Donnerstag, 14. September 2017

BRAUT KAUFEN

Martina

Florian ist mit Noah zu seinem Feld gegangen und ich sitze mit seiner Freundin Rina und lerne ein sogenanntes "Island bag" zu flechten. Meine, von Tahiti mitgebrachten, Pandanusblätter versetzten alle Damen in Begeisterung. Die Pandanusblätter von mir sind ihrer Meinung nach viel stärker als ihre. Auch haben sie Freude mit mir, dass ich ihre Flechtkunst erlernen möchte. Ist nicht ganz einfach aber ich hoffe am Ende, mit einer fertigen Tasche von hier weiter segeln zu können.

Gegen Mittag kommt etas Unruhe auf und die Eltern von Noah fragen uns ob wir mit gehen wollen zum " Braut kaufen". Klingt für uns etwas eigenartig und macht uns natürlich neugierig. Sie stecken mich in ein "Island dress", hier ist alles was traditionell ist mit dem Wort Island verbunden. Island bag, Island dress, Island cabbage, Island.....

Es kommt ein PickUp truck, die Frauen steigen ein, wobei Rina, die zukünftige Schwiegrtochter nicht neben ihrem zukünftigen Schwiegervater sitzen darf, und das wird auch immer so bleiben und gilt für alle Schwiegertöchter. Ebenfalls laden sie 2 große Lap Laps auf die Ladefläche und wir fahren so in das etwa 5 Minuten entfernte Nachbarsdorf Vartavo. Das ist der Treffpungt der Familie des Bräutigams, und hier sitzt die gesamte Familie, etwa 100 Leute, in einem größeren offenem Gebäude zusammen. Alle haben ihre Matten, Töpfe und Lap Laps mitgebracht und wir essen gemeinsam am Boden und mit den Händen. Im Nu ist wieder alles zusammengeräumt und die Meute setzt sich in Bewegung, wir marschieren ins Village der Braut. Manche fahren mit den beiden Trucks und der Rest geht die 3 Kilometer zu Fuß. Im Dorf der Braut herrscht schon ein fröhliches Treiben. Laute Musik aus der übersteuerten Box dröhnt in unseren Ohren. Die Männer kochen, die Frauen tratschen und die Kinder Spielen. Wir lernen den Chief der Region der Südlichen Provinz kennen, der auch ein tatdelloses Englisch spricht, und somit bekommen wir eine gute Erklärung der folgenden Zeremonie.

BRAUT KAUF:
Der Vater der Braut hat sich den Kaufpreis mit dem Vater des Bräutigams ausverhandelt. Normalerweise liegt der Betrag bei 80.000 Vatu (ca. 640 Euro) aber die heutige Braut kostet 250.000 Vatu (also ca.2.000 Euro) Warum diese Braut viel teurer ist als normalerweise konnten wir nicht herausfinden. Jedenfalls sammelt der Brautvater für die Hochzeit seines Sohnes in seiner Familie Geld  ein. Jeder Betrag der gegeben wird, wird in einem Buch notiert und am Tag des Braut kaufes an die Familie der Braut übergeben. Nett ist, dass der Brautmutter auch an diesem Tag die Brust symbolisch abgekauft wird mit der sie die Braut ernährt hat. Die verpackten Geldbeträge werden von mehreren Männern übergeben und im Gegenzug bekommt die Familie des Bräutigams verschiedene kleine Bäume, Streucher und Pflanzen mit Wurzeln.
Das blöde an der Geschichte ist, dass es keine Geldgeschenke sind sondern nur Darlehen. Der Brautvater bekommt das Geld und der Bräutigam das Buch mit der Aufstellung wer wieviel gegeben hat. Wenn nun der nächste Mann aus der Familie des Bräutigams heiratet muss der jetztige Bräutigam genau den selben Betrag für die Hochzeit zurückbezahlen den er bei seiner Hochzeit erhalten hat.

Spannend und eigentlich eine Abänderung der Mitgift in Österreich

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