu züchten, die den starken Winden in der jährlichen Hurrikanzeit standhalten. Kopra - das getrocknete Fleisch der Kokosnüsse - ist eine wichtige Einnahmequelle für viele Familien in ganz Vanuatu.



Die Fahrt führt uns weiter zu einem der sogenannten "Blue Holes", wir entscheiden uns für Matevulu und haben das Glück, dass wir ganz alleine hier sind. Der Eintritt kostet 500 Vatu pro Person und wir erfreuen uns an einem erfrischendem Bad in einem smaragdgrünen Grundwassersee. Es ist idyllisch hier und wir haben Spaß an langen Seilen, von denen man sich aus 5 Metern Höhe in das kühle Nass schwingen kann.



Die Zeit verfliegt und es stellt sich der Hunger ein. Manch verstecktes Restaurant und sämtliche Resorts, die auf Essen hoffen lassen sind geschlossen. Wir müssen bis ans Ende der Strasse im Norden fahren, um doch noch unseren Hunger stillen zu können.

Der Ort nennt sich Port Olry und liegt an einem wunderschönen Strand; es ist wieder einmal ein traumhaftes Plätzchen und das Essen schmeckt auch.


Am Heimweg bleiben wir noch bei einer Kavabar stehen und kosten den gegenüber Fiji sehr starken Kava. Hier wird die Kavawurzel frisch gerieben und dann mit Wasser vermengt, in Fiji wird dies ja aus getrockneten Wurzeln zubereitet.


Ebenfalls kosten wir das Nationalgericht LapLap. Eine in Bananenblättern gefüllte Masse bestehend aus Manjok-, Taro- oder Yamswurzel mit Kokosmilch und etwas Salz. Kann auch noch mit Hendl, Fisch, Fleisch oder Fledermaus verfeinert werden. Wir haben die vegetarische Version bekommen.


Am Abend gönnen wir uns noch eine Massage bei Adeline, wo wir auch schon gestern waren und ich kann ihr einen kleinen, von ihr geflochtenen Wandteppich abkaufen. Der bekommt sicher einen schönen Platz wenn wir wieder in Österreich sind.

Angeblich soll der Wind morgen auf NO drehen, wenn er das wirklich tut, segeln Richtung Süden nach Malekula. Dann sind wir wieder in der Wildnis!

DER HARTE WEG ZURÜCK

Florian

Der Wind soll auf Ost bis Nordost drehen, also müssen wir das ausnützen. Wir würden gerne nach Südost zurück nach Port Vila und dann nach Neukaledonien. Wenn uns der Wind allerdings nicht läßt, dann müssen wir von Luganville direkt nach Australien segeln.

So schlüpfen wir bei Tagesanbruch um 05:30 Uhr aus den Federn, und gehen 15 Minuten später Anker auf - Frühstück gibts als wir unter Motor den Ankerplatz von Luganville verlassen.

Zwischen den vorgelagerten Inseln motoren wir nach Südsüdost und der Wind kommt - genau - auf die Nase. Als wir die letzte Insel passieren dreht der Wind dann nach Osten und wir können ganz hart am Wind so halbwegs in unsere Richtung segeln. Allerdings steht die Welle gegen uns, die Strömung in der Meerenge zwischen Espiritu Santo und Malekula drückt uns ordentlich und für uns vorteilhaft nach Osten - ziemlich komplexe Segelsituation heute. Leider schaffen wir nicht ganz die Höhe wie benötigt, der Wind kommt doch nicht so sehr von Nordost wie angesagt, also müssen wir zweimal aufkreuzen um nicht mit der Insel Malekula zu kollidieren. Schließlich schläft der Wind dann auch noch ein und wir starten die eiserne Genua (unseren Motor) um die letzten 10 Seemeilen bis zum Ankerplatz in Port Stanley (wer jetzt an Hafen denkt, liegt leider völlig falsch - es ist nur ein durch Inseln gut geschützter Ankerplatz) zu gelangen. Um 17:45 Uhr kurz vor Einbruch der Dunkelheit fällt der Anker - 51 Seemeilen. Wir sind müde aber froh, dass wir so weit gekommen sind. Noch sind wir allerdings lange nicht am Ziel - es ist ein harter Weg zurück nach Port Vila.

Donnerstag, 7. September 2017

Luganville

06.09.2017

Florian

Fiji Air hat den Kaufpreis für unsere stornierten Tickets abzüglich einer Bearbeitungsgebühr storniert. So hat uns die ganze Aktion lediglich etwa 140 US$ gekostet - und die Verpflichtung über ein Rückreiseticket zu verfügen, um nach Fiji einreisen zu dürfen ist eine Frotzelei.

Naja, nachdem wir also wieder reich sind, haben wir heute die Stadt Luganville erobert. Man darf das Dingi am Strand des Beachfront Resort gleich beim Ankerplatz anlanden und den Müll bekommt man vom Resort auch gegen eine kleine Gebühr abgenommen. Luganville liegt dann etwa 20 Minuten zu Fuß vom Resort entfernt, gleich hinter dem Fluss.




Der Markt hat 5 Tage die Woche 24 Stunden geöffnet - erstaunlich; jeden Tag dürfen die Menschen einer anderen Ortschaft von Espirito Santo ihre Waren hier anpreisen. Gleich neben dem Markt gibt es auch wieder Essbuden, die gutes und sehr günstiges Essen anbieten.


Ansonst ist Luganville unansehnlich; kein Flair; Zweckmäßigkeit herrscht vor.



Dafür gibt es beim Fleischer ganz frisches Hühnerfleisch.


Und es gibt einen Massagesalon in dem wir uns jeder eine Stunde Massage gönnen - super angenehm! Danach finden wir einen Getränkeladen, bei dem ich ein Bier von den Salomonen Inseln bekomme (und Martina eins aus Holland - total exotisch).


Und weil wir ja wieder reich sind (s.o.), gönnen wir uns am Abend im Beachfront Resort jeder ein Steak. Espiritu Santo ist berühmt für sein gutes Rindfleisch (85 % werden nach Japan exportiert) und es ist tatsächlich ein ganz hervorragendes Steak, das wir da vorgesetzt bekommen.