Dienstag, 10. Oktober 2017

SCHILDKRÖTEN

09.10.2017

Martina

Der Wind legt für einen Tag eine Pause ein und wir können endlich wieder draußen frühstücken. Die Sonne hat eine unglaubliche Kraft und wir holen uns einen leichten Sonnenbrand. Wir waren die letzten 4 Wochen immer gut angezogen und schon ist unsere Haut wieder sonnenempfindlich.

Nachdem das Meer spiegelglatt ist, packen wir unsere Schnorchelsachen und Fotoapparat ins Dingi und fahren zum unweit von unserer Esperanza gelegenen Riff.

Die Sicht ist gut, aber das Wasser ist kalt. Doch wir werden durch den Anblick unzähliger Wasserschildkröten entschädigt. Frühaufsteher sind sie nicht, denn sie liegen teilweise halb versteckt unter Korallenvorsprüngen. Auch dürften sie sich Sand auf ihren Panzer werfen in der Hoffnung so schlechter entdeckt zu werden. Sie liegen teilweise mit geschlossenen Augen und lassen uns relativ nahe an sie heran. Zu nahe ist dann doch nicht erwünscht und sie zeigen uns eindrucksvoll wie schnell sie sein können, wenn sie wollen.



Florian gibt auf Grund der kalten Wassertemperatur schneller auf und kehrt zum Dingi zurück. Ich mache noch einige schöne Schnappschüsse und dann ist es auch für mich genug. Am Nachmittag besuchen uns dann noch 2 Delfine in der Ankerbucht. Wir verlegen uns an eine Boje, die näher am Ufer ist, denn ab morgen Mittag soll dann der Wind wieder zurück kommen und so sollten wir weniger Schwell ausgesetzt sein.



Sonntag, 8. Oktober 2017

ÎLOT MAÎTRE

07.10.2017

Martina

Am Abend des 06.10. sind wir in das im NW von Port Moselle gelegene Hafenbecken gefahren, um die Schweißarbeiten an unserem Bugsprit machen zu lassen. Bei 20 Knoten Seitenwind war das nicht einfach, aber beim zweiten Anlauf schafft Florian das Manöver und kratzt nur ein wenig mit den Beschlägen an der Kaimauer. Bruno hat uns schon erwartet, konnte aber wegen des zu starken Windes die Schweißarbeiten nicht erledigen. Er ist so nett und kommt morgen am Samstag um 5:30 Uhr, wenn der Wind nicht so stark ist.


Das ist an und für sich kein Problem, nur die Hafenmauer des gesamten Hafenbeckens macht nach 60 cm einen Sprung nach hinten und das bereitet uns bei einem Tidenunterschied von 1,30 Metern Kopfzerbrechen. Ich mache am Abend noch eine Runde durch die Werft auf der Suche nach einem geeigneten dicken Gegenstand zum Abfendern. Bei einem riesigen Schwimmsteg an Land finde ich einen großen Styroporteil, der sich an unserer Bordwand als sehr hilfreich erweist. Niedrigwasser ist für 2:40 in der Nacht anberaumt, und so stellt sich Florian den Wecker für 2 Uhr.

Unser Schlaf ist sehr leicht, aber unsere Fendersysteme haben uns knapp aber gut vor Schrammen geschützt.


Bruno kommt mit den ersten Sonnenstrahlen mit seiner Gerätschaft an Bord und nach einer Stunde ist alles perfekt erledigt. Leider kehrt auch der Wind rasch zurück und so haben wir Mühe mit unserer Esperanza ohne Bugstrahlruder bei auflandigem Wind von der Hafenmauer abzulegen. Aber es gelingt uns schließlich doch auf Anhieb und jetzt gehts direkt hinaus zur Îlot Maître.

Gemütlich und gerade richtig zum wieder Eingewöhnen unserer Seglerbeine segeln wir die 3,5 Seemeilen zu dieser kleinen Sandinsel vor Noumea. Auf den letzten Metern begleiten uns zwei Delfine zu unserem Ankerplatz und übergeben uns an eine große Wasserschildkröte, die unser Ankermanöver aus sicherer Entfernung kontrolliert.


Also wie ihr seht sind wir in sicheren Händen und ihr müsst euch die nächsten Tage keine Sorgen um uns machen.

Freitag, 6. Oktober 2017

VIEL WIND

06.10.2017

Martina

Seit Tagen haben wir in Noumea viel Wind. Täglich gegen 9 Uhr in der Früh wird er aufgedreht und dann kommen Windböen bis 27 Knoten aus Südost.



Nachdem unsere Parklücke in der Marina sehr eng ist und wir unseren Liegeplatz heute verlassen müssen, legen wir gleich um 8 Uhr in der Früh ab. Unser Schiffsnachbar aus der Schweiz hilft uns und so gelingt das heikle Manöver auf Anhieb.

Der Weg ist nicht weit, denn wir verlegen uns nur in das große Hafenbecken von Noumea. Florian möchte noch am Bugsprit etwas schweißen lassen, und das können wir heute angeblich um 17 Uhr im Westteil des Hafens erledigt. Nachdem der Termin so spät ist, hoffen wir, dass wir dann die Nacht gleich an der Mole liegen bleiben dürfen.

Wenn alles klappt gehts morgen zur kleinen Insel "Iles Maitres", dort gibt es Bojen, es soll schön zum Schnorcheln sein, und es ist nur 3,5 Seemeilen entfernt. Wir würden ganz gerne einmal in Neu Kaledonischem Wasser schwimmen oder schnorcheln. Kaum zu glauben, aber bis jetzt war es entweder zu kalt, zu schmutzig oder nicht der richtige Moment.

Die ersten Segelfreunde sind schon nach Australien aufgebrochen. Schön langsam wirds auch für uns Zeit. Florian sitzt bereits stundenlang am Computer und erledigt Papierkram für die Einreise in Australien

Donnerstag, 5. Oktober 2017

FERTIG

05.10.2017

Florian

Wir sind fertig. Der Bugsprit glänzt neu und sollte uns nun gut nach Australien und bis nach Hause bringen.



Alles ist aufgeladen und aufgetankt und wir werden morgen die Marina verlassen und uns je nach Wetter die eine oder andere Insel innerhalb des Saumriffs anschauen. Allerdings pfeift derzeit der Wind ganz ordentlich, sodass wir uns zunächst wohl in der sicheren Bucht von Noumea einankern werden.

Und da wir das Internet der Marina verlassen, habe ich heute eine SIM Karte der hiesigen Post erstanden, weswegen wir ab sofort unter +687 92 74 22 telefonisch erreichbar sein sollten.
Und vielleicht gehen wir dann auch irgendwo zum ersten Mal in Neu Kaledonien ins Wasser(falls es endlich ein wenig wärmer wird).


Mittwoch, 4. Oktober 2017

NICKEL

03./04.10.2017

Florian

Der Süden von Noumea ist abgehakt, also gehts nun nach Norden. Wir fahren an der Westküste bis La Foa durch steppiges trockenes Land.


Dann überqueren wir die Insel Richtung Canala. Dabei fahren wir in Kanaken-Land. Die Kanaken
sind die Ureinwohner von Neu Kaledonien (Nein, Kanaken ist kein Schimpfwort hier - politisch alles korrekt). Auf einmal sieht es wieder so aus wie in der Südsee - tropischer Regenwald (wenn auch nicht ganz so üppig), viel grün - es gibt ihn also auch hier. Canala liegt an der Ostküste und in der Touristeninfo in La Foa warnt man uns, dass wir hier auch unfreundliche Kanaken treffen könnten.

Der Hintergrund liegt in der Geschichte Neu Kaledoniens. Frankreich nahm Neu Kaledonien 1853 in Besitz. 1863 entdeckte der Franzose Jules Garnier hier Nickel, und Nickel wird insbesondere zur Herstellung von Edelstahl bzw. Nirosta benötigt. Der Vorteil in Neu Kaledonien ist, dass man das Nickelrohmaterial hier im Tagbau abbauen kann und etwa 10 % des Weltvorkommens an Nickel hier liegt. Die Urbevölkerung der Kanaken hatte leider kein Verständnis dafür, dass Frankreich Stück für Stück ihre Insel abgräbt, also waren Konflikte vorprogrammiert. Gab es 1853 schätzungsweise 60.000 Kanaken, so waren es 1907 nur noch etwa 27.000. Blöd auch, dass die Nickelförderung erhebliche Gesundheitsschädigungen mit sich bringt, und die Arbeiten natürlich insbesondere von den Kanaken durchgeführt wurden.

Von 1984 -1988 gab es einen Aufstand der Kanaken gegen die Franzosen - und zwar insbesondere in dem Gebiet um Canala und Thio - und genau dort wollen wir hin. Die Menschen, die wir begegnen sind jedoch allesamt ausnehmend freundlich zu uns, womöglich auch, weil wir offensichtlich keine Franzosen sind.

Die Straße von Canala nach Thio ist abenteuerlich und darf zu geraden Stunden nur nach Süden und zu ungeraden Stunden nur nach Norden befahren werden, da ein Teil lediglich einspurig - und zwar wirklich nur einspurig - ist.



Wir kommen trotz einiger Berührungen der Bodenplatte unseres Mietautos mit dem nickelhaltigen Boden gut in Thio an und finden bei Nadesch und Christian ein der Gegend entsprechendes Quartier für die Nacht.



In Thio war die erste Nickelmine von Neu Kaledonien, die (s.o.) Jules Garnier errichtet hat. Thio hatte vor den Unruhen zu seinen besten Zeiten 11.000 Einwohner, heute sind es noch etwa 2.700. Ein Ergebnis der Unruhen war, dass 1998 ein Abkommen unterzeichnet wurde, wonach Neu Kaledonien zwischen 2014 und 2018 über seine Unabhängigkeit von Frankreich abstimmen darf. Angeblich findet die Abstimmung im Oktober 2018 statt. Erstaunlich ist, dass sich der Nickelgehalt im Erdreich von früher 2-3 % auf nunmehr nur noch unter 0,5 % reduziert hat. Die Nickelproduktion ist also bei weitem nicht mehr so lukrativ wie früher. Schon ein interessanter Zufall, wie das mit dem Unabhängigkeitsreferendum zusammenfällt.

Man sieht die Wunden, den der Nickelabbau in der Natur hinterlassen hat: "geköpfte" Berge und aufgerissene Berghänge - dafür hat Neu Kaledonien verglichen mit etwa Vanuatu oder Tonga einen weit höheren Wohlstand - es gibt eben nichts gratis.




Zurück geht es für uns von Thio an die Westküste nach Boulouparis, vorbei an markanten Kanakenhütten - sehen aus wie Schlumpfhütten, kreisrund mit Palmdächern.


Es wird wieder karger und bald hat uns die Steppe der Westküste wieder und wir finden zurück nach Noumea zu unserer ESPERANZA.

Dienstag, 3. Oktober 2017

AUSFLUG IN DEN SÜDOSTEN

01.10.2017

Martina

Um 11 Uhr können wir unser Mietauto für die nächsten drei Tage übernehmen. Den Rest des Tages nützen wir und fahren in den Südosten von Neu Kaledonien. Zuerst gehts entlang der Küstenstrasse und wir genießen die aufgekommene Brise auf festem Boden unter uns. Vorbei am nationalen Flughafen treten wir unsere Fahrt ins Landesinnere an. Rasch verändert sich das Erscheinungsbild der Landschaft. Die Erde färbt sich in immer tiefere Rottöne, Palmen und hohe Bäume verschwinden. Die Vegetation erinnert an Kroatien im August, nur noch krautiges Gestrüpp und vertrocknetes Buschwerk.


Trotzdem hat diese Gegend ihren Charme und fasziniert uns. Tiefe rote Furchen in den Berghängen zeugen von heftigen Regenfällen in der Taifunzeit, die am 1. November wieder beginnt.
Eine Bergstrasse führt uns zum Parc de la Riviere Bleu, leider hat er Montags geschlossen und so fahren wir weiter zu dem Wasserfall La Madeleine. Der Wasserfall ist nett doch etwas klein, da haben wir schon größeres gesehen.


Doch es gibt einige sehr nett angelegte Pfade durch die Flusslandschaft und so marschieren wir zwei Stunden durch eine uns fremde Pflanzenwelt, die perfekt mit der Trockenheit zu leben gelernt hat.




Der Weg über den Süden zurück zur Esperanza führt über schlechte und sehr kurvenreiche Strassen. Hier bekommen wir auch einen guten Einblick in den Nickelabbau von Neu Kaledonien.  Halb abgegrabene Berge und wegen Sprengungen gesperrte Strassen prägen das Erscheinungsbild des Hinterlandes der Südküste.




Ein Neu Kaledonisches Abendessen in der Baie des Citrons lassen einen beeindruckenden Tag zu Ende gehen. Morgen gehts nach Norden und da nehmen wir uns etwas wärmeres zum Anziehen mit, denn heute im Süden hatten wir am Nachmittag 19° und eine kühle Brise. 

Sonntag, 1. Oktober 2017

NOUMEA

02./03.09.2017

Florian

Noumea ist die Hauptstadt von Neu Kaledonien. Das Warenangebot hier ist fast auf europäischem Niveau - in den Supermärkten jedenfalls. Im Quartier Latin - das "Fortgehviertel" - gibt es viele kleine Restaurants  und nette Geschäfte. Das Zentrum der Stadt bildet der Place de la Coco - ein länglicher Park, der zum Verweilen einlädt.


Auf einem Hügel über der Stadt thront die Kathedrale Saint Joseph, sehr stimmungsvoll mit prächtiger Aussicht auf die Bucht.




Noumea liegt an einem hervorragenden natürlichen Hafen, sehr geschützt, weswegen Noumea offenbar gerade hier entstanden ist.


Die Straßen in Noumea sind sauber und einer europäischen Stadt vergleichbar; nicht mehr so schlampig wie etwa Port Vila in Vanuatu oder Lautoka in Fiji.



Im südlichen Teil der Stadt liegen die Baie des Citrons und Anse Vata, die beliebten und sehr netten Strände von Noumea. Im nördlichen Bereich der Stadt geht es nicht mehr so fein zu, da ist die Stadt ein wenig heruntergekommen. Abgelaufen bin ich das alles bereits, denn ich bin am Auftrainieren, um fit für die Überfahrt nach Australien zu sein. Und beim Friseur war ich auch. Die Friseurin war aus Malekula/Vanuatu, hat permanent gesprochen (Französich natürlich) und ich habe sehr wenig verstanden. Dafür habe ich eine Radikalschnitt verpasst bekommen. Martina ist fast in Ohnmacht gefallen, als sie mich gesehen hat. Fotos von mir fallen in nächster Zeit also der Zensur zum Opfer; aber bis Australien sollte alles wieder zugewachsen sein.

Wir sind noch mit Schiffsarbeiten beschäftigt, aber ab Montag haben wir ein Mietauto, dann werden wir den Südteil der Hauptinsel von Neu Kaledonien - Grand Terre, auf der wir uns befinden - erkunden.

p.s.: Lieber Axel Birndt,
unser Blog ist unser Tagebuch. Gerne beantworten wir Fragen, wenn wir das Gefühl haben, dass sie von allgemeinem Interesse sind. Du kannst mir gerne jederzeit eine e-mail an florian@zeh.at schicken und Fragen stellen, die ich dir dann gerne beantworten werde. Und jetzt habe ich eine Frage: Welche deiner Fragen ist unbeantwortet geblieben? Bitte um Antwort per e-mail.